Edmund Clark: TERROR INCOGNITUS

Black Sites und Gefangenenlager – die verschwiegene Seite der Terrorbekämpfung

Aus der Serie “Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition”. Raum des Geheimdienstes in Tajoura, Tripolis, in dem früher Verhöre durchgeführt wurden. Aus dem Verhör von Gefangenen die nach Tajoura zurückgebracht wurden, erhielten ausländische Geheimdienste, darunter auch der britische Geheimdienst, Informationen. Mark Allen [i.e. Britischer Geheimdienstmitarbeiter zur Terrorismusbekämpfung] bezog sich auf Abdul Hakim Belhadj, einen der Männer, die hier festgehalten wurden, als er an Gaddafis Geheimdienstchef Moussa Koussa schrieb: „Ich bin sehr froh. Ich bin Ihnen dankbar dafür, dem Mitarbeiter, den wir letzte Woche hingeschickt haben, geholfen zu haben. Abu ‘Abd Allah’s [i.e. Belhadjs] Informationen über die Situation im Land ist für uns von größter Bedeutung.“ Digitaler C-Print © Edmund Clark

Mit der Ausstellung „TERROR INCOGNITUS“ präsentiert ZEPHYR – Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen ab 31. Januar 2016 Arbeiten des Briten Edmund Clark. Der preisgekrönte Fotograf Edmund Clark zeigt, welche Folgen der Kampf gegen den Terrorismus seit 9/11 hat. In präzisen und atmosphärischen Bildern deckt er verborgene Machtsysteme auf.

Aus der Serie “Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition”. Raum 11 in einem Hotel in Skopje, Slowenien, in dem Khaled el Masri 23 Tage festgehalten und verhört wurde. Digitaler C-Print © Edmund Clark

Clark war der erste Fotograf, der im Gefangenenlager von Guantanamo fotografierte. Er berichtete von der Existenz der sogenannten „Control Order Houses“ im Vereinigten Königreich und zuletzt unter dem Titel „Mountains of Majeed“ aus der Welt der Militärcamps in Afghanistan. Diese Serien werden in Mannheim teils vollständig, teils partiell gezeigt.

Aus der Serie “Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition”. Gelände im Nordosten von Kabul; es wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um die sog. „Salt Pit“ handelt, die heute von neu errichteten Fabriken und Gebäuden verdeckt wird. „Salt Pit“ ist die geläufige Bezeichnung für das erste Gefängnis der CIA in Afghanistan, das im September 2002 in Betrieb ging. In den folgenden achtzehn Monaten wurden dort Dutzende von Gefangenen inhaftiert. Der junge afghanische Häftling Gul Rahman starb dort im November 2002 an Unterkühlung. Er wurde in einem anonymen Grab bestattet. Im Bericht des US-Senats über das Programm wird geschildert, dass die Gefangenen in dieser Haftanstalt „ständig in völlig abgedunkelten Isolierhaftzellen eingesperrt waren, die nur mit einem Eimer als Toilettenersatz ausgestattet waren und mit lauter Musik oder Krach beschallt wurden“. Die Mitglieder einer Delegation der „Federal Bureau of Prisons“ [i.e. Gefängnisbehörde der Vereinigten Staaten], die die Einrichtung besuchten, kommentierten, dass sie „noch nie in einer Haftanstalt gewesen waren, in der die Sinneswahrnehmungen der Insassen dermaßen ausgeschaltet wurden“. Digitaler C-Print © Edmund Clark

Erstmals zu sehen ist Edmund Clarks neueste Arbeit. Sie behandelt ein düsteres Kapitel der jüngsten Vergangenheit. Mit „Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition“ untersucht Clark das System der illegalen Entführung von Individuen, die unter vermeintlichem Terrorverdacht stehen, durch den US-Amerikanischen Geheimdienst und ihre Verbringung in sogenannte „Black Sites“. Diese bis Mitte der 2000er Jahre geheimen und illegalen Foltercamps befanden sich in Rumänien, Litauen, Syrien, Libyen oder Guantanamo. Die zentrale Verteilstation für die notwendigen Flüge war Frankfurt am Main. Aus Dokumenten, Gerichtsprotokollen und Fotografien webt Clark ein komplexes Netz von Informationen, das die Dimensionen des Systems und seine Folgen deutlich macht.

Publikation

Edmund Clark, Crofton Black. Negative Publicity: Artefacts of Extraordinary Rendition. Mit einem Essay von Eyal Weizman, Gestaltung: Ben Weaver (Artdirektor The Wire ), Verlag: Aperture New York. ISBN 978-1597113519, im Handel erhältlich ab 23. Februar 2016. Bei Amazon vorbestellbar für derzeit 74,10 Euro.

Besucherinformationen

ZEPHYR – Raum für Fotografie
Museum Bassermannhaus
C4, 9, D-68159 Mannheim
Tel +49 (0)621 293 2120
Fax +49 (0)621 293 9539
[email protected] 

Ausstellungsdauer: bis 29. Mai 2016 verlängert bis 3. Juli 2016!
Öffnungszeiten: Di bis So 11-18 Uhr und nach Vereinbarung
Eintritt: 6,00 Euro, ermäßigt 3,00 Euro, bis 6 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von ZEPHYR – Raum für Fotografie.

Guantanamo: if the light goes out (Flowers Gallery Exhibition Catalogues)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Nikon-Community / Netzwerk Fotografie
Anja betreut die Nikon-Community / Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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