Louis Jacques Mandé Daguerre

Grundsätzlich, aber insbesondere im Jahr des 175. Geburtstags der Fotografie, darf unter den großen Fotografen einer nicht fehlen:

Louis Jacques Mandé Daguerre

Louis Daguerre

Daguerre (* 18. November 1787 in Cormeilles-en-Parisis; † 10. Juli 1851 in Bry-sur-Marne) war einer der bedeutendsten Pioniere der Fotografie. Er wuchs in Orléans auf und wurde nach Beendigung der Schulzeit zunächst bei einem Architekten in die Lehre gegeben. Seine Liebe zum Zeichnen machte er später als Dekorations- und Theatermaler zum Beruf. Am Theater fand er vielfältige Beschäftigung und gefiel sich auch in kleineren Statistenrollen oder als Artist. 1816 wurde er leitender Bühnenmaler in einem Theater in Paris, wo ihn nicht nur seine Panoramabilder, sondern auch die Sorgfalt im Umgang mit Lichteffekten erfolgreich und bekannt machten. Einige Aufträge für die Pariser Oper folgten.

1821 erfand er mit seinem Partner Charles Marie Bouton das Diorama, ein Lichteffekttheater mit 2 Bildern auf einem halbdurchsichtigen Prospekt, die durch wechselnde Vorder- und Hintergrundbeleuchtung z.B. unterschiedliche Tageszeiten oder Bewegung simulieren konnten. Das erste Diorama wurde am 11. Juni 1822 in Paris vorgestellt und hatte so großen Erfolg, das bereits im folgenden Jahr ein zweites in London, dann zahlreiche weitere in ganz Europa eröffnet wurden. Als dramaturgische Hilfsmittel wurden sowohl Lichteffekte und Geräusche als auch eine Camera obscura eingesetzt.

Diorama diagram
Diagramm des Londoner Dioramas [Public domain], via Wikimedia Commons

Perfektionist der er war, suchte Daguerre bald nach einer Möglichkeit, ein Bild mit lichtempfindlichen Stoffen zu fixieren, um die umständliche Handhabung der Camera obscura zu vermeiden. Dies gelang ihm zunächst nicht. Ab 1826 arbeitete er an diesem Projekt gemeinsam mit Joseph Nicéphore Nièpce, der sich bereits seit langem mit der Fragestellung beschäftigte. Nièpce starb 1833, an seine Stelle trat sein Sohn Isidore Nièpce.

Joseph Nicéphore Niépce.
Joseph Nicéphore Nièpce. Heliographie von Dujardin nach einem Gemälde von Leonard-Francois Berger 1845; Nadar [Public domain], via Wikimedia Commons

Eher zufällig entdeckte Daguerre 1837 ein völlig anderes als das angestrebte Verfahren und erfand so die nach ihm benannte Daguerreotypie, eine Fotografie auf einer dünnen, versilberten und spiegelblank polierten Kupferplatte. Diese Bilder waren bereits fertige Positive, kaum zu vervielfältigen und anfangs in den Farben Grau bis Blaugrau, in der späteren Entwicklung kam ein Goldton hinzu. Strukturen und Detailtreue waren erstaunlich gut. Die Fotografien allerdings erschienen seitenverkehrt und die Schattenpartien silbern. Dies zusammen mit den gesundheitsschädlichen giftigen Dämpfen sorgte für den schnellen Fortschritt weiterer Entwicklungen und Erfindungen in der Fotografie.

Zunächst jedoch war die Daguerreotypie bahnbrechend und wurde 1839 zunächst der französischen Akademie der Wissenschaften, am 19.08.1839 dann öffentlich vorgestellt. Seitdem gilt der 19.08. als Geburtstag der Fotografie.

Das folgende Bild, aufgenommen im April oder Mai 1838, gilt als erste Aufnahme eines lebenden Menschen. Es zeigt eine belebte Straße. Wegen der langen Belichtungszeit von mehr als 10 Minuten wurde der Straßenverkehr nicht abgebildet, jedoch der links unten erkennbare Mann, der lange genug still stand, weil er sich die Schuhe polieren ließ.

Boulevard du Temple by Daguerre
Boulevard du Temple, Paris, 3. Arrondissement, Daguerreotypie von Louis Daguerre [Public domain], via Wikimedia Commons

Die französische Regierung kaufte die Rechte an der Technik und stellte sie als „Geschenk an die Welt“ jedermann frei zur Verfügung. Daguerre und Nièpce erhielten zum Ausgleich lebenslange Rentenzahlungen.

Der folgende Videobeitrag gibt einen guten Überblick:
YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Add to Flipboard Magazine.

Letzte Artikel von Anja Anton-Hoenen (Alle anzeigen)