Jeff Wall: Tableaux Pictures. Photographs 1996-2013

Das Kunsthaus in Bregenz präsentiert seit heute eine hochkarätige Ausstellung mit und über Jeff Wall.

Jeff Wall: Tableaux Pictures. Photographs 1996-2013

In Kooperation mit dem Stedelijk Museum in Amsterdam und dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk präsentiert das Kunsthaus Bregenz mit Jeff Wall einen der zugleich innovativsten und auch klassischsten Künstler seiner Generation. Seine Auseinandersetzung mit der Fotografie begann bereits in den späten 1960er Jahren.

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Porträt Jeff Wall. Foto: Rudolf Sagmeister

Seit 1970 präsentiert er großformatige Bilder, häufig als Diapositive in Leuchtkästen, wie sie auch aus der kommerziellen Werbung bekannt sind. Dabei ließ sich Wall nie auf eine bestimmte Größe oder eine Art der Präsentation seiner Bilder festlegen, sondern variierte zwischen den Formaten ebenso wie zwischen Leuchtkästen und regulären Farbabzügen. Heute kaum noch nachvollziehbar galt beides zu dem Zeitpunkt, als Jeff Wall
diese Präsentationsformen zum ersten Mal einsetzte, im Ausstellungskontext als absolutes Novum, da – wenn überhaupt – lediglich Schwarz-Weiß-Fotografien als ernsthafte Exponate im Museumskontext verhandelt wurden.

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Jeff Wall. After »Invisible Man« by Ralph Ellison, the Prologue, 1999-2001. Großbilddia in Leuchtkasten 174 x 250,5 cm © Jeff Wall

Durch das Mittel der Inszenierung, dem bewussten Einsatz von unterschiedlichen Größen und Formaten sowie dem einfühlsamen Umgang mit Farbe besetzt Wall eine einmalige Position. In seinen Aufnahmen hinterfragt er kritisch die traditionelle Ästhetik der Fotografie und entwickelt gleichzeitig eindrucksvolle Bilder oder »Tableaux«, in denen sich mitunter komplexe Geschichten komprimieren.

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Jeff Wall. Monologue, 2013. LightJet-Abzug 240 x 282,3 cm © Jeff Wall und Marian Goodman Gallery, New York und Paris

Die Spannbreite seiner Themen reicht von menschlichen Beziehungen und zeitgenössischen gesellschaftlichen Fragen bis hin zur fantasievollen Künstlichkeit der Inszenierung. Inspirieren lässt er sich von Strategien und Motiven aus der Malerei, der Fotografie und dem Film. Häufig erinnern seine von ihm als »kinematografische Fotografien« bezeichneten Aufnahmen an Filmstills, Historienbilder oder Studien sozialer Milieus. In der Regel basieren sie auf Ereignissen oder Situationen, die der Künstler selbst erlebt oder beobachtet hat und die er anschließend für die Kamera rekonstruiert. Ähnlich wie bei Filmproduktionen entstehen auch bei Jeff Wall im Rahmen aufwendig konstruierter Kulissen und in Zusammenarbeit mit Assistenten sowie – seit dem Beginn der 1990er Jahre – mithilfe digitaler Technologien überraschend detailreiche Aufnahmen.

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Jeff Wall. Summer Afternoons, 2013. 2 LightJet-Abzüge 200 x 251,5 cm und 183 x 212,4 cm © Jeff Wall und Marian Goodman Gallery, New York und Paris

Im Lauf seiner Karriere hat Wall die unterschiedlichsten Genres auf ihre erzählerischen Möglichkeiten hin untersucht. So werden in seinen Aufnahmen beispielsweise Stillleben,formale Studien und Kompositionen erforscht, die Details von Interieurs sowie Außenansichten aus überraschenden Blickwinkeln zeigen. Einige seiner Arbeiten werden als Tintenstrahldrucke produziert, wodurch sein Werk eine neue Art von Materialität hinzugewinnt.

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Jeff Wall. After »Spring Snow«, by Yukio Mishima, chapter 34, 2000-2005, fotografiert 2002. Tintenstrahldruck 63 x 74 cm © Jeff Wall

Seit 1996 ist Jeff Wall dazu übergegangen, auch sehr großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen anzufertigen, die seine Untersuchung der Ästhetik der Fotografie erweitern und sowohl Bezüge zur klassischen Street Photography als auch zum Film noir herstellen. Sie reflektieren ein neues Stadium in Walls Beschäftigung mit der Ästhetik der Fotografie und bereichern sein OEuvre um die Nuancen des Kinematografischen.

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Jeff Wall. Volunteer, 1996. Silbergelatine-Abzug 221,4 x 313 cm © Jeff Wall

Zeitlich gesehen beginnt die Bregenzer Ausstellung mit den großen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Mitte der 1990er Jahre und reicht bis in die Werkphase der unmittelbaren Gegenwart hinein – denn auch neue, speziell für diesen Anlass entstandene Arbeiten werden erstmals in dieser Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. In den vergangenen zehn Jahren wurde das Werk Jeff Walls in mehreren Retrospektiven gezeigt, die einen Überblick über sein OEuvre seit dem Ende der 1970er Jahre ermöglichten. Mit annähernd vierzig Arbeiten liegt der Fokus der aktuellen, in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler konzipierten Ausstellung dagegen auf seiner Produktion der letzten zwanzig Jahre, wobei alle wichtigen und wiederkehrenden Themen seiner künstlerischen Arbeit zu sehen sind wie auch eine Auswahl seiner bekannten Leuchtkästen.

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Jeff Wall. Ivan Sayers, costume historian, lectures at the University Women’s Club, Vancouver, 7 Dec. 2009. Virginia Newton-Moss wears a British ensemble c.1910, from Sayers’ collection, 2009. LightJet-Abzug 185,5 x 224,3 cm © Jeff Wall

Die Beschäftigung mit der jeweiligen Ausstellungsarchitektur ist für Wall bei der Erarbeitung einer Präsentation ebenso von Bedeutung wie der Dialog seiner Arbeiten untereinander. So entstehen für Amsterdam, Bregenz und Humlebæk trotz der größtenteils gleichbleibenden Auswahl der Werke Ausstellungen mit jeweils anderen narrative Strängen.Die Ausstellung in Bregenz ist nach über zehn Jahren die erste umfassende Präsentation von Jeff Wall in Österreich.

Besucherinformationen

Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz, A-6900 Bregenz
Tel +43-5574-485 94-0
Fax +43-5574-485 94-408
[email protected]

Ausstellungsdauer: bis 11.01.2015
Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 21 Uhr
Sonderöffnungszeiten an folgenden Terminen:
01.11.14, 10 – 18 Uhr
08.12.14, 10 – 18 Uhr
24. und 25.12.14 geschlossen
26.12.14, 10 – 18 Uhr
31.12.14 geschlossen
01.01.15, 14 – 21 Uhr
06.01.15, 10 – 18 Uhr
Eintritt: 9,- EUR, ermäßigt 7,- EUR, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Kunsthaus Bregenz.

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