Sonntagslektüre: Island – Ein Wintermärchen! Teil 4

Teil 4: Von Eisbergen, Riesen und Nordlichtern

Weiter geht es auf unserer Reise durch Island mit Iris und Rieke. Wir wünschen Euch einen schönen Sonntag mit dem vierten Teil des Wintermärchens.

Tag 7 Jökulsárlón, Eisberge und eine defekte Kamera

Mistwetter….Sturm, Regen…Der neue Tag beginnt so, wie der alte aufgehört hat. Egal. Mal sehen, was er zu bieten hat. Links liegt der Atlantik ganz grau und rauh, rechts die Hänge des Hochlandes im Nebel. Die ersten Ausläufer des Vatnajökull erkennen wir in der Ferne. Er ist Europas größter Gletscher.

Tolle Gletschertouren werden angeboten, hier im Nationalpark. Schade, das Wetter lässt es nicht zu. Und so betrachten wir an einem Parkplatz interessiert und ein wenig belustigt eine Reisegruppe aus unserem Auto heraus: Die Jugendlichen stehen im Kreis. Zwei rennen herum und müssen sich fangen. Aber nicht lange. Es ist ihnen wohl auch zu ungemütlich. Wir sind froh, dass wir nicht aussteigen müssen…

Ein Stück weiter stockt uns der Atem – es ist das Highlight eines jeden Island-Urlaubs: Wir kommen an am Gletschersee Jökulsárlón! Die Sicht ist schlecht, der Regen peitscht uns waagerecht ins Gesicht, die Regencapes flattern im Wind und doch können wir die unbeschreibliche Schönheit dieses Ortes empfinden.

Kein Bild der Welt kann diese Eindrücke wiedergeben: Riesige Eisberge treiben aus dem Gletschersee durch eine schmale Passage Richtung Meer.

Die Wucht der Brandung wirft sie in kleinen und großen Brocken an den schwarzen Strand. Dort liegen sie und wir sind fasziniert von diesem Eis auf Schwarz. Sie schmelzen vor unseren Augen dahin und wir können uns nicht satt sehen und machen Fotos und Fotos und Fotos….

Wann immer du an diesen Strand kommst, er wird immer anders aussehen! Wie toll muss es sein, wenn hier die Sonne scheint! Oder gar Polarlichter sich im Eis und im Wasser spiegeln!

“Mist!“ rufe ich. Meine Kamera funktioniert nicht mehr! Es gibt ein komisches Klacken, wenn ich auslöse. Das darf doch nicht wahr sein! Meine gute Nikon ist soeben ausgestiegen! Ausgerechnet jetzt!

Zum Glück habe ich noch meine kleine Kompaktkamera dabei. Und mein Handy.

Auf unserer Weiterfahrt begleiten uns wieder das Meer auf der einen und die Formationen des Hochlandes auf der anderen Seite. Der Sturm ist so stark, dass das Wasser eines Wasserfalls nach oben geweht wird, als es über den Klippenrand fließt.

Das wäre ein tolles Motiv – aber meine Kamera will nicht mehr…nun ja, dann eben mit der Kompaktkamera.

Am Ende des Tages kommen wir in unserem Icelandair Hótel in Klaustur an. Wir belohnen uns im Hotelrestaurant mit einem herrlichen 3-Gänge-Menü.

Spät abends hoffen wir wie jeden Abend auf Nordlichter. Doch auch hier sind die Lichter der Stadt zu hell und ist die Wolkendecke ist zu dicht…

Tag 8 Riesen im Meer, ein Regenbogen und endlich wieder Nordlichter

Sonne! Vorsichtig bahnt sie sich den Weg. Es ist unverkennbar: Heute scheint es der Wettergott besser mit uns zu meinen.

In der Ferne entdecken wir imposante schwarze Felsformationen vor den Klippen im Meer. Der Sturm ist noch da und entsprechend heftig die Brandung. Umso eindrucksvoller das Schauspiel aus Wellen und Wolken, das sich uns bietet. Aber wieder regnet es und der Sturm ist unerbittlich.

Vik heißt der Ort, wo wir die Riesen im Meer bewundern und wir sind neugierig, was wir heute noch entdecken werden.

Die Straße führt uns in die Berge. Als wir versuchen, wieder an das Meer zu gelangen, finden wir uns plötzlich am Mýrdalsjökull und Katla volcano wieder. Hohe Felsformationen türmen sich über dem Meer. Wir erklimmen sie und sehen plötzlich wieder die schwarzen Riesen im Meer. Diesmal von der anderen Seite. Davor ein langgezogener schwarzer Strand mit gewaltigen Wellen.

Der Himmel ist nun überwiegend blau. Wunderschöne Kulisse! Der Strand ist abgesperrt. An diesem Strand sollte man nicht lang spazieren. Zu groß die Naturgewalten…

Es fällt uns schwer, weiterzufahren. Doch der Reiseführer verspricht noch Einiges für den heutigen Tag. Kaum kehren wir den gewaltigen Felsen den Rücken zu, erleben wir absolute Windstille und Ruhe – ein Kontrast zu dem Sturm, der uns gerade noch durchpustete.

Am Fuße des weltbekannten Vulkans Eyjafjallajökull entlang, geht es zum Skógafoss, einem gewaltigen Wasserfall.

Nicht nur von unten haben wir hier einen tollen Blick. Über Holztreppen können wir am Rande des Wasserfalls emporsteigen und erklimmen eine kleine Plattform. Was für eine Aussicht!

Und als wir wieder unten sind, hat die Sonne sogar noch einen Regenbogen an die Seite des Skógafoss gezaubert.

Seljalandsfoss heißt der Wasserfall, den wir als letzte Station an diesem Tage besuchen. Rieke hatte im Reiseführer gelesen, dass dieser Wasserfall begehbar ist. Einmal hinter einem Wasserfall stehen, das wär´s! Als wir dann jedoch sehen, wie ein paar Touris klatschnass dahinter hervorkommen, verwerfen wir unser Vorhaben ganz schnell….Also muss das Bild von vorn reichen!

So, nun aber los! Und wie fast jeden Abend kommen wir auch diesmal wieder erst im Dunkeln auf der rustikalen Efsti-Dalur Farm an.

Wir betreten den Gasthof und sind überrascht, als wir im Gastraum direkt den Kühen beim Fressen zusehen können. Nur eine große Glasscheibe trennt uns vom Stall.

Der Gastgeber ist sehr nett und weist uns den Weg in unsere Herberge, ein hübsches kleines Holz-Reihenhaus ein paar Hundert Meter entfernt.

Finster ist es. Heute müsste es doch noch einmal mit den Nordlichtern klappen! Morgen geht es zurück in die Hauptstadt, dort wird es wieder viel zu hell sein für Nordlichter. Werden wir diese Nacht noch eine Chance bekommen?

Rieke liegt schon im Bett und ich beschließe, trotz der Minusgrade noch einmal vor die Tür zu gehen und nach den Auroras Ausschau zu halten. „Sag mir Bescheid, wenn du welche siehst!“ ruft Rieke mir kaum hörbar zu, bevor ich in die Kälte gehe.

Ein Stück laufe ich an den Rand der Farm. Möglichst wenig Licht brauche ich, um Nordlichter entdecken zu können. Es dauert wieder ein wenig, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Und die Füße sind schon kalt…. Was ist das dort am Horizont? Wolken? Ja, bestimmt. Oder?? Nein! Es sind keine Wolken! Es sind Nordlichter! Sie werden immer stärker!

Schnell renne ich zum Haus zurück: „Nordlichter!“ rufe ich Rieke zu. Sie weiß gar nicht, wie ihr geschieht und trotzdem springt sie aus dem Bett und zieht sich schnell ihre Sachen über. Wir können gar nicht schnell genug am Ende der Farm sein und laufen auf einen Acker, um noch besser sehen zu können. Mitten durch den Schlamm – egal!!!

Über den Bergen sehen wir sie. Nicht so stark wie unsere ersten Nordlichter, aber trotzdem wunderschön und genauso beeindruckend.

Überall am Himmel entdecken wir immer wieder Auroras und ich freue mich, mit meiner kleinen Kompaktkamera ein paar dieser Lichter auf Fotos bannen zu können. Kein Mensch weit und breit. Auch dieses Erlebnis haben wir wieder ganz für uns allein.

Nach einer Weile, durchgefroren aber glücklich, treten wir den Rückzug ins Bett an und freuen uns über die wohlige Wärme, die uns in der gemütlichen Holzhütte empfängt.

Wir lassen die Vorhänge geöffnet, denn sogar vom Bett aus hat man einen Blick auf den Himmel. Jetzt aber schlafen! Morgen haben wir viel vor. Ich bin fast eingeschlafen, als mich etwas hochschrecken lässt…Was ist das? Was ist da draußen los?! Ich muss erst meine Brille auf die Nase setzen, um erkennen zu können, dass im Himmel direkt vor unserem Fenster unglaubliche Nordlichter tanzen.

Ich rüttle an Rieke. Auch sie ist sofort hellwach. „Schlafen können wir später!“ beschließen wir, schlüpfen wieder in die dicken Sachen und raus geht´s in die Kälte, um vom Zauber dieses Naturschauspiels noch etwas mitzubekommen. Wir bleiben direkt am Haus, die Auroras tanzen vor unserer Nase. Die Farben sehen richtig kitschig aus.

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Durchgefroren verschwinden wir später endgültig im Bett. Mitternacht ist längst vorbei…

(…wird fortgesetzt…)

k300_000IrisIris Schneider ist begeisterte Fotografin und Community-Mitglied. Sie ist Euch vermutlich vor allem durch ihre regelmäßigen, inzwischen sehr zahlreichen und kompetenten Buchrezensionen bekannt. Einer ihrer fotografischen Schwerpunkte ist Landschaftsfotografie. Ihren Island-Reisebericht hat sie exklusiv für uns verfasst, worüber wir uns sehr freuen. Vielen Dank, Iris!

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