TV-Tipp: William Eggleston – Fotograf

TV-Tipp: William Eggleston – Fotograf

15.04.2015 / 21:00 / 45 min / ARD-alpha
William Eggleston - Fotograf
aus der Reihe "Lido"
produziert 2008, Autor: Reiner Holzemer

Der amerikanische Fotograf William Eggleston (*1939) gilt als Wegbereiter der modernen, künstlerischen Farbfotografie. Seine Aufnahmen zeigen meist unspektakuläre, banale Motive aus dem amerikanischen Alltagsleben, die er in der Regel in der Umgebung seiner Heimat Memphis, Tennessee und Mississippi aufgenommen hat. Eggleston sagt, dass er „demokratisch“ fotografiere und meint damit, dass er alle Motive, egal ob Mensch, Landschaft oder Gegenstand, gleichwertig betrachte.  In der formalen Komposition wirken seine Bilder oft amateurhaft, als wären sie zufällig zustande kommen.

William Eggleston - Fotograf
William Eggleston ist der Vater der künstlerischen Farbfotografie. Sein spezieller Blick inspirierte Generationen von Künstlern und Filmemachern. Bild: BR/Reiner Holzemer

Anders als sein großes Vorbild Henri Cartier Bresson sucht William Eggleston keine „entscheidenden Augenblicke“.  Auch ist ihm jegliches fotojournalistische Interesse völlig fremd. „I am at war with the obvious – Ich hasse das Offensichtliche“ hat er einmal bekannt. Stattdessen fotografiert er Momente, die mehrdeutig und offen interpretierbar sind. Dadurch erzielt er in seinen Bildern eine ähnliche Spannungsgeladenheit wie Alfred Hitchcock oder David Lynch in ihren Filmen.

Seit Ende der sechziger Jahre fotografiert William Eggleston in Farbe. Damit betrat er künstlerisches Neuland in einer Zeit als Farbfotografie noch als vulgär abqualifiziert wurde. Eggleston nutzte für seine Bilder frühzeitig das damals in der Werbung weit verbreiteten Dye Transfer Verfahren. Damit konnte er, ähnlich wie ein Maler, die Farbintensität und somit auch die psychologische Wirkung seiner Aufnahmen beliebig manipulieren.

William Eggleston - Fotograf
Bild: BR/Reiner Holzemer

1976 wurden Egglestons Bilder zum ersten Mal in einer umfassenden Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art präsentiert. Kritik und Publikum reagierten zunächst verhalten bis vernichtend. Mehr als 30 Jahre später kehrte William Eggleston im November 2008 mit der großen Retrospektive „Democratic Camera“ in das Whitney Museum for American Art nach New York zurück. Diesmal feierte ihn die New York Times, genauso wie die gesamte amerikanische Kunstpresse, als einen Klassiker, der für die Fotografiegeschichte stilbildend wirkte.

Der Münchner Dokumentarfilmer Reiner Holzemer hat den Fotografen William Eggleston in Memphis besucht. Zum ersten Mal gelang es, den scheuen Künstler über die Entstehung seines Werkes zu befragen und ihn auf einem fotografischen Spaziergang durch Memphis zu begleiten.

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung des Bayerischen Rundfunks.

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