Rinko Kawauchi: Illuminance

Anja HoenenZum Frühlingsanfang haben wir etwas luftiges und duftiges für Euch – obwohl diese Beschreibung Rinko Kawauchi ohne weitere Ergänzungen nicht gerecht wird. Heute eröffnet im KUNST HAUS WIEN ihre sehenswerte Ausstellung.

Rinko Kawauchi: Illuminance

Das KUNST HAUS WIEN widmet der Japanerin Rinko Kawauchi (*1972) ihre bisher umfangreichste Ausstellung in Österreich.

Kawauchis Fotografien bestechen durch eine Sprache, die gleichzeitig vertraut und universell scheint. Rinko Kawauchi erforscht das Besondere im Alltäglichen, die fundamentalen Kreisläufe des Lebens, die scheinbar unabsichtliche Ordnung der Natur. Die Ausstellung im KUNST HAUS WIEN zeigt das beeindruckende Werk der japanischen Künstlerin in Fotografien, Filmen und Büchern als erste umfangreiche Mid-Career-Retrospektive in Europa.

„Es gehört zur Kawauchi-Mythologie, dass die Künstlerin sich hauptsächlich mit den alltäglichen, kleinen, unbedeutenden Dingen und Augenblicken des Lebens beschäftigt und sie zu etwas Transzendentem von hypnotisierender Schönheit erhebt“, schreibt etwa David Chandler in Kawauchis Buch Illuminance (2011, Heidelberg).

In groß angelegten Zyklen stellt Rinko Kawauchi ein universelles Gedächtnis und eine archetypische Erinnerung vor, die eine Reflexion über das menschliche Dasein ermöglicht. Rinko Kawauchi fängt mit ihrer Kamera elementare sowie beiläufige Momente mit derselben konzentrierten Hingabe ein. Sie erforscht das Besondere im Alltäglichen, was sie zu den fundamentalen Kreisläufen des Lebens und der scheinbar unabsichtlichen Ordnung der Natur in formalen Strukturen führt. Die außergewöhnliche Sensibilität ihres Blickes auf die Welt, die uns umgibt, verleiht ihren Fotografien eine einzigartige Anziehungskraft.

Die Künstlerin begann ihre Karriere 2001 mit der simultanen Veröffentlichung von drei eindrucksvollen Fotobüchern – Utatane, Hanabi und Hanako – und sicherte sich damit ihre Stellung als eine der innovativsten Positionen der zeitgenössischen Fotografie. Gerade in Japan ist das Fotobuch ein wichtiges Medium für FotografInnen, so auch für Kawauchi.

Die titelgebende Serie Illuminance (2007-2011), die Kawauchis empathischen wie verspielten fotografischen Zugang aufzeigt, markiert den Beginn der Ausstellung. Die ungewöhnlichen Motive und  speziellen Farben der Arbeiten verleihen jedem unbeachteten Moment etwas Erhabenes.

In Aila (2004) wird der Dualismus von Leben und Tod thematisiert, die „Wunder der Welt“ im Kleinen und Großen. Diese Serie appelliert an eine höhere Ordnung, an das Zusammenspiel aller Dinge des Lebenszyklus. Auch die Slideshow Cui Cui (2005) widmet sich den großen Kreisläufen des Lebens, doch diesmal aus einem sehr persönlichen Zugang heraus. Es sind Aufnahmen, die über 13 Jahre hinweg entstanden, Erinnerungen an Heimat und Familie evozieren und wie ein Sammelsurium unprätentiös festgehaltener Alltagsmomente erscheinen.

Eigens für Rinko Kawauchis Ausstellung im KUNST HAUS WIEN entstand die neue Werkgruppe Search for the Sun (2015), wofür die Künstlerin im Dezember 2014 einer Einladung des KUNST HAUS WIEN folgte und Österreich bereiste. Ihre Suche nach dem Besonderen führte sie dabei unter anderem in eine Goldschmelze in Wien und in die Gletscherwelt des Dachsteins.

Rinko Kawauchis künstlerische Arbeit zeugt von einer starken Verbundenheit mit der Natur. In der großformatigen Serie Ametsuchi (2012-13) zeigt sie Bilder einer traditionellen Brandrodung im Süden Japans, wobei hier Kawauchis Blick erstmals vom Kleinen und Nahen auf das Große und Umfassende rückt. Der Filmprojektion von Ametsuchi stellt sie den Film Seeing Shadow (2012) gegenüber – eine sich ständig verändernde Formation von schwarzen Vögeln über dem Meereshorizont, eine Anspielung auf umrisshafte und nicht fassbare Schatten.

“Just when it seems that everything has been photographed, in every possible way, along comes a photographer whose work is so original that the medium is renewed.” – Garry Badger

Biografie
Rinko Kawauchi wurde 1972 in Shiga, Japan, geboren und absolvierte ihre Ausbildung an der Seian University of Art and Design in Otsu, Shiga, Japan. Heute lebt und arbeitet die Künstlerin in Tokio. Ihre wichtigsten Ausstellungen fanden unter anderem auf dem Rencontres d’Arles Festival, Arles, Frankreich (2004), in der Fondation Cartier, Paris (2005), der Photographer’s Gallery, London (2006), dem Hasselblad Center, Göteborg, Schweden (2007), dem Museum of Modern Art, São Paulo (2007), im Kunstverein Augsburg e.V., Deutschland (2010), im Tokyo Metropolitan Museum  of Photography (2012), im FoMa Antwerpen, Belgien (2014), im Minneapolis Institute of Arts (2014) und im KUNST HAUS WIEN (2015) statt.

Besucherinformationen

KUNST HAUS WIEN
Untere Weißgerberstraße 13, A-1030 Wien
Tel +43 1 712 04 95
Fax +43 1 712 04 96
[email protected]

Ausstellungsdauer: 20. März 2014 bis 26. Juni 2015
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 19 Uhr
Eintritt: 10 €, Kombiticket 12 € (inkl. Museum Hundertwasser), ermäßigt 5 €

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von KUNST HAUS WIEN.

Add to Flipboard Magazine.

image_pdfimage_print
Anja Hoenen