Sonntagslektüre: Island – Ein Wintermärchen! Teil 3

Teil 3: Eis und Schnee, fotoscheue Islandpferde und Elfen

Auch an diesem Sonntag geht es mit Iris und Rieke weiter durch Island. Hier ist Teil 3 des Reiseberichtes unserer Rezensentin. Viel Vergnügen mit unserer heutigen Sonntagslektüre!

Tag 5 Eiskristalle, Dampfsäulen und der mächtigste Wasserfall Europas

Der Blick morgens aus dem Hotelzimmer lässt uns erahnen, WIE kalt es draußen ist: Die Scheiben sind vereist. Doch was ist das da auf dem Hotelparkplatz? Ein paar Schafe lassen sich überhaupt nicht bei der Überquerung des Hotelgeländes stören. Ein tolles Bild, wie sie im Gegenlicht durch den Glitzerschnee stapfen. Schnell hole ich die Kamera – da sind die schon wieder weg! Nach dem Frühstück müssen wir erst einmal das Auto warm bekommen. Eiskratzen geht nicht, ich komm da nicht ran…Und als ich warte, dass sich der Motor erwärmt, entdecke ich wunderschöne Eiskristalle an der Autoscheibe. Jedes Kristall hat eine andere Form. Jetzt hätte ich gern ein Makroobjektiv…Die große Kamera ist gut verstaut, die hole ich jetzt nicht raus. Aber das Handy tut´s auch.

Unsere heutige Tour führt uns vorbei am malerisch gelegenen See Mývatn zu mehreren Vulkanen und Wasserfällen. Kaum sind wir aus dem kleinen Örtchen raus, halte ich auch schon wieder an. Die Landschaft befindet sich in einer Art Kältestarre.

Millionen Eiskristalle bedecken die Gräser, Steine und Sträucher. Im Sonnenlicht ein Glitzern und Leuchten – das muss ich festhalten! Mir fällt auf, dass die Kristalle richtig hoch abstehen. Wie kleine spitze Speere, die aneinander gereiht sind.

Der See Mývatn liegt völlig still und unberührt vor uns. Nur einige Wasservögel tummeln sich am Ufer. Weiter geht´s, denn schließlich wollen wir heute wieder einen (diesmal schneeweißen) Vulkan besteigen.

Gar nicht so einfach, den richtigen Zugang zum Vulkan zu finden! Ständig in Sichtweite aber irgendwie unerreichbar…

Und so landen wir zuerst einmal in einer Landschaft aus erstarrten Lavabrocken mit kleinen Wegen dazwischen. Eine Schneeballschlacht muss sein! Wir bekommen jedoch keinen Schneeball zustande, die Eiskristalle haften nicht aneinander. Egal, dann wird´s eben ein Schnee-Kristall-Regen.

Und dann stehen wir vor ihm, dem Hverfjall!

Einen Moment zögere ich, ob ich tatsächlich da raufklettern soll aber Rieke lässt keine Sekunde Überlegung zu und schreitet selbstverständlich voran. „Na komm!“ Ja klar! Der unbeschreibliche Blick, oben angekommen am Kraterrand, belohnt uns für die Strapazen.

Ich lese später nach: Ein ovaler Krater, 1300 m Längsachse und 140 m tief. Einer der größten Explosionskrater der Welt, ca. 2500 Jahre alt…

Der Abstieg geht ganz leicht.

An diesem Tag warten noch weitere spektakuläre Reiseziele auf uns – die Superlative reißen nicht ab: Im Gebiet Hverarönd stehen wir an stinkenden Schwefellöchern und mächtigen Dampfwolken.

Rieke steht beeindruckt vor der höchsten Wasserdampfsäule!

Wir wundern uns, dass ein paar Touris aus Bussen mit Plastiküberziehern an den Schuhen dort herumlaufen. Hinterher wissen wir es: Der braune Schlamm haftet hervorragend an den Schuhen. In unserem Auto hinterlassen wir entsprechende Spuren.

Weiter geht’s! Dettifoss, der mächtigste Wasserfall Islands und sogar Europas liegt vor uns. Gewaltig – mit einer Wasserführung von 212 Tonnen pro Sekunde und 44 m Höhe.

Alles ist vereist. Der starke Wind weht das Wasser auf die Wege und überzieht alles mit einem Eispanzer. Nur mühsam halten wir uns auf den Beinen und sind trotzdem gefangen von den Eindrücken.

Ein paar Lebensmüde sind doch tatsächlich auch noch die ca. 100 m hinuntergekraxelt direkt ans Wasser. Ein falscher Schritt und sie sind weg…


Den Weg zum Selfoss, einem 10 m hohen, breiten Wasserfall, finden wir fast nicht. Wir kämpfen uns durch hohen Schnee und werden auch hier wieder belohnt durch den Anblick der Naturgewalten.


Auch an diesem Tag erreichen wir erst spät unsere Unterkunft, das Icelandair Hótel Hérað im Nordosten Islands im Ort Egilsstaðir. Und schon bei Nacht sehen wir: Schnee liegt hier nicht mehr.
Aber dicke Wolken verhängen den Himmel. Wieder keine Nordlichter…

Tag 6 Schnee ade – es geht gen Islands Osten

Die Schneelandschaft haben wir also hinter uns gelassen. Schade, wie ich finde. Das Autofahren war zwar anstrengend, jedoch hatte diese Landschaft ihren eigenen Reiz. Und so bin ich erst einmal überzeugt, dass ja nun so schnell nichts mehr kommen wird, das mich beeindrucken könnte. Weit gefehlt!

Durch eine Tiefebene führt uns eine Straße am längsten See des Landes, dem Lagarfljót, entlang. Ein großes Besucherzentrum weckt unsere Neugier, das Snæfellsstofa.

Wir sind fast allein in diesem riesigen, freundlichen Gebäude. Nur die Angestellte des Besucherzentrums ist noch da. Sie freut sich, dass endlich jemand vorbei kommt und beantwortet uns viele Fragen. Wir erfahren, dass heute der letzte Öffnungstag in dieser Saison ist. Vielleicht waren wir sogar die letzten Besucher….denn auch auf der Weiterfahrt begegnen wir keinen weiteren Menschen.

Unser nächstes Ziel ist der Hengifoss. Er ist 128 m hoch und auf diese Höhe müssen wir erst einmal kommen. Das geht nicht ganz so gemächlich. Es hat viel geregnet am Morgen, die Wege sind schlammig und rutschig. „Aufpassen!“ rufe ich Rieke zu. Nicht ganz ungefährlich ist dieser Weg, direkt an der tiefen Schlucht entlang!

Und auch hier werden wir wieder für unseren Aufstieg belohnt: In der Tiefebene hängen dichte Wolkenformationen, jedoch auch die Sonne bricht durch und lässt den Flusslauf leuchten. Wunderschön!

Der Abstieg ist verdammt rutschig und der Schlamm klebt danach nicht nur an den Stiefeln.


So, nun aber auf zur Ostküste! Wir müssen über die Berge und direkt durch die dunkle Wolkenwand. Plötzlich entdecken wir Pferde am Wegesrand. So dicht hatten wir sie noch nicht, also: Anhalten! Ja klar …  sie drehen sich direkt um und laufen davon.


Kaum wieder ins Auto gestiegen, wird das Wetter von Kilometer zu Kilometer schlechter und die Wege schlammiger und enger. „Was mache ich eigentlich hier?!“ Eine steile, steinige Kurve nach der anderen, der Schlamm spritzt an die Fenster. Was bin ich froh, dass ich dieses Auto habe!


Und doch kann uns das Wetter nicht schocken, denn die Landschaft durch die wir fahren, ist faszinierend! Imposante Berge, spannende Abfahrten, Nebelbänke, Fahrt durch tiefhängende Wolken.

Als wir wieder an einer befestigten Straße ankommen, stellen wir fest, dass das Navi eine Abkürzung genommen hat – Offroad. Kein Wunder…  Aber es wird noch besser! Die Küste ist schroff und beeindruckend. Nur der Sturm und der Regen stören uns und laden nicht gerade dazu ein, anzuhalten. Immer wieder sehen wir Wasserfälle und plötzlich riesige Felsbrocken am Wegesrand.  Bleibt bloß oben!“ denke ich mit Blick auf die riesigen Steine in der Steilwand rechts neben der Fahrbahn.

Hinterher lese ich genau zu diesem Felsbrocken, der vor uns auf der Straße liegt, eine Geschichte: Vor Jahren sollte der Brocken beim Straßenbau beseitigt werden. Jedoch egal, mit welch schwerem Gerät die Bauarbeiter anrückten, er ließ sich nicht vom Fleck bewegen. Dann rief eine Isländerin beim örtlichen Radiosender an und erzählte, dass ihr im Traum eine Elfe erschienen sei, die sich bitterlich beschwerte über den Lärm, den man an ihrem Zuhause (eben diesem Felsbrocken) machte und dass man sie doch in Ruhe lassen solle. Die Bauarbeiten wurden daraufhin eingestellt und die Straße kurz daneben gebaut.

Nun ja, wir sind im Land des Feuers und des Eises. Fast alle Isländer glauben noch an Elfen und Trolle. Und ganz nebenbei bescheren ihnen die heißen Quellen eine wunderbare Wärmequelle, jedoch ganz ungefährlich ist das nicht. Ehrfurchtsvoll fahren wir durch diese gewaltige Landschaft. Und das Wetter und die ungetüme Landschaft lassen uns auch ein wenig an Fabelwesen glauben.


Im Örtchen Gledvik schauen wir uns am Hafen noch die Eierparade an. Viele Stein-Eier säumen die Hafenmauer. Als ich sie mir genauer ansehen möchte, reißt mir der Sturm fast die Autotür aus der Hand. Der Regen treibt mich dann schnell zurück ins warme Auto.


Wir übernachten in einem abgeschiedenen Landhaus in Hoffell. Der nette Gastgeber ist nicht vor Ort, wir sind spät dran und er kommt erst nachdem wir ihn anrufen mit dem Auto angefahren. Er berichtet uns, dass gestern noch viele Gäste da waren. Heute werden wir die Einzigen sein. „Hier ist ein guter Ort für Nordlichter“ hatte unser Gastgeber uns noch zugerufen, als er wegfuhr. Aber es regnet und stürmt die ganze Nacht. Daher wieder keine Auroras.

(…wird fortgesetzt…)

k300_000IrisIris Schneider ist begeisterte Fotografin und Community-Mitglied. Sie ist Euch vermutlich vor allem durch ihre regelmäßigen, inzwischen sehr zahlreichen und kompetenten Buchrezensionen bekannt. Einer ihrer fotografischen Schwerpunkte ist Landschaftsfotografie. Ihren Island-Reisebericht hat sie exklusiv für uns verfasst, worüber wir uns sehr freuen. Vielen Dank, Iris!

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