Sonntagslektüre: Island – Ein Wintermärchen! Teil 1

Teil 1: Island? Im Winter?? Aber ja!

Unsere Rezensentin Iris Schneider hat exklusiv für uns ihre Reise nach Island in Wort und Bild gefasst. Ihren wunderbaren Reisebericht präsentieren wir Euch in mehreren Teilen, immer an den nächsten Sonntagen zur Lektüre beim Kaffee, Tee oder einfach zum Entspannen, Genießen, Bilder gucken und in Gedanken mitreisen. Auf ins Vergnügen:

Wo willst du hin, nach Island??? Nach ISLAND? Im WINTER???!!! Langsam zweifele ich selbst an meinem Plan: Allein mit meiner 17jährigen Tochter Rieke Ende Oktober nach Island zu fliegen und das Land in 10 Tagen mit dem Auto umrunden zu wollen… Was für Wetterunbilden werden uns erwarten? Kann uns etwas zustoßen? Wie werden wir uns verständigen? Erst nach der Reise lese ich, dass Island als das friedlichste Land der Welt gilt. Es hat nicht einmal Soldaten!

Als der Plan steht, nach Island zu reisen, recherchiere ich im Internet nach möglichen Anbietern und stelle schnell fest, dass Ende Oktober wohl wirklich nicht die typische Reisezeit für Island ist. Die Mehrzahl der Angebote gilt nur bis September. Doch dann entdecke ich den Spezialisten für Nordische Länder: „NORDIC VISITOR“ und die Tour „Einmal winters rund um Island“. Als ich das Angebot durchlese, weiß ich genau: Das will ich!

Ganz komfortabel wähle ich im Vorfeld zwischen 3 Hotelkategorien und auch für den im Programm enthaltenen Mietwagen gibt es in verschiedene Ausführungen. Die Empfehlung für diese Jahreszeit ist ganz klar: Ein großer allradgetriebener Wagen. Nissan Pathfinder – sowas in der Art. Ach ja, den nehme ich!! Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen soll…

NORDIC VISITOR bucht Hotels und Mietwagen und schickt rechtzeitig vor Reisebeginn ein „Paket“. Eine umfangreiche Mappe mit vielen wertvollen Hinweisen zu Sehenswürdigkeiten und einer Landkarte in der unsere Route und die Hotels direkt mit Hand eingezeichnet sind. Es beruhigt mich sehr, dass zu diesem Paket auch ein Handy mit einem kleinen Guthaben (für den Notfall) und ein Navigationsgerät gehören. Beides erhalten wir am ersten Tag im Hotel.

Und so sitze ich schon vor der Reise entspannt auf dem Sofa und gehe gemeinsam mit Rieke die Tour-Planung durch. Mit einem Reiseführer in der Hand ergänzen wir direkt in den Unterlagen unsere Highlights, zusätzlich zu den täglichen Empfehlungen des Reiseveranstalters.

Tag 1: Anreise nach Reykjavík

Endlich ist er da, der Tag der Anreise! Auf nach Island, ins Land aus Feuer und Eis! Unser größter Wunsch für die nächsten 10 Tage: Polarlichter sehen! Unser zweiter Wunsch: Wale beobachten!

Entspannt fliegen wir im Direktflug von Berlin-Schönefeld nach Kevlavík und werden von einem freundlichen Fahrer vom Flughafen abgeholt und direkt nach Reykjavík in unser Hotel „Guesthouse Sunna“ gebracht.
Erst mal Hände waschen…aber was ist das??? Das Wasser riecht ja so komisch!

Ach stimmt, wir hatten es ja im Reiseführer gelesen, das Wasser in Island ist ein Besonderes – es kommt direkt aus der Erde und entspringt heißen Quellen! An den Geruch nach faulen Eiern werden wir uns wohl nicht gewöhnen aber das Wissen um die Herkunft macht es erträglich. Außerdem ist es nicht nur wohlschmeckend (das Kalte!), sondern fühlt sich auch ganz besonders an! Es ist ganz weich…

Kaum das Gepäck abgestellt, machen wir uns auf, Reykjavík zu Fuß zu erkunden. In Sichtnähe ein Wahrzeichen – die wunderschöne, monumentale Hallgrímskirkja-Kirche.

Danach hinab durch die kleinen Straßen der Stadt, vorbei an vielen kleinen Lädchen und einladenden Cafés und Restaurants zum Hafen.

Unübersehbar die leuchtende Harpa-Konzerthalle, das Wahrzeichen Reykjavíks.

Natürlich wollen wir auch noch das Meer schnuppern. Am Hafen entdecken wir in der Ferne die ersten schneebedeckten Bergkuppen. Rieke schaut sehnsuchtsvoll hinüber…

Schade, die Zeit ist kurz und morgen ein anstrengender Tag mit über 400 Kilometern unbekannter Wegstrecke. Also ab, zurück ins Hotel…

Tag 2: Der Pajero, Wasserfälle, ein Vulkan und die ersten Nordlichter unseres Lebens

So habe ich es mir vorgestellt: Zwar kein Pathfinder aber ein schicker Mitsubishi Pajero mit Allradantrieb, Volllederausstattung, SITZHEIZUNG und Automatic erwartet uns an der Mietstation – gaaaanz wichtig für eine Fahrt durch den Winter!!!

Los geht’s! „Island, wir kommen“ – denke ich und muss auch schon auf die Bremse! Rieke klebt an der Frontscheibe…Ein paar hundert Meter weiter wieder…

Manno! Was ist das denn? Mein Kleinwagen zu Hause bremst ganz anders! Riekes Blick spricht Bände und ein paar unsanfte Bremsversuche später kommt ein skeptisches: „Bist du dir sicher, dass du dieses Auto fahren kannst?!“ Nun ja, langsam wird’s und ich freunde mich mit diesem netten Gefährt an. Erst einmal raus aus der Stadt…die Landschaft ist weit und hügelig, links liegt das Meer und immer weiter fahren wir die Westküste entlang. Die Straßen werden leerer.

Unser erstes Highlight ist der Besuch der Wasserfälle Hraunfossar und Barnafossar. Wir staunen über die Naturgewalten.

Erstarrte Lava überall…

Wasserfälle…


Das hat was: Einfach auf den Felsen setzen und die Beine über dem brodelnden Strom baumeln lassen…

Oder die Aussicht von der Brücke genießen.


Das Wetter wird schöner! Zwischendurch halten wir und genießen die Weite.

Weiter geht’s Richtung Norden. Wir müssen Kilometer machen! Plötzlich ein Hinweis auf eine Sehenswürdigkeit. Ein Vulkan! Rieke ruft: „Da will ich rauf!“…als ich schon vorbei gefahren bin… Also Vollbremsung und Wenden mitten auf der Hauptstraße! In Island geht das 😉 Auf dem Parkplatz steht ein Reisebus und die asiatische Reisegruppe kommt uns entgegen. Ganz schön durchgefroren sehen die aus, denke ich und einer ruft uns zu, mit einem Fingerzeig zum Vulkan: „Much wind!!!“.

Na gut, ein wenig windig wird es schon sein, macht doch nix! Wir steigen höher und höher und der Wind nimmt zu. Irgendwann, oben, pustet es uns fast vom Weg!

Wir halten uns aneinander fest. Sonst, so unser Gefühl, könnte der Wind uns vom Kraterrand herunterwehen. In die eine oder die andere Richtung…beides keine gute Idee…

Wir beschließen, doch nicht ganz herum zu laufen um den Krater und genießen die Aussicht am Rand. Großartig! Trotz eiskaltem Wind! Herrliche Weite und klare Luft…

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Weiter geht es…heute haben wir die weiteste Strecke am Stück zu fahren, unser erstes Hotel liegt hoch im Norden. Immer weiter geht´s. Und immer wieder halte ich am Wegesrand an und staune über die wunderbare Natur!

Je weiter wir in den Norden kommen, desto glatter werden jedoch die Straßen. In der Ferne schneebedeckte Berge. Wunderschön anzusehen! Die Straßen sind teils abschüssig, Schluchten tun sich plötzlich an der Straßenseite auf. Immer mehr Eis und Schnee bedecken die Fahrbahn und mir geht einen Moment durch den Kopf: Was erwartet uns, da oben im Norden? Werden wir problemlos durchkommen?

Ich bin froh, dieses große Auto ausgewählt zu haben und die sichere Straßenlage und das gute Vorankommen, nicht zuletzt die schönen warmen Sitze, geben mir Zuversicht.

Islandpferde! Schade, so richtig kommen wir nicht an sie ran und gleich ist es dunkel. Der Mond strahlt bereits am Horizont.

Im Dunkeln kommen wir an, an einem kleinen Gehöft – Hofstaðir Guesthouse. Ganz einsam liegt es in einer Ebene. Umgeben von schneebedeckten Bergen. Es ist klirrend kalt. Die nette Gastgeberin führt uns in unser Holzhüttchen und sagt uns, dass wir ganz allein seien. Frühstück würde es am nächsten Morgen im Haupthaus geben, gleich nebenan. Dort könnten wir uns gern aufhalten, wenn wir mögen. Alles ist wohlig warm, Licht brennt und eine Eigenheit der Isländer lernen wir hier kennen: Alle Türen lassen sich problemlos öffnen – Island ist ein Land der offenen Türen! Witzig ist, dass wir selbst die Tür in unserem Hüttchen nicht einmal von Innen verschließen können. Ein wenig unheimlich ist mir schon, als die Gastgeberin mit ihrem Auto in der Ferne verschwindet und bald die roten Rücklichter nicht mehr auszumachen sind.

Wir machen es uns bequem und nehmen uns vor, heute Nacht nach Nordlichtern, auch Auroras genannt, Ausschau zu halten. Obwohl doch immer noch viele Wolken am Himmel sind und der Mond fast voll am Himmel steht. Wie stand es im Reiseführer: Nordlichter lassen sich am besten bei Neumond beobachten…na toll…  Aber: Die weitere Voraussetzung, an einem Ort zu sein, der möglichst wenig Lichtverschmutzung aufweist, ist erfüllt! Also: Versuchen wir unser Glück, hier in dieser Einsamkeit.

Und so verpacken wir uns in dicke Strümpfe, Leggings, Hosen, Stiefel, Pullover, Jacke, Schal, Mütze und was noch so warm hält und gehen hinaus in die Kälte.

Es dauert ein wenig, bis sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und wir schauen in die Weite…

Plötzlich ruft Rieke: „Schau mal dort!“ Tatsächlich, da bewegt sich was am Himmel! In dem Wissen, dass der Fotoapparat die Polarlichter stärker abbildet, schaue ich auf den Monitor meiner Kamera. Und wirklich! Da sind sie! Die ersten Polarlichter unseres Lebens!

Wir liegen uns jubelnd in der Armen und können gar nicht fassen, was da am Himmel geschieht! Die Lichter werden stärker! Sie kommen auf uns zu! Sie tanzen um uns herum und als wir uns umdrehen, hüpfen wir vor Freude, so grandios ist das Spektakel am Himmel….“Sie tanzen nur für uns!“ sagt Rieke leise. Ja! Das glaube ich auch…

Da rechts oben ist sogar der große Wagen:

Ergreifend ist dieser Moment und festgehalten auf meiner Kamera. Ich freue mich wahnsinnig, meine ersten Versuche, Auroras zu fotografieren, sind geglückt! Und wir wünschen uns: Das wollen wir noch einmal erleben!

(…wird fortgesetzt…)

k300_000IrisIris Schneider ist begeisterte Fotografin und Community-Mitglied. Sie ist Euch vermutlich vor allem durch ihre regelmäßigen, inzwischen sehr zahlreichen und kompetenten Buchrezensionen bekannt. Einer ihrer fotografischen Schwerpunkte ist Landschaftsfotografie. Ihren Island-Reisebericht hat sie exklusiv für uns verfasst, worüber wir uns sehr freuen. Vielen Dank, Iris!

© Netzwerk Fotografie und Iris Schneider. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung.

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One thought on “Sonntagslektüre: Island – Ein Wintermärchen! Teil 1

  • 7. Februar 2016 at 19:04
    Permalink

    Vielen Dank Iris für diesen fantastischen ersten Teil Deines Reiseberichtes, den ich heute sehr genossen habe! Ich freue mich schon heute auf den nächsten Sonntag und den zweiten Teil!

    Liebe Grüße

    Klaus

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