Sonntagslektüre: Island – Ein Wintermärchen! Teil 2

Teil 2: Wasserfälle und Whale Watching

Wie versprochen begleiten wir Iris und Rieke weiter auf ihrer Tour durch Island im Winter. Hier kommt Teil 2 des Reiseberichtes unserer Rezensentin. Viel Spaß mit unserer heutigen Sonntagslektüre!

Tag 3 Akureyri und Goðafoss

Heute fahren wir in die Hauptstadt des Nordens, Akureyri. Der Weg dahin führt am Fjord Skagafjörður entlang.

Hier ist das „Mekka des Islandpferdes“. Angeblich leben hier mehr Islandpferde als Menschen. Rieke möchte gern eins streicheln. Schade, sie sind zu weit weg.

Die Straßenverhältnisse werden immer schwieriger, je weiter wir in den Norden kommen. Bizarr, diese Landschaft am Meer.

Inzwischen ist dichter Schneefall, graue Wolken ziehen vom Meer heran. Eindrucksvoll diese hohen, schneebedeckten Berge, wunderschön die kleinen Orte am Meer!

Eigentlich wollten wir am Folgetag nach Húsavík, um von dort aus Wale zu beobachten. Dort soll es am besten sein, hat man uns empfohlen. Um 9:30 Uhr soll das Schiff am Hafen ablegen.
Ein Blick aufs Navi lässt mich erschrecken – 2 Stunden Wegstrecke bis dahin, bei normalen Witterungsverhältnissen! Ich schaue aus dem Fenster unseres Icelandair Hotels. Draußen herrscht dichtes Schneetreiben, alles ist weiß. Himmel und Straße verschmelzen miteinander und ich sehe an der Ampel ein Auto, das sich dreht, als sein Fahrer auf die Bremse tritt. Oh, das war knapp, denke ich. Wohl die Winterräder vergessen….Dabei müsste es doch eigentlich gern anhalten, die Ampeln der Stadt zeigen schließlich statt der roten Lampe ein rotes Herz!

Das Risiko ist mir dann doch zu groß, früh morgens über wahrscheinlich ungeräumte Straßen noch weiter in den Norden zu fahren, ohne zu wissen, wie dort die Witterungsverhältnisse sind. Noch dazu ist es fraglich, ob wir rechtzeitig ankommen würden…. Rieke ist natürlich enttäuscht.

Trotz des Schneetreibens machen wir uns am Nachmittag auf den Weg zu einem weiteren großartigen Wasserfall, dem Goðafoss. Der Weg dorthin ist ein Abenteuer! Zum Glück halten Räumfahrzeuge die Wege frei und das Navi weist mir zuverlässig den Weg.

Was? Da soll ich lang?! Ich seh´ nur Schneeeee!!! Tatsächlich, das Navi führt mich durch eine Schneewüste auf einen eingeschneiten Parkplatz. Es sind sogar noch 2 weitere Autos da! Aber es wird schon langsam dunkel! Schnell runter zum Wasserfall! Kapuze auf, Handschuhe an, Kamera im knallorangen wasserdichten Schutzsack verstaut, tasten wir uns voran…

Weit kommen wir nicht, wir erkennen nichts mehr. Wo ist der Weg und wo hört er auf? Wo können wir abrutschen und in die Tiefe fallen? Wir sind sehr vorsichtig und doch begeistert von den herunterstürzenden Wassermassen, den treibenden Eisschollen, dem dichten Schneefall, der uns alles nur wie durch einen Vorhang erkennen lässt.

Genug gesehen! Es wird immer dunkler und inzwischen sind wir ganz allein. Also ab zum Parkplatz! Gut, dass wir ein dunkles Auto haben! Mit einem Weißen wär´s jetzt schwer geworden 😉

Zurück geht die Fahrt am Fjord entlang und belohnt werden wir an diesem Abend mit einem wunderschönen Blick auf Akureyri.

Und noch eine Überraschung wartet auf uns: Auf dem Weg zum Hotel kommen wir am Hafen vorbei. „Whale Watching“ steht da in großen Lettern an einem Schiff. Nix wie hin und tatsächlich, am nächsten Tag zur Mittagszeit soll es losgehen. Wird das doch noch was mit unserem Plan? Wir beschließen, gleich morgen früh am Hafen zu sein!

Schade, es schneit noch immer und der Himmel in Akureyri wird von der Stadt viel zu sehr erleuchtet, als dass man ein Nordlicht erkennen könnte.

Tag 4 Whale Watching

Die Sonne scheint, blauer Himmel! Und es ist bitter kalt, – 15° C! Dick eingepackt fahren wir zum Hafen. Wir haben Glück: Der kleine Verkaufskiosk vor dem Whale-Watching-Schiff ist geöffnet und nach einem kurzen Gespräch stellen wir fest, dass die junge Ticketverkäuferin auch die Tour-Begleiterin sein wird. Sie ist eine junge deutsche Meeresbiologin, die momentan in Island ein mehrmonatiges Praktikum absolviert hat. Bald soll es wieder nach Hause gehen. Was uns besonders interessiert: Wie hoch ist die Chance, auf der Tour tatsächlich Wale zu sehen??? „99 %!“ antwortet die Meeresbiologin.

Bis zum Tourstart um 13:30 Uhr besuchen wir viele hübsche, kleine Geschäfte in Akureyri und am zeitigen Nachmittag geht es endlich raus auf den Fjord! Malerisch liegen rechts und links die Berge und bilden einen tollen Kontrast zum Blau des Himmels und des Meeres.

Als die Ambassador ablegt, sitzen wir vorn, direkt hinterm Kapitän. Schön warm ist es hier und mir fällt gleich ein Laptop auf, auf dessen Bildschirm rote Schlangenlinien zu sehen sind. Sollten das die Wale sein?? Das Navigationsprogramm zeigt an, dass es noch ein gutes Stück zu fahren ist zu diesen ominösen Linien.

Ja, tatsächlich! Es sind Wale! Buckelwale – um genau zu sein! 8 sind es insgesamt, die wir in der kommenden Stunde in ihrer natürlichen Umgebung bewundern können. Wir sind überwältigt!

Majestätische Tiere aus nächster Nähe beobachten zu können, lässt uns die klirrende Kälte vergessen!

Unsere Tourbegleiterin steht in einem besonderen Wärmeanzug im Ausguck und kommt gar nicht hinterher, uns die Richtung zu weisen, in der wieder ein Wal auftaucht…

Plötzlich springt ein Wal und mir gelingt es im letzten Augenblick, das Aufklatschen des mächtigen Tieres im Bild festzuhalten!

Das könnte ewig so weiter gehen…Aber nach ein paar Stunden geht es wieder zurück. Die Tiere sollen wieder ihre Ruhe bekommen und das Schiff fährt in seinen Heimathafen.

Spät am Nachmittag müssen wir uns dann doch ein wenig beeilen. Heute soll es noch an den See Mývatn gehen. Wir wohnen im Hótel Reynihlíð. Aber auf dem Weg dahin wollen wir noch einmal zum Goðafoss, dem Wasserfall der Götter! In der Hoffnung, heute im Schein der bald untergehenden Sonne noch einen klaren Blick darauf zu erhaschen.

Wie ein Hufeisen liegt er vor uns! Die Wassermassen stürzen, durch einen Felsblock in zwei Arme geteilt, mit lautem Getöse hinunter. Der Schnee ist inzwischen so hoch, dass wir den Weg nicht wirklich erkennen können. Wir bleiben lieber in sicherer Entfernung stehen.

Ganz allein stehen wir hier und sind beeindruckt. Die Sonne ist bald verschwunden, das Licht ist einmalig. Die kleinen gelben Häuschen in der Ferne hatten wir gestern im Schneegestöber überhaupt nicht entdeckt.

Jetzt schnell zurück zum Auto, es ist noch ein Stück bis zum Hotel!

Wir fahren durch eine surreale Welt –weiße Schneelandschaft getaucht in ein Licht aus Pink und Blau. Ich kann mich gar nicht satt sehen! Der Mond geht schon auf und ich kann nicht anders: Wieder halte ich am Wegesrand an und fotografiere. Kann man diese Stimmung überhaupt im Foto festhalten?

Erst im Dunkeln kommen wir im Hotel an. Schade, dass die Sonne so schnell untergeht!

Die Nacht ist klar. Da müssten doch ein paar Polarlichter zu sehen sein? Rieke ist müde. Ich gehe noch einmal vor die Tür und verspreche ihr, sie nachzuholen, wenn ich Auroras entdecke. Trotz der vielen Schichten Hosen und Jacken ist es unglaublich kalt. Ich denke, die Temperaturen befinden sich im zweistelligen Minusbereich. Und so versuche ich, dem Licht des kleinen Ortes zu entrinnen und entdecke eine kleine beleuchtete Kirche. Die Kamera liegt natürlich im Zimmer, also muss mein Handy für ein Foto herhalten. Na ja…

Kein Mensch weit und breit….Zu viel Licht, um Auroras entdecken zu können. Schnell zurück ins warme Bett! Rieke schlummert bereits tief und fest.

(…wird fortgesetzt…)

k300_000IrisIris Schneider ist begeisterte Fotografin und Community-Mitglied. Sie ist Euch vermutlich vor allem durch ihre regelmäßigen, inzwischen sehr zahlreichen und kompetenten Buchrezensionen bekannt. Einer ihrer fotografischen Schwerpunkte ist Landschaftsfotografie. Ihren Island-Reisebericht hat sie exklusiv für uns verfasst, worüber wir uns sehr freuen. Vielen Dank, Iris!

© Netzwerk Fotografie und Iris Schneider. Jedwede Art der Veröffentlichung, auch auszugsweise, bedarf der Genehmigung.

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