Guido Mangold. Die Welt mit meinen Augen

Grafische Strukturen, Porträtfotografie und Reportage

Warten auf die Queen, John F. Kennedy am Checkpoint Charlie, Uschi Obermaier am Strand von Afrika. Die Momentaufnahmen des renommierten Magazin- und Landschaftsfotografen Guido Mangold gingen um die Welt und prägen bis heute das kollektive Gedächtnis der Deutschen.

Das Kunstmuseum widmet dem 1934 in Ravensburg geborenen Fotografen noch bis zum 16. Oktober 2016  eine Retrospektive. Diese stellt das über fünfzigjährige Schaffen von Guido Mangold von den 1950er Jahren bis in die 1990er Jahre im Überblick vor.

„Ein gutes Foto ist das, das eine Geschichte erzählt.“ 

Auftakt der mit über 100 Fotografien sowohl thematisch als auch chronologisch strukturierten Präsentation bilden erstmals gezeigte Fotogramme aus der Studienzeit von Guido Mangold. Diese verweisen auf die experimentellen Anfänge von Mangold, der von 1957 bis 1960 unter anderen bei dem Fotografen Otto Steiner an der Werkkunstschule in Saarbrücken und an der renommierten Folkwangschule in Essen studierte.

Inspiriert von seinem Lehrer Otto Steiner und der Tradition der Moderne reduziert Mangold mittels analoger Schwarz-Weiß-Fotografie die Wirklichkeit zunächst auf grafische Strukturen. Es entstehen eindrückliche Landschafts- und Stadtansichten wie die Kindergräber in der Camargue oder Aufnahmen in den Markthallen von Paris, die vom strengen Steiner-Stil geprägt sind und darüber hinaus bereits schon Mangolds Blick für das Besondere belegen. „Ein Licht-Bild gelingt nur dem“, sagt Mangold, „der den atmosphärischen Augenblick erfasst“. So spiegeln seine Fotografien neben dem Geschehen auch immer wieder die Haltung und Einfühlungsgabe des Menschen Mangold wider.

In den 1960er Jahren wendet sich Mangold der Porträtfotografie zu. Nach dem Motto „turn the insight out“ (Mangold), gelingen ihm eindrucksvolle, überraschend intime Momentaufnahmen aus der Welt von Politik und Showbusiness wie die Bilder von Konrad Adenauer oder Louis Armstrong. Für letzteres wird Mangold mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet und schreibt deutsche Fotografie-Geschichte.

„Die digitale Fotografie geht an mir vorbei. Ich bin ein analoger Opa.“

Der internationale Durchbruch als Fotoreporter gelang ihm 1963 mit der Reportage über den Besuch von John F. Kennedy in Deutschland. Im Auftrag von Illustrierten wie twen, Stern oder Geo hält er Zeitgeschichte wie die Beisetzung von Kennedy, den Staatsbesuch der Königin Elisabeth oder ein Konzert der Beatles exklusiv in analoger Schwarz-Weiß-Fotografie fest. Mit dem Aufkommen der Farbfotografie veränderten sich für Mangold dann auch die Bildthemen. Landschaftsaufnahmen und Reisereportagen wie beispielsweise über die Bergbauern in Südtirol gewannen in den 1970er Jahren an Bedeutung.

„Gute Fotografie ist fast immer harte Arbeit und wenn sie gelingt, hat das etwas mit Besessenheit und Disziplin zu tun.“

Neben Reise-Reportagen und Life-Fotografie hat Mangold auch immer wieder Künstler und den Kunstbetrieb porträtiert. Die von Nicole Fritz in enger Zusammenarbeit mit Mangold kuratierte Schau zeigt deshalb nicht zuletzt, welchen Einfluss insbesondere die Bildende Kunst auf den Fotografen bis heute hat.

Über Guido Mangold

1934 geboren in Ravensburg, lebt in Ottobrunn bei München
1948 Bäckerlehre im Betrieb des Vaters in Ravensburg
1952 Konditor-Fachschule in Stuttgart
1954 Auswanderung nach Kanada, Arbeit als Patissier im Hotel Vancouver in Vancouver
1957 Rückkehr nach Deutschland, Staatliche Schule für Kunst und Handwerk, Klasse Otto Steinert, in Saarbrücken
1958 Wechsel mit Otto Steinert zur Folkwang-Schule,Essen
1960 Examen und Folkwang Leistungspreis, Goldmedaille Foto-Biennale in Mailand
1961/62 Arbeit für USIS (United States Information Service), Bad Godesberg
1962 World Press Photo Award für das beste künstlerische Pressefoto (Portrait von Louis Amstrong)
1963-65 Mitarbeitervertrag bei der Illustrierten Quick als Bildjournalist
ab 1966 freie Mitarbeit bei deutschen Magazinen: twen, Stern etc.; Arbeiten für die Werbung
1970 Goldmedialle Art Director’s Club New York für twen-Reportage über den Maler Lambert Maria Wintersberger
seit 1976 Arbeit für Geo, Publikation von Bildbänden

Besucherinformationen

Kunstmuseum Ravensburg
Burgstraße 9, D-88212 Ravensburg

Ausstellungsdauer: bis 16. Oktober 2016
Öffnungszeiten: Di bis So 11-18 Uhr, Do 11-19 Uhr
Eintritt: 6 €, ermäßgt 4 €, bis 18 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Kunstmuseum Ravensburg

Fotografien 1955-2000: Katalog München (Taschenbuch)

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