Konzertfotografie – die Akkreditierung!

Anja HoenenDu hast Dich mit den technischen Tücken der Konzertfotografie beschäftigt, Deine Ausrüstung parat und tausend Tipps zur richtigen Belichtung  und dem passenden Bildausschnitt im Kopf. Zeit zum Loslegen! Aber wie läuft das mit der Fotoerlaubnis auf Konzerten? Unser neues Snippet erklärt es.

Konzertfotografie – die Akkreditierung!

von Klaus Harms

Für viele Fotografen gehört die Event- und Konzertfotografie zu den Highlights im fotografischen Bereich. Zugleich ist sie aber wegen oftmals widriger oder einfach schlechter Lichtverhältnisse eine Herausforderung an den Fotografen und seine Ausrüstung!

Da macht es Sinn, wenn der Fotograf des Geschehens über die Möglichkeit verfügen kann, sich frei oder zumindest etwas ungezwungener zu bewegen als ein Zuschauer/Zuhörer, um den Standort seiner Kamera aussuchen zu können. Dieser freie Bewegungsspielraum kann auch in anderer Hinsicht ein Vorteil sein, da er entscheidend bei der Motivplatzierung im Bild helfen kann. Zu dieser Freiheit gehört auch die Gelegenheit, sich mit den Lichtverhältnissen VOR der Veranstaltung vertraut zu machen.

Der Tipp: Schau Dich ruhig und ggf. einen Abend vor dem Event in der Örtlichkeit um. Manches Mal kannst Du auch schon vor dem Ereignis Einlass bekommen, zum Aufbau, zu den Proben oder zum Soundcheck. Anlässlich dieser Aktionen wird auch schon häufig der Lichtmischer bedient und die Scheinwerfer ausgerichtet.

Kennt der Fotograf den Veranstalter, die Band oder den Interpreten, ist diese Freizügigkeit kein Problem. In diesem Falle kann unter Umständen sogar Einfluss auf das Licht oder die Beleuchtung genommen werden. Anlässlich eines kleinen Konzertes in einer Szenekneipe konnte ich die Band überreden, auf das geplante und schmutzige Gelblicht einer Funzellampe zu verzichten. Stattdessen wurde ein relativ neutraler Scheinwerfer eingesetzt, der durch diffusen Schein nicht nur gutes Licht lieferte, sondern auch sehenswerte Bilder ermöglichte.

Handelt es sich um einen ersten Kontakt zum Künstler oder zum Management, ist eine Akkreditierung für Pressevertreter oder Bildreporter eine recht gute Hilfe, um zu guten Bildern zu kommen.

Merke: Ja, ein Presseausweis kann ein Türöffner sein, muss es aber nicht. Und wenn Presseausweis, sollte es in aller Regel ein „richtiger“ und zugelassen offizieller Presseausweis sein und nicht einer der vielen Abzockausweise, die im Netz kursieren.

Ein guter Freund von mir sagte einmal, eine Akkreditierung für eine Veranstaltung ohne im Besitz eines anerkannten Presseausweises zu sein, sei die Kunst und das Geheimnis guter Bilder. Nun ja, ein wenig überheblich ist diese Aussage schon, finde ich. Aber es ist durchaus möglich, eine Akkreditierung oder einen Fotopass zu einem Konzert oder einem Event zu erhalten, ohne dass man im Besitz eines Presseausweises sein muss.

Denn gute Bilder und ein wenig Verhandlungsgeschick bewirken bei Interpreten, Künstlern und Veranstaltern oftmals mehr Initiative und Bereitschaft zur Zusammenarbeit, als jedes offizielle Dokument. Und ein Presseausweis schafft kein Vertrauen zum Fotografen; eher das Gegenteil ist der Fall, da Pressevertreter in aller Regel als „beobachtend“ und nicht berechenbar wahrgenommen werden, während ein Fotograf, insbesondere wenn er schon das eine oder andere Mal mit dem Interpreten gearbeitet hat, nicht mehr als Fremdkörper gesehen wird.

Du hast schon ein kleines Archiv guter Event- und Konzertaufnahmen? Prima, dann verfügst Du über die halbe Miete, wie man so schön sagt. Du hast Dir ein Konzert ausgesucht, von dem Du gern Bilder machen würdest. Dann ist es jetzt an der Zeit herauszufinden, wer bei und in diesem Konzert das Sagen hat. Nein, in aller Regel ist es nicht der Herr oder die Herrin über den Veranstaltungsort (Kneipe / Club / Halle / Jugendzentrum whatever), sondern der Agent, die Konzertagentur, oder im Zweifel der Künstler oder die Band selbst.

Die Webseite des Musikers oder die Homepage der Auftretenden hilft Dir weiter. Im Impressum oder unter Kontakte findest Du das Management, die Booking- / Konzertagentur oder zumindest einen zuständigen Ansprechpartner, die Du mit Deinem Anliegen und / oder Deiner Bitte kontaktieren kannst.

Ich mache es eigentlich auch nach vielen Jahren meiner Tätigkeit als Event- und Konzertfotograf für eigene Zwecke immer noch so, dass ich dem ausgesuchten Kontakt eine aussagekräftige Email sende, der ich entweder einige ausgesuchte Bilder anhänge und/oder einen Link zu einer ebenfalls ausgesuchten Webseite mit ebenfalls ausgesuchten Bildern, die dokumentieren, dass der Fotograf in der Lage ist, gute und sehenswerte Bilder zu machen:

Hello from the photographer,

I am one of the biggest fans of XXXXX XXXXX since many years and I like the music and last but not least the live performances of XXXXX. So I heard about the gig of XXXXX on May, 07th, 2010 in Munich, Germany, and my question is, if it is possible to take some noncommercial pictures for my portfolio at this event?

I photographed (a little listing of your work) some other musicians in the past and you can see some of these pictures of these concerts from the last year when choosing this link:

 https://www.flickr.com/photos/[email protected]/ 

If you like, you and the members of the band can get some of the best pictures for free.

Thanks for listening and your feedback! Have a nice weekend and a good time with all good music!

Regards

(Unterschrift + Kontaktdaten)

Wichtig: Zeige Deinem ausgesuchten Kontakt, dass Du Dich mit dem Objekt Deiner Begierde beschäftigt hast. Es ist hilfreich und schmeichelt auch, wenn Du in dem Anschreiben zur Akkreditierung etwas zur Vita des Künstlers erwähnst oder positive Anmerkungen zu seiner Musik triffst; bitte das alles in Maßen, denn Übertreibung klingt schnell lächerlich und erreicht keine gewünschte Nähe.

Handelt es sich bei dem Shooting um keine bezahlte Auftragsarbeit, kann man bei der Agentur und den Künstlern punkten, wenn einige der anlässlich des Konzertes gemachten Bilder kostenfrei zur freien Verwendung auf deren Webseiten angeboten werden. Gerade kleine Konzertagenturen, Manager und noch nicht so bekannte Bands und Künstler sind immer um gute Bilder von Ihren Auftritten verlegen.

Achtung: Es ist unbedingt eine Erlaubnis einzuholen, wenn Du die Bilder vom Konzert gewerblich nutzen möchtest.

Muss es zu Beginn schon gleich ein Konzert der Rolling Stones sein?

Nein, nicht unbedingt, es sei denn, man möchte Mick Jagger nicht gleich zu Beginn der eigenen Fotografenkarriere enttäuschen und besonders ihm ein Special bieten!:-)

Spaß beiseite, die Konzertfotografie macht unsagbar Freude gerade in kleinen Clubs und mit auch noch nicht (so sehr) bekannten Künstlern. Im Gegenteil, meine Erfahrung ist, dass gerade diese Menschen, die noch relativ neu sind und noch nicht abheben, nicht nur sehr dankbar sind, sondern vielmals auch ganz tolle und eindrucksvolle Motive sein können! Und so kann es sogar zu Interaktionen während eines Konzertshootings kommen, die den Bildern noch einmal mehr Atmosphäre und Lebendigkeit verleihen. Erwähnt werden muss auch, dass bei prominenten und größeren Konzerten die Möglichkeit zum Fotografieren oft auf die ersten drei Songs oder Musikstücke beschränkt wird.

Hier haben selbst professionelle Fotografen häufig ihre liebe Not, in dieser kurzen Zeit zu guten Ergebnissen zu kommen. Letztlich spielt aber auch die Qualität des Bildes im Rahmen eines kurzen Zeitungsartikels oft nur eine untergeordnete Rolle. Das Bild muss den Interpreten erkennbar zeigen und der Artikel muss informativ geschrieben sein

Der ambitionierte Fotograf möchte gute und eindrucksvolle Bilder mit Atmosphäre schaffen und gestalten. Und das lässt sich mit einer Akkreditierung in aller Regel gut erledigen, zumindest aber erleichtern! Die Akkreditierung verschafft Euch, im Gegensatz zu den vor der Bühne stehenden Handyknipsern, zudem die Nähe zum Künstler, die Euch wiederum Bilder machen lässt, die durch ihre Nähe und Präsenz den Betrachter verzaubern.

Ich hoffe, ich konnte Euch einige Anregungen geben und den einen oder anderen Tipp vermitteln, wünsche Euch gutes Licht bei Euren Konzerten und viel Erfolg mit Euren Bildern!

Klaus Harms fotografiert seit fast 40 Jahren, ist Autor einiger Bücher zu Kameras und Fotografie und gründete 2004 die Nikon-Community, die mittlerweile zu den größten fotografischen Onlineangeboten im Internet gehört. Fotografisch liegt sein Schwerpunkt auf Menschen- und Konzertfotografie, in deren Rahmen er immer wieder auch von Musikern, Künstlern und Agenturen engagiert wird.

© Nikon Fotografie-Forum und Klaus Harms. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung.

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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