Matthias Hoch. Hotel Kobenzl

Die Geschichte eines Hauses

Das Salzburger Hotel Kobenzl, oberhalb der Stadt gelegen, ist als ehemaliges Luxushotel bekannt. Inzwischen ist es ein Flüchtlingsverteilzentrum. Als der Leipziger Fotograf Matthias Hoch zusammen mit dem Schriftsteller Andreas Maier das Kobenzl vor 2 Jahren zum ersten Mal besucht, steht es schon seit acht Jahren leer. Der FOTOHOF Salzburg (bis 24. September 2016) und die Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig (bis 30.10.2016) zeigen parallel die ausdrucksvollen und hervorragend gestalteten Bilder in einer Ausstellung.

Die Zimmer sind in einem guten Zustand, nahezu unberührt und konserviert. Es ist wie eine Zeitreise. „Die Pracht des einstigen Fünf-Sterne-Hauses hat etwas bekommen, was man charmant als Patina bezeichnen könnte.“ Allerdings handelt es sich nicht um ein Haus, sondern um ein Gebäudeensemble, bestehend aus dem ehemaligen Berggasthof und verschiedenen Anbauten der 1970er Jahre. Ein einziger Stilmix. Hoch interessiert die Geschichte des Hotels, die Spuren der Nutzung, die Frage, was damals als Luxus galt.

Durch die Einbeziehung von Archivmaterial kommt eine weitere Ebene hinzu, die Geschichte des Hauses wird lebendig. Wir sehen die Inhaberfamilie Herzog mit prominenten Gästen wie Richard Nixon, Margaret Thatcher, Herbert Grönemeyer. Irgendwann jedoch bleiben die Berühmten weg, die Karawane zieht weiter. Im Jahr 2006 wird das Hotel geschlossen.

Anfang 2015 kommt die überraschende Wende: Bund und Land suchen dringend Plätze für Asylsuchende und schließen mit der Eigentümerfamilie einen Mietvertrag über 15 Jahre ab. Als das bekannt wird, gibt es ein heftiges mediales Echo: „Asyl-Verteilzentrum auf dem Gaisberg. Das trifft Salzburg mitten ins Herz.“ (SN) oder „Flüchtlinge statt Promis: Luxushotel wird Erstaufnahmelager“ (HNA) lauten die Schlagzeilen.

Das Abtasten und Sehen und Verstehen von Welt ist ein Hauptanliegen in Hochs Arbeit. Dabei steht die Geschichte des Salzburger Hotel Kobenzl exemplarisch für die gegenwärtigen Veränderungen in unserer Gesellschaft.

Auch in Leipzig zu sehen

Parallel zeigt die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig bis zum 30. Oktober 2016 die Ausstellung Matthias Hoch: Hotel Kobenzl. Projektion.

Über Matthias Hoch

Matthias Hoch, *1958 in Radebeul, Deutschland, bildender Künstler und Fotograf, lebt und arbeitet in Leipzig.
Mehr Informationen gibt es auf seiner Homepage: www.matthiashoch.com

Publikation

Im September 2016 erscheint eine Publikation in der FOTOHOF Edition: Matthias Hoch: Hotel Kobenzl mit Texten von Andreas Maier. Gestaltung: Kay Bachmann.
Preis: 35 Euro.

Besucherinformationen Salzburg

FOTOHOF
Inge-Morath-Platz 1-3, A-5020 Salzburg
Tel +43 662 84 92 96
Fax +43 662 84 92 96-4
[email protected]

Ausstellungsdauer: bis 24. September 2016 
Öffnungszeiten: Di bis Fr 15-19 Uhr, Sa 11-15 Uhr
Eintritt: frei
Besucherinformationen Leipzig

Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig (GfZK)
Karl–Tauchnitz-Straße 9–11, D-D-04107 Leipzig

Ausstellungsdauer: bis 30. Oktober 2016 
Öffnungszeiten: Di bis Fr 14–19 Uhr, Sa u. So 12–18 Uhr
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Mi freier Eintritt

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von FOTOHOF.

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