Wolfgang Tillmans ist Hasselblad Award Preisträger 2015

Das freut uns ganz besonders: Wolfgang Tillmans reiht sich in die Preisträger des Hasselblad Awards ein. In der langen Liste der bisherigen Preisträger seit 1980 liest sich jeder Name vertraut: die Crème de la Crème der Fotografie ist dort vertreten.  Deutsche Preisträger waren bisher Bernd und Hilla Becher (2004) sowie Robert Häusser (1995).

Wolfgang Tillmans ist Hasselblad Award Preisträger 2015

Die Hasselblad-Stiftung freut sich, bekanntgeben zu dürfen, dass der deutsche Künstler Wolfgang Tillmans den mit 1.000.000 Schwedischen Kronen (ca. 110.000 €) dotierten Hasselblad Foundation International Award für Fotografie 2015 erhalten wird.

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Titel: Portrait Wolfgang Tillmans © Karl Kolbitz

Die Preisverleihung findet am 30. November 2015 in Göteborg statt. Eine Ausstellung mit Arbeiten von Wolfgang Tillmans  eröffnet am 1. Dezember 2015 im Hasselblad Center des Göteborger Kunstmuseums in Schweden. Am selben Tag veranstaltet die Hasselblad-Stiftung ein Symposium mit dem Preisträger, und es erscheint ein Buch über die Arbeiten Wolfgang Tillmans’.

Die Hasselblad-Stiftung begründet ihre diesjährige Entscheidung folgendermaßen: »Wolfgang Tillmans hat sich als einer der eigenständigsten und innovativsten Künstler seiner Generation hervorgetan und arbeitet beständig an der Erweiterung der Fotografie als künstlerisches Medium. Seit den 1990er-Jahren beschäftigt er sich in seinen Arbeiten mit drängenden politischen und gesellschaftlichen Fragen. Dabei setzt er sich kritisch mit seiner Umwelt auseinander und reflektiert in direkter als auch indirekter Weise die Macht des fotografischen Bildes. In seinen höchst originellen Installationen kommen Maßstab, Format, Rahmung und Präsentation auf ganz neuartige Weise zur Geltung. Damit hat Wolfgang Tillmans nachfolgende Künstlergenerationen geprägt und das bisherige Verständnis von Fotoausstellungen grundlegend verändert.«

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Titel: Suzanne & Lutz, white dress, army skirt, 1993 © Wolfgang Tillmans. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Das diesjährige Preiskomitee, das seinen Vorschlag dem Aufsichtsrat der Stiftung vorlegte, bestand aus:
Simon Baker, Vorsitzender, Kurator für Fotografie der Tate Modern, London
Irina Chmyreva, Chefkuratorin, Projekt zur Förderung der Fotografie in Russland, IRIS Foundation, Moskau
Katerina Gregos, Freie Kuratorin und Künstlerische Leiterin der Art Brussels, Brüssel
Roberto Koch, Verleger, Contrasto, Rom und Mailand
Roxana Marcoci, Chefkuratorin für Fotografie am Museum of Modern Art, New York

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Titel: Freischwimmer 16, 2003 © Wolfgang Tillmans. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Wolfgang Tillmans, geboren 1968 in Remscheid, ist ein international anerkannter Künstler, der das gängige Verständnis der Fotografie als galeriebasiertes Medium neu definiert hat. Von 1990 bis 1992 studierte er am Bournemouth and Poole College of Art and Design in Bournemouth, England. Während der 1990er-Jahre bis Mitte der 2000er-Jahre lebte und arbeitete er hauptsächlich in London. International bekannt wurde Tillmans 2000, als ihm in London als bislang einzigem primär mit Fotografie arbeitenden Künstler der renommierte Turner Prize verliehen wurde. Tillmans ist zudem der einzige noch lebende Künstler, dessen fotografische Arbeiten in einer umfangreichen Ausstellung in der Tate Britain zu sehen waren. Seine Arbeiten befinden sich in den Sammlungen großer internationaler Museen, darunter bedeutende Institutionen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

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Titel: Iguazu, 2010 © Wolfgang Tillmans. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Seit den 1990er-Jahren hat Wolfgang Tillmans in regelmäßigen Abständen Ausstellungen präsentiert, zuletzt im Stockholmer Moderna Museet, in der Kunsthalle Zürich, im Düsseldorfer K21, im Museo de Arte de Lima in Peru und im Museo de Artes Visuales, Santiago, in Chile. 2014 wurden seine Installationen auf der 8. Berlin Biennale, der Manifesta 10 und im Rahmen von Sammlungspräsentationen in der Sammlung Beyeler in Riehen und der Fondation Louis Vuitton in Paris gezeigt. In jüngster Zeit erntete Wolfgang Tillmans breite Anerkennung für seinen viel beachteten Beitrag zur Architekturbiennale in Venedig; eine Zweikanal-Videoinstallation seiner fotografischen Erkundungen von Stadtlandschaften im Zeitalter der Globalisierung, die momentan im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen ist. Wolfgang Tillmans lebt und arbeitet in Berlin und London.

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Titel: young man, Jeddah, b, 2012 © Wolfgang Tillmans. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Tillmans’ Arbeiten zeichnen sich durch eine in hohem Maße facettenreiche und differenzierte Haltung in Bezug auf seine Sujets aus. Von ihrem Ansatz her reichen sie von Street Photography und Porträts (einschließlich maßgeblicher Betrachtungen zu Subkulturen, queerer Politik und AIDS) bis hin zu Reise-, Landschafts- und Stilllebenfotografie, Himmelsaufnahmen sowie reiner Abstraktion. Tillmans schafft jedoch nicht nur ikonische Bilder, sondern besticht zudem durch eine ausgesprochene Vielfalt an Interessen und Konzepten. Dabei gelingt es ihm immer wieder, die Grenzen zwischen scheinbar gegensätzlichen Praktiken aufzulösen. So entstanden in den letzten Jahren einige ebenso substanzielle wie signifikante Werkgruppen rein abstrakter Fotografie als Ergebnis chemischer und technischer Experimente. Für die Motive seiner neuesten Werkgruppe Neue Welt bereiste und betrachtete er die Welt fernab seiner gewohnten und bisher betretenen Pfade. In seinen in den vergangenen 30 Jahren entstandenen Arbeiten stellt Tillmans in exemplarischer Weise Untersuchungen hinsichtlich des Wesens, der Funktionsweise und der technischen und sozialen Proliferation von Bildern sowie hinsichtlich unterschiedlicher Repräsentationsorte an.

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Titel: Truth study center, 2007 (table 8) © Wolfgang Tillmans. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Die wohl charakteristischste Qualität von Tillmans’ künstlerischer Praxis ist seine innovative Haltung zur Materialität des fotografischen Abzugs beziehungsweise Fotodrucks. So produziert er seine Arbeiten auf verschiedenen Papieren und in verschiedenen Größen, montiert und rahmt sie auf unterschiedlichste Art, um das Wesen der Fotografie im Sinne eines räumlichen Objekts hervorzuheben. Dabei bedient sich Tillmans des jeweiligen Ausstellungsraums, den er durch ortsspezifische Installationen gleichermaßen gestaltet und kuratiert. Die Installationen von Wolfgang Tillmans haben die Fotografie in den Rang eines in zeitgenössischen künstlerischen Praktiken gleichberechtigten Mediums erhoben.

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Titel: Collum, 2011 © Wolfgang Tillmans. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Von gleicher Wichtigkeit für die Präsentation seiner Arbeiten sind für Tillmans Buchpublikationen, die er ähnlich seiner Ausstellungen selbst gestaltet und konzipiert. Seit den 1990er-Jahren erschienen zahlreiche Künstlerbücher und Monografien sowie Beiträge für Magazine und andere Druckwerke. Mit seinem ambitionierten und überzeugenden Umgang mit der Fotografie in all ihren Formen und mit ihrer Präsentation in Ausstellungen und Publikationen hat Tillmans das Verhältnis zwischen Fotografie und den Räumen und Diskursen zeitgenössischer Kunst nachhaltig transformiert. Heute zählt Tillmans zu den einflussreichsten Künstlern, der in seinen Arbeiten das Potenzial und die Wirkung der Fotografie im 21. Jahrhundert – auch im Hinblick auf jüngste und aktuelle Studentengenerationen – maßgeblich mitgeprägt hat.

Wolfgang Tillmans wird u.a. von Galerie Buchholz, Berlin/Köln, Maureen Paley, London und David Zwirner, New York vertreten.

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Titel: Nite Queen, 2013 © Wolfgang Tillmans. Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Die Hasselblad-Stiftung besitzt eine sich auf das Werk der bisherigen Hasselblad Award-Preisträger sowie nordische Fotografie konzentrierende fotografische Sammlung. Das im Göteborger Kunstmuseum untergebrachte Hasselblad Center präsentiert jährlich drei bis vier Ausstellungen, von denen eine sich jeweils dem aktuellen Hasselblad Award-Preisträger widmet. Darüber hinaus vergibt die Stiftung jährliche Studien- und Residenzstipendien und engagiert sich durch Buchpublikationen sowie durch die Organisation von Seminaren und anderen öffentlichen Veranstaltungen aktiv im Bereich wissenschaftlicher und künstlerischer Forschung.

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung der Hasselblad Stiftung.

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