Reisebericht: Bei den Belugawalen und Eisbären

Wir starten mit einem Knaller in das neue Jahr 2016: Jörg Ehrlich, Gründer unseres Kooperationspartners Diamir Erlebnisreisen, berichtet in Wort und Bild von seiner Fotoreise in die Eisbärenhauptstadt Churchill in Kanada. Unter Tipp: zurücklehnen, genießen – und anschließend eine eigene Reise dorthin planen! 🙂

Kanada – Churchill – eine Fotoreise

von Jörg Ehrlich

Ein stolzer Eisbär mit direkten Blick zum Betrachter. So eine Aufnahme zieht den Betrachter ganz anders ins Motiv hinein, als es andere Motive tun würden…. Bei richtiger Belichtung sind sowohl die Fellstrukturen deutlich scharf zu sehen als auch die eher dunklen Augenpartien. Eine Herausforderung für den Fotografen.

Eisbären sind immer wieder sehr beeindruckend zu sehen. Das größte Landraubtier der Welt ist in der sogenannten „Eisbärenhauptstadt Churchill“ natürlich Hauptziel Nummer 1. So auch bei der Fotoreise zu den Belugawalen und den Eisbären. Und es war natürlich spannend, denn die Eisbären haben sich 2015 ein wenig rar gemacht in und um Churchill. Doch es gibt sie nach wie vor. Meistens lümmeln sie faul auf den Felsblöcken unweit des Ufers der Hudson-Bucht und warten auf die kalte Jahreszeit. Und doch wir haben sie gefunden und auch auf Bildern festhalten können.

Zwei Eisbären! Mutter und Jungtier…. Immer gut als Fotomotiv geeignet. Und das noch im Wasser – was für ein Glück! Denn das Jahr 2015 war in Churchill nicht wirklich üppig mit Eisbären. Kommen sonst etwa 200 – 300 Eisbären in der Region Churchill im Sommer vor, so waren es 2015 erstaunlicherweise nur etwa 80 Exemplare. Klima und Eisverhältnisse sind für diese Veränderungen verantwortlich. Umso schöner, so ein Motiv dennoch gefunden zu haben.

Doch Churchill ist mehr als nur Eisbären zu beobachten. Sehr beeindruckend waren vor allem auch die vielen flinken und reinweißen Belugawale, die teilweise in Gruppen zu hunderten Tieren um unser 26m langes Erkundungsboot sprangen. Manchmal nur 2 Meter neben dem Boot, oft auch gleich unter dem Kiel hindurchtauchend. Für unsere Teilnehmer der Fotoreise war es natürlich eine Herausforderung, die Tiere in beeindruckender Pose ins Bild bannen zu können. Doch es ist uns gut gelungen. Meistens tauchen die Wale ja nicht mit dem Kopf aus dem Wasser auf und man sieht nur den Rücken.

Die Herausforderung für Fotografen: Schnelligkeit und der richtige Moment. Die massiven, eindrucksvollen Belugawale kommen höchst selten mit dem Kopf aus dem Wasser. Diesen Moment muss man erwischen. Oder eine andere eindrucksvolle und dynamische Wahl des Bildaufbaus mit Wal… Nah genug kann man die Tiere beobachten, oft auch mehrere hundert auf einmal.

Natürlich durften auch die „Klassiker“ in Churchill nicht fehlen. Wunderbar in fotografische Szene konnten wir das alte Wrack der MS Ishaca setzen. Ob bei weichem abendlichen Licht, ob bei Ebbe zwischen Steinhaufen, ob bei Flut und spiegelglatter Meeresoberfläche – ein echter „Hingucker“.

MS Ithaca bei ruhiger See! Hier kann man die ruhige Meeresoberfläche kaum vom Himmel unterscheiden. Im grellen Tageslicht ist auch kaum ein Detail des verrosteten Rumpfes gut im Bild abzubinden. Dazu ist es zu grell. Aber dem Mythos Phantomschiff wird diese Aufnahme so erst richtig gerecht, denn man könnte meinen, dieses Schiff schwebt im luftleeren Raum. Einzig die Felsen im Vordergrund geben uns irgendeinen Hinweis, dieses Motiv einordnen zu können.

Ebenso das Flugzeugwrack „Miss Piggy“, das gerade bei trübem Wetter immer eine willkommene Abwechslung bietet. In diesem Jahr war es besonders die Kanzel, die uns zum Fotografieren eingeladen hatte. Mit Aufhellblitz und verschiedenen spannenden Weitwinkelausschnitten gelangen sehr stimmungsvolle Bilder.

Klassisches Motiv ist der abgestürtzte Flugzeugrumpf von „Miss Piggy“. Hier wurde speziell mit einem Aufhellblitz der Vordergrund der Pilotenkanzel ausgeleuchtet, im Hintergrund wirkt das Tageslicht des trüben Tages, um so eine Dynamik mit verschiedenen Lichtquellen und Ausblick zu erzeugen. An diesem klassischen Motiv in Churchill kann man gut mit Blitz arbeiten, testen, probieren, lernen.

Ähnlich stimmungsvoll in Szene konnten wir auch die verschiedenen alten Autos setzen, die sich an einigen Stellen in Churchill finden lassen. Stillleben der besonderen Art.

Schrottplatz. Hier steht das Paradies der Details. Der Farben. Der Formen. Alte Autos in Hülle und Fülle und in der richtigen „Stapelung“. Genau der richtige Ort, um sich auf Motivsuche zu begeben und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Und eine willkommene Abwechslung zu den beweglichen Tiermotiven.

Selbstverständlich nutzten wir die meisten Tage und die meiste Zeit, um auf dem Wasser nach Belugas und vor allem Eisbären Ausschau zu halten. Und dann mit viel Geduld zu warten, ob sich bei den Eisbären doch noch eine spannende Bewegung, eine Wanderung oder gar ein kühlendes Bad beobachten lässt.

Typischer Anblick einer glücklichen Eisbärenbeobachtung im sommerlichen Churchill: Ein oder zwei Eisbären liegen ruhig auf einem Felsen, den man von einem Ausflugsboot oder Zodiak aus vielleicht 100 m Entfernung beobachten kann. Hier ist nicht viel „action“, hier ist Glück oder Geduld gefragt, ob sich der Bär mal bewegt…

Am vorletzten Tag hatten wir dann endlich das Glück, was man als Tier- und Naturfotograf eben ab und zu benötigt. Nach mehr als 2 Stunden geduldigem Warten in einem kleinen Schlauchboot ist es dann doch soweit: der Eisbär bewegt sich, er wird aktiv. Und geht mit seinem Jungtier gemeinsam im schönen Abendlicht baden. Und wir können das ganze aus unserem sehr schönen niedrigen Standpunkt mit verfolgen und fotografieren. Da schlagen die Herzen der Fotografen natürlich höher. Für solche Momente nimmt man ja eigentlich die beschwerliche Reise an dieses entlegene Ende der Welt auf sich – fast zum Greifen nahe Motive von Eisbären beim Baden oder beim rumtollen. Ein unglaubliches Erlebnis.

Zwei Eisbären! Warten auf den richtigen Augenblick. Ganz wichtig bei der Tierfotografie – die Interaktion zwischen Mutter und Kind und die sensiblen Umgangsformen sind extrem schwer im Bild einzufangen. Für den richtigen Augenblick braucht es Geduld, Glück, das richtige Auge und natürlich auch Kenntnisse, seine Fotoausrüstung richtig einzusetzen und mit großen Brennweiten Aufnahmen umsetzen zu können, die dem Schärfeanspruch gerecht werden.

Churchill ist einfach eine Reise wert und die Erlebnisse, die man hier mit etwas Geduld und Glück in Bilder einfangen kann, sind unvergesslich. Die Eisbärenhauptstadt ist wieder einmal ihrem Namen voll gerecht geworden. Wieder einmal klingt es so selbstverständlich, es war wirklich Glück des Tüchtigen, denn es war die letzte Ausfahrt mit dem Schlauchboot, die diese Fotoreise doch noch so exzellent bereicherte, das jeder Teilnehmer begeistert aus Churchill nach Hause fuhr und die Erlebnisse mit den Eisbären für immer im Fotografenherzen mit sich trägt.

Nach dem Baden… Die beiden Eisbären haben ihre Schau-Einlage im Wasser beendet und trotten zurück an Land. Das abtropfende Wasser ist dabei für den Fotografen eine besondere Chance, eindrucksvolle Bilder mit Dynamik zu fotografieren

Natürlich wird es auch 2016 wieder eine Fotoreise Churchill geben. Der neue Fotoreise-Katalog für 2016 bietet diese Reise und viele andere mehr. Voraussichtlich wird die Reise vom sehr erfahrenen Polarexperten Michael Lohmann geleitet werden. Sie findet statt vom 8. bis 14. August 2016. Mehr Informationen gibt es hier. Eine unbedingte Empfehlung für Eisbären- und Spitzbergenliebhaber: Churchill!

Es war mir eine große Freude, die Fotoreise Churchill 2015 leiten zu dürfen. Sehr gern komme ich wieder! Vielen Dank an Wally Daudrich und sein flexibles Team in der Lazy Bear Lodge, ohne die diese Reise so nicht umsetzbar gewesen wäre.

Jörg Ehrlich

Zur Webseite von Jörg Ehrlich: www.joerg-ehrlich.de
Zur Webseite von Diamir Erlebnisreisen: www.diamir.de
Zur Webseite speziell für Diamir Fotoreisen: fotoreisen.diamir.de

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Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen