Tanz der Hände: außergewöhnliche Fotografien der 1920er Jahre

Anja HoenenEine ganz außergewöhnliche und attraktive Ausstellung wartet in Salzburg auf Euch: Fotografien und Filme zum Thema „Hände“. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts beinahe ein Kult sind ausdrucksstarke Bilder von Händen völlig zeitlos immer ein Hingucker.

Tanz der Hände
Tilly Losch und Hedy Pfundmayr in Fotografien 1920–1935

Ausgehend von einem Tanzabend bei den Salzburger Festspielen mit den beiden Solotänzerinnen Tilly Losch und Hedy Pfundmayr beleuchten das Museum der Moderne Salzburg und das Photoinstitut Bonartes in der Ausstellung Tanz der Hände den Händekult der 1920er-Jahre.


Rudolf Koppitz, Handstudie Hedy Pfundmayr, um 1929. Ausschnitt, nach dem Negativ Photoinstitut Bonartes

Das Museum der Moderne Salzburg organisiert eine Ausstellung über die Ergebnisse einer interdisziplinären Spurensuche des Photoinstitut Bonartes zum Thema Fotografie und Hände. Ausgangspunkt ist ein Tanzabend im Rahmen der Salzburger Festspiele im Jahr 1927. Zwei Solotänzerinnen der Wiener Staatsoper, Tilly Losch (1903–1975) und Hedy Pfundmayr (1899–1965), zeigten in Salzburg ungewöhnliche Choreografien, bei denen sie nur die Hände bewegten.


Trude Geiringer / Dora Horovitz. Ausstellungsansicht Tanz der Hände Tilly Losch und Hedy Pfundmayr in Fotografien 1920-1935, 2014, Museum der Moderne Salzburg. Handstudien Hedy Pfundmayr, um 1927. Silbergelatineabzüge Photoinstitut Bonartes Foto: Rainer Iglar

„Die Ausstellung eröffnet einen Blick auf in eine Vergessenheit geratene Facette der Zwischenkriegszeit, nämlich auf das damalige Faible für Hände und Posen in Fotografie und Tanz der 1920er-Jahre, und das alles in Verbindung mit einer – möglicherweise – auch für heutige Begriffe ungewöhnlichen Aufführung“, begründet Sabine Breitwieser, Direktorin, warum sie die Ausstellung in erweiterter Form am Museum der Moderne Salzburg zeigt.


Rudolf Koppitz. Hedy Pfundmayr mit Elektra-Maske von Richard Teschner, um 1930. Silbergelatineabzug Photoinstitut Bonartes

„Für Tilly Losch und Hedy Pfundmayr sollten jene Tänze zum Markenzeichen werden, ihr Auftreten in Fotografie und Film inspirieren und damit die Wahrnehmung in einer breiten Öffentlichkeit prägen“, erklärt Monika Faber, Leiterin des Photoinstitut Bonartes und Ko-Kuratorin der Ausstellung. Rund 140 Werke, darunter zum Großteil Fotografien, aber auch Filme, Glasdiapositive und Handmoulagen aus diversen  Sammlungen – unter anderem auch aus der des Museum der Moderne Salzburg – werden gezeigt.


Anonym. Tilly Losch als Nonne in Das Mirakel, Regie von Max Reinhardt, 1932. Silbergelatineabzug, Theatermuseum, Wien

Der Händekult der 1920er-Jahre wird in der Ausstellung aus mehreren Perspektiven beleuchtet. Warum Tilly Losch und Hedy Pfundmayr als Balletttänzerinnen die Beinarbeit zurücknahmen und sich derart exklusiv auf Hände konzentrierten, wird unter anderem anhand der fotografischen Nachlässe der beiden analysiert. Einerseits unterstrichen sie damit ihre Nähe zum Ausdruckstanz. Schlanke Frauenhände waren andererseits ein erotisches Symbol, das sich gut für Werbesujets eignete und in der damaligen Lesbenszene regen Anklang fand.


Rudolf Koppitz. Werbesujet für das Schmerzmittel Togal (mit den Händen seiner Frau Anna und seiner Tochter Lisl), um 1930. Silbergelatineabzug Photoinstitut Bonartes

Ein weiterer Aspekt, der untersucht wurde, ist die schier überbordende Vielfalt an Büchern, Zeitungen und Magazinen, die sich dem Kult, aber auch der Analyse von Händen widmeten und reich mit Fotografien illustriert waren. Handlesen hatte zur damaligen Zeit Hochkonjunktur und morphologische Untersuchungen der Hand sollten unter anderem Rückschlüsse auf den Charakter zulassen. Nicht zuletzt spiegelt sich all das in der Studiofotografie der Zeit wider, in der die Gestik die Mimik ergänzte.


Franz Xaver Setzer. Tilly Losch in Straußwalzer in einem Kleid der Wiener Werkstätte, um 1928. Silbergelatineabzug IMAGNO/Photoarchiv Setzer-Tschiedel

Der Fotograf Rudolf Koppitz, mit dem Hedy Pfundmayr eng zusammenarbeitete, sah in Handstudien eine unerlässliche Vorübung seiner Schülerinnen und Schüler für das Porträtfach – eine Auffassung, die offensichtlich auch seine Kolleginnen und Kollegen, wie Trude Fleischmann, Madame d’Ora, Anton Josef Trčka oder Franz Xaver Setzer teilten.


Trude Geiringer / Dora Horovitz. Harald Kreutzberg, um 1929. Silbergelatineabzug, getont. Fotomuseum WestLicht, Wien

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung: Norman Bel Geddes, Arthur Benda, Photo Ellinger, Pepa Feldscharek, Max Fenichel, Trude Fleischmann, Trude Geiringer/Dora Horovitz, Edith Glogau, Horst von Harbou, E.O. Hoppé, Max Jaffé, Dora Kallmus (Madame d’Ora), Grete Kolliner, Rudolf Koppitz, Atelier Koppitz, Germaine Krull, Franz Löwy, Hans Malek, Atelier Manassé, Albert Renger-Patzsch, Residenz Atelier (Albin Kobé), Atelier Robertson (Hans Robertson), Charlotte Rudolph, Franz Xaver Setzer, Otto Skall, Anton Josef Trčka, Wilhelm Willinger, Herta Winkler, Paul Wolff


Atelier Manassé. Die schwarze Hand, um 1930. Silbergelatineabzug, Fotomuseum WestLicht, Wien

In der Ausstellung werden Werke aus dem Fotonachlass von Hedy Pfundmayr, der sich im Besitz des Photoinstitut Bonartes befindet, gezeigt, gemeinsam mit Leihgaben von: Theatermuseum, Wien; Archiv IMAGNO/Photoarchiv Setzer-Tschiedel, Wien; Sammlung Brandstätter; Fotomuseum WestLicht, Wien; Österreichisches Filmmuseum, Wien; Department für Anthropologie der Universität Wien; Lebendiges Tanzarchiv Wien / Andrea Amort; Archiv der Salzburger Festspiele; Derra de Moroda Dance Archives, Salzburg; Sammlung Oczlon, Salzburg; Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz; Universitätsbibliothek Wien, Bibliothek der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt als Dauerleihgabe in der Albertina; Harry Ransom Center, The University of Texas at Austin sowie von ausgewählten Privatsammlungen und der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg.

Besucherinformationen

Museum der Moderne Salzburg
Rupertinum
Wiener-Philharmoniker-Gasse 9, A- 5020 Salzburg, Austria
Tel +43 662 842220
[email protected]

Ausstellungsdauer: bis 15. Februar 2015
Öffnungszeiten:  Di bis So 10–18 Uhr,  Mi 10–20 Uhr
Während der Festspiele: zusätzlich Mo 10–18 Uhr
Eintritt:  € 12, ermäßigt € 8 /  Rupertinum € 6, ermäßigt € 4

Regelmäßige Veranstaltungen
Jeden Mittwoch, 12.30 Uhr
KunstHäppchen: Kunst in Kürze & Lunch
Kurzführung inkl. Mittagsmenü im Sarastro
Rupertinum € 8,90

Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr
Führung durch die Ausstellung
Rupertinum kostenlos

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung des Museum der Moderne Salzburg.

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Anja Hoenen