Lee Miller in der Albertina

Lee Miller – eine der faszinierendsten, unabhängigsten und wohl auch unruhigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Die Albertina in Wien widmet ihr eine grandiose Ausstellung, die man gesehen haben sollte.

Lee Miller in der Albertina

Lee Miller (1907-1977) zählt zu den faszinierendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. In knapp 16 Jahren fertigte sie ein vielfältiges fotografisches Werk an, das unterschiedlichste Genres in sich vereint. Von surrealistischen Bildern über Mode-, Reise- und Porträt- bis hin zur Kriegsreportagefotografie reicht Millers Oeuvre, das die Albertina in Wien anhand von rund 100 Objekten erstmals in seiner Breite in Österreich zeigt.

Lee Miller begann ihre künstlerische Karriere 1929 als surrealistische Fotografin in Paris.  Oftmals in Kollaboration mit Man Ray fertigte sie Bilder an, in denen sie Motive durch enge Bildausschnitte und experimentelle Techniken, wie die Solarisation, verfremdete und so eine paradoxe Wirklichkeit sichtbar machte. Den surrealistischen Blick bewies Miller ebenso auf den Straßen von Paris, wo sie in alltäglichen Motiven Absurditäten entdeckte, aber auch in späteren Porträtfotos, die sie ab 1932, zur Zeit der großen Rezession, in ihrem Fotostudio in New York aufnahm.

Miller blieb nur kurz in den USA; bereits 1934 zog sie nach Ägypten, wo Reisefotografien entstanden, in denen sie die Landschaft in modernistische und zweideutige Formen übersetzte. 1938 übersiedelte sie nach England. Diese biografischen Aspekte sind für das Verständnis von Lee Millers fotografischem Werk bedeutsam, ist dieses doch untrennbar mit ihrem Unabhängigkeitsdrang verbunden.

Als Reportagefotografin lichtete sie ab 1940 die desaströsen Folgen des Zweiten Weltkrieges ab. Lee Miller fotografierte den Angriff durch die deutsche Luftwaffe auf London („Blitz“) ebenso wie später die Befreiung von Paris. Auf ihrer Reise nach München 1945 entstand jenes berühmte Portrait, in dem sie nackt in der Badewanne von Adolf Hitler zu sehen ist – nachdem Miller zuvor als eine der ersten Fotografen und Fotografinnen die Verbrechen in den eben befreiten Konzentrationslagern in Dachau und Buchenwald festhielt.

Ihre Reportagen führten sie 1945 über Salzburg nach Wien, wo sie das zerstörte Stadtbild ebenso fotografierte wie die Not in den Kinderspitälern. Auf dieser zum großen Teil unveröffentlichten Werkgruppe liegt der besondere Fokus der Ausstellung.

Mit der Ausstellung Lee Miller würdigt die Albertina eine einzigartige Persönlichkeit, eine vielseitige Künstlerin und Fotografien, welche in ihrem Werk politische und ästhetische Aspekte miteinander vereint und bis heute ob ihres furchtlosen Engagements fasziniert.

Die Albertina eröffnet zugleich die 450 Quadratmeter großen Galleries for Photography und widmet diese Ausstellungsräume exklusiv der Präsentation von Fotografie.

Publikation
Der Katalog zur Ausstellung ist im Shop der Albertina und online unter www.albertina.at für ca. 25 Euro erhältlich.

Mehr Informationen zu Lee Miller gibt es in einem kürzlich erschienen Artikel auf Spiegel Online und natürlich auf der Homepage der Lee Miller Archives.

Besucherinformationen

Albertina
Albertinaplatz 1, A-1010 Wien
Tel +43 (01) 534830
[email protected]

Ausstellungsdauer: bis 16. August 2015
Öffnungszeiten: täglich 10-18 Uhr, Mi 10-21 Uhr
Eintritt: 11,90 Euro / bis 19 Jahre frei / verschiedene Ermäßigungen möglich

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Albertina

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