Gyula Halász (Brassaï)

Wir eröffnen unsere neue Rubrik „Große Fotografen“ mit Gyula Halász, besser bekannt unter seinem angenommenen Namen Brassaï.

Brassaï wurde am 09.09.1899 im damals österreich-ungarischen Kronstadt/Brassó (heute Brasov, Rumänien) geboren und verstarb heute vor 30 Jahren am 07.07.1984 in Nizza. Nach dem Abschluss seines Kunststudiums in Budapest und Berlin kam der gebürtige Ungar 1924 als Journalist nach Paris und war fasziniert – wer könnte es ihm verdenken 🙂 – vom Pariser Nachtleben. Gut befreundet mit dem Fotografen André Kertész hat Brassaï es dessen Rat zu verdanken, dass er damit begann, seine Eindrücke von Paris in Fotografien festzuhalten. Zunächst nur daran interessiert, mit den dazugehörigen Bildern seine Artikel besser verkaufen zu können, war Brassaï schnell begeistert von der Fotografie als solcher.

Die Fotografie bei Nacht – damals noch schwieriger zu beherrschen als heute – wurde sein Steckenpferd. Seine Arbeiten waren nicht nur in dieser technischen Hinsicht wegweisend: Brassaï sah wie kaum ein anderer Geschichten, die sich in Bildern erzählen ließen. Sein Freund Henry Miller nannte ihn „das Auge von Paris“: er beobachtete die Halbwelt von Paris und ihre Menschen,  und er fotografierte nächtlich-leere Straßen ebenso wie das bunte Treiben in Varietés, Bordellen, Bars und Clubs. Wo er die beobachteten Personen nicht zur Mitarbeit am Bild bewegen konnte, stellte er die Szenen später nach – wichtig war die Geschichte, die Atmosphäre, nicht unbedingt der individuelle Darsteller. 1933 erschien sein erster Bildband Paris de nuit, mit dem er schlagartig Berühmtheit erlangte. Fotoausstellungen und weitere Veröffentlichungen folgten. Später fotografierte er neben vielem anderen auch Graffitis an den Pariser Mauern und füllte damit weitere Ausstellungen.

Einen kleinen Einblick in seine Fotografie bietet dieses Video:

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Neben der Fotografie war Brassaï besonders in Frankreich auch für seine Zeichnungen und Skulpturen bekannt. Picasso soll einmal zu ihm gesagt haben: „Du bist verrückt, Brassaï! Du besitzt eine Goldmine und verbringst Deine Zeit damit eine Salzmine auszubeuten. “ Die „Salzmine“ war natürlich die Fotografie (sinngemäßes Zitat aus Brassai  , Dialogue With Photography by Paul Hill , ISBN: 0948797665  , Page: 39).

Vielfach fotografierte er die Werke seiner Freunde Pablo Picasso, Salvador Dalí, Alberto Giacometti und Henry Matisse. Harper’s Bazaar engagierte ihn immer wieder für Reisereportagen und auch als Schriftsteller machte sich Brassaï einen Namen: er veröffentlichte die Bücher „Gespräche mit Picasso“ und „Henry Miller und die Pariser Jahre“; sein letztes Buch widmete er Marcel Proust: „Proust und die Liebe zur Photographie“.

Ein Interview mit Brassaï von 1964 (leider nur auf französisch verfügbar)

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Die letzte Ausstellung von Brassaïs Werken in Deutschland fand 2011 in Berlin statt. 2013 erschien ein Bildband, der sich auf die Nachtfotografien der 30er-Jahre konzentriert:
Sylvie Aubenas/Quentin Bajac: Brassaï. Flaneur durch das nächtliche Paris. Schirmer/Mosel Verlag, München; 300 Tafeln und Abbildungen, 312 Seiten; 68 Euro.
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Brassaïs Grab findet man auf dem Friedhof Montparnasse in Paris.

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