Wim Wenders: Landschaften. Photographien.

Wim Wenders – man muss kein Filmfan sein, um diesen Namen zu kennen. Mittlerweile ist auch Wenders Zuneigung zur Fotografie weithin bekannt. Nicht wenige haben daher auf diese Ausstellung gewartet, die ab dem 18.04.2015 im Museum Kunstpalast Düsseldorf einen würdigen Präsentationsrahmen erhält.

Wim Wenders: Landschaften. Photographien.

„Wenn man viel unterwegs ist,“ schreibt Wim Wenders, „wenn man gern umherstreift, um sich zu verlieren, kann man an den merkwürdigsten Orten landen. Es muss wohl eine Art eingebauter Radar sein, der mich oft in Gegenden führt, die entweder sonderbar ruhig oder auf eine ruhige Art sonderbar sind.“

Wim Wenders (*1945 in Düsseldorf) ist vor allem durch Filme bekannt geworden wie Der Himmel über Berlin, Pina oder jüngst Das Salz der Erde, ein Porträt des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado. Doch der Filmemacher bekennt: „Die photographische Arbeit ist die andere Hälfte meines Lebens“. Bereits seit Jahrzehnten entsteht ein von Wenders filmischen Arbeiten unabhängiges fotografisches Werk: Aufnahmen von einsamen, manchmal skurril wirkenden Orten und Landschaften, von „Schau-Plätzen“ mit eigenen Geschichten.

Anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers im Jahr 2015 zeigt das Museum Kunstpalast in Kooperation mit Wenders Images und der Wim Wenders Stiftung eine Auswahl von ca. 80 großformatigen Fotografien, die stets analog, ohne Kunstlicht, ohne Stativ entstanden sind. Das Spektrum reicht von den frühen Schwarz-Weiß-Fotografien über die monumentalen Landschaftspanoramen bis hin zu erst im letzten Jahr entstandenen Fotografien.

Für seine fotografische Arbeit bevorzugt Wenders seit jeher die Schreibweise „Photographien“, es ist ihm ein ehrwürdiger Begriff, der das geglückte Zusammenspiel von Licht (phos) und Malen  (graphein) betont und die Möglichkeit, mit einem Foto einen einzigartigen Moment in der Zeit einzufangen.

Wenders begann mit Schwarz-Weiß Fotografien, wechselte jedoch später zur Farbfotografie. Hier verband sich sein fotografisches Interesse mit der Leidenschaft für Malerei. Wenders, der sich  zunächst an der Kunstakademie Düsseldorf um ein Studium beworben hatte und schließlich 1967 an der gerade gegründeten Hochschule für Fernsehen und Film in München sein Studium begann, entdeckte die Bedeutung der Farben für seine Arbeit: so begann er ein Bild erst wegen der Farben zu „sehen“ und den Bildausschnitt nach den Farben festzulegen.

„Was ich mit Macht werden wollte, war Maler. Und wenn mich Bilder wirklich beeindruckt und beeinflusst haben, dann waren das Vermeer und Rembrandt, holländische Landschaftsmaler, später Klee und Kandinsky und Beckmann, noch später Edward Hopper und andere. Als der Filmemacher, der ich dann auf Umwegen geworden bin, und schließlich auch als Photograph, verdanke ich der Geschichte der Malerei unendlich viel mehr als der Filmgeschichte und auch der Photogeschichte. Vielleicht will ich deswegen mit meinen Bildern etwas bewirken,  was eigentlich in der Malerei seinen Anfang genommen hat.“
(Aus: Wim Wenders, A Sense of Place. Texte und Interviews, hrsg. von Daniel Bickermann, Frankfurt/Main 2005, S. 88)

Zu vielen seiner fotografischen Arbeiten hat Wenders Texte geschrieben, die in ihrem Rhythmus wie ein Gedicht klingen. Mit ihnen hält er seine persönlichen Eindrücke, Beobachtungen und Gedanken fest.

„man kann […] eine Kamera
auch wie ein Aufnahmegerät benutzen,
welches nicht unbedingt nur Töne aufnimmt,
sondern aufzeichnet, was der Ort zu sagen hat.
Im Photo erzählt er seine Geschichte,
im zweifachen Sinne des Wortes,
als Historie und als Fiktion.“
(Aus: Wim Wenders, A Sense of Place. Texte und Interviews, hrsg. von Daniel Bickermann, Frankfurt/Main 2005, S. 36)

Ein Farmhaus im wogenden Getreidefeld, ein rostiges Riesenrad auf einer leeren Wiese in Armenien, ein verlassenes Freiluftkino in Palermo, ein verfallenes Haus im ehemaligen jüdischen Viertel von Berlin – die Fotografien von Wenders zeigen selten Menschen und geben doch Zeugnis vom Menschsein.

Die Ausstellung wird von Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast, gemeinsam mit Wim Wenders kuratiert.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint im Schirmer/Mosel Verlag, München, ein Katalog in Deutsch, 354 Seiten, 88 Abb. Mit Beiträgen von Hubertus von Amelunxen, Laura Schmidt, Wim Wenders und Beat Wismer.  Museumsausgabe. 29,80 €

Besucherinformationen

Stiftung Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf
Tel +49(0) 211-566 42 100
Fax +49(0) 211-566 42 906
info(at)smkp.de 

Ausstellungsdauer: 18. April 2015 bis 16. August 2015
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa, So 11–18 h; Do 11–21 h, Mo geschlossen, Feiertage 11–18 Uhr
Eintritt: 12€, 9,50 € ermäßigt, Kinder 7-17 Jahre 1 €, Kinder bis 6 Jahren frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Stiftung Museum Kunstpalast

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