Jürgen Diemer. „Wo kämen wir hin.“

Eine Ausstellungs-Trilogie

„Wo kämen wir hin, wenn alle sagten: „Wo kämen wir hin“, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ging.“

Dieses Zitat des Schweizer Schriftstellers Kurt Marti hatte Jürgen Diemer für seine Homepage ausgewählt. Der Mülheimer Fotograf lebte nach dieser Devise. Er ging, schaute – und er fotografierte. Vor knapp einem Jahr starben Jürgen Diemer und seine Frau Claudia bei dem Absturz der Germanwings Maschine in den französischen Alpen.

Dass der Künstler und seine Arbeiten unvergessen sind, dokumentiert nun eine Ausstellungs-Trilogie: An drei Orten in Mülheim an der Ruhr wird ab dem 17. März 2016 posthum die Bandbreite seiner Werke präsentiert. Die Bilder und ein Ausstellungskatalog können an den Veranstaltungsorten erworben werden. Die Einnahmen fließen ohne Abzug gemeinnützigen Zwecken zu, die von Claudia und Jürgen Diemer unterstützt wurden.

Viele seiner Auftraggeber kamen aus dem Kultur- und Kunstbereich. Jürgen Diemer fotografierte und filmte Bühneninszenierungen, dokumentierte Kulturveranstaltungen und Ausstellungen, gestaltete Printprodukte und Internetseiten. Doch auch ohne Auftrag war die Kamera seine ständige Begleiterin: Ebenso enthusiastisch hielt er damit seine Eindrücke von Natur- und Industrielandschaften, abstrakten Strukturen und den Menschen, denen er begegnete, fest.

So unterschiedlich die Genres sein mögen: Immer gelang es ihm ebenso, das Außergewöhnliche im Alltäglichen sichtbar werden zu lassen, als auch Außergewöhnliches spektakulär in Szene zu setzen. „Jürgen hat Großes geleistet und hinterlassen. Sein besonderer Blick, der künstlerische Prozess, der für ihn im Zentrum stand, und seine Art, die Welt zu sehen, waren unvergleichlich“, so seine Schwägerin Beate Maue: „Weil er sehr einfühlsam und zurückhaltend war, fassten die Menschen, die er fotografierte, schnell Vertrauen. Vielleicht hat er gerade deshalb großartige Momente so künstlerisch sensibel eingefangen.“

Fassungslos reagierten viele Mülheimer sowie seine Künstlerkollegen und Freunde auf den tragischen Tod von Jürgen und Claudia Diemer am 24. März 2015. Schnell entstand der Plan, sein noch nie in einer Ausstellung in seiner Heimatstadt gezeigtes Schaffen zu würdigen. Familienangehörige, Freunde, Künstler und die Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST), für die Jürgen Diemer zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Events fotografierte, konzipierten die drei Ausstellungen mit drei unterschiedlichen Themen, die nun vom 17. März bis 28. April an drei Orten zu sehen sein werden.

Eröffnung am 17. März 2016

Zur Vernissage am 17. März 2016 werden die Veranstaltungsorte miteinander verknüpft:

Um 17 Uhr wird die Trilogie im Museum zur Vorgeschichte des Films mit der Camera Obscura eröffnet; dort werden Straßentheater- und Kulturevent-Fotos zu sehen sein.

Im Rathaus (1. Etage, Übergang über die Friedrich-Ebert-Straße und Erdgeschoss, Ruhrfoyer) geht es ab 18.30 Uhr weiter; dort werden Panoramen aus Mülheim und dem Ruhrgebiet ausgestellt.

Für die Stadtbibliothek im MedienHaus (3. Etage), wo um 19.30 Uhr die Abschlussveranstaltung mit zusätzlichen Videoprojektionen beginnt, wurden die Themen Reisebilder und Naturlandschaften sowie Videos ausgewählt.

Bei der Vernissage werden einige Künstler auftreten, mit denen Jürgen Diemer befreundet war und eng zusammengearbeitet hat. Ebenfalls anzutreffen sein werden der Kölner Fotograf und langjährige Weggefährte Christoph Zierhut, der vor allem bei der Auswahl und Erstellung der Bilder aktiv war, Gert Rudolph als Vorsitzender von Art Obscura und erfahrener Kunst- und Veranstaltungsorganisator sowie Videokünstlerin Barbara Bays und natürlich auch Jürgens Schwestern und ihre Familien als „Ausstellungs-Macher“. Denn erst durch die großzügige Finanzierung und den persönlichen Einsatz von Angelika Rathofer und Marlies Ball (beide geborene Diemer) ist diese Ausstellung überhaupt möglich geworden. Zur Eröffnung wird außerdem Oberbürgermeister Ulrich Scholten ein Grußwort sprechen und Dr. Gottlieb Leinz (ehem. Lehmbruck Museum, Duisburg) eine Rede halten.

Die Bilder und auch ein Ausstellungskatalog können käuflich erworben werden; die Einnahmen möchten die Angehörigen ohne Abzug an gemeinnützige Organisationen weiterleiten: Unterstützt werden sollen damit die Initiative zur Flüchtlingshilfe „Willkommen in Mülheim“, der Regler Produktion e.V., mit dem Jürgen Diemer in der Freilichtbühne zusammenarbeitete, sowie der von Claudia und Jürgen Diemer mitgetragene Verein Art Obscura e.V., der integrative Kulturprojekte von oder für Menschen mit einer Behinderung fördert.

Über Jürgen Diemer

Jürgen Diemer, geboren am 23. März 1959 in Mülheim an der Ruhr, studierte nach einer naturwissenschaftlichen Ausbildung Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen.

In 22 Jahren als freier Foto- und Grafikdesigner hat er neben den Arbeitsschwerpunkten Bühnenfotografie und Dokumentation auch die Gestaltung und Produktion von Bühnenprospekten, audiovisuellen Installationen, Lichtdesign und unterschiedliche Produkte im Bereich Kunst, Printmedien, Corporate Identity und Screen Design realisiert.

Besucherinformationen

Ausstellungsorte und Öffnungszeiten: 
Stadtbibliothek im MedienHaus, Synagogenplatz 3, montags bis freitags 10.00 bis 18.30 Uhr, samstags 10.00 bis 14.00 Uhr
Rathaus, Eingang „Am Rathaus 1“ und Eingang „Rathausmarkt“, montags bis freitags 8.00 bis 18.00 Uhr
Camera Obscura, Museum zur Vorgeschichte des Films, Am Schloß Broich 42, mittwochs bis sonntags 10.00 bis 18.00 Uhr (an Karfreitag und Ostern geöffnet)
Ausstellungsdauer: 17. März bis 28. April 2016
Eintritt: Am Tag der Vernissage sowie zu den Ausstellungen frei

Zur Homepage von Jürgen Diemer: www.juergendiemer.de

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