Kinostart am 19.01.2017: Shot in the dark

Dokumentarfilm von Frank Amman über drei blinde Fotografen

Kinostart am 19.01.2017: Shot in the darkWem würde man weniger Leidenschaft und Genialität für Fotografie zutrauen als einem Blinden?

Frank Amman gelang mit SHOT IN THE DARK ein intimes Porträt von drei erfolgreichen Künstlern und Künstlerinnen (Bruce Hall, Sonia Soberats, Pete Eckert), deren Sehschwäche zum Ausgangspunkt ihrer visuellen Erkundungen geworden ist.

Sehende wie Blinde träumen. Und in unseren Träumen sehen wir.

Am 19. Januar 2017 findet der Kinostart der beeindruckenden Dokumentation statt. In Berlin, Hamburg, Köln, München und Regensburg ist der Film ab diesem Datum zu sehen.

Regisseur Frank Amman erzählt

Es ist ein Zufall. Ich stoße auf die Arbeiten dieser blinden Fotografen und Fotografinnen bei den gestaltenden Vorarbeiten zu einem Spielfilm über einen blinden Teenager, Camera Obscura (ESP, 2011). Ich bin dort als Kameramann engagiert und zusammen mit der Regisseurin Maru Solores überlegen wir, wie blinde Menschen die Welt um sich herum erfahren, ob sie Lichteindrücke empfinden, Fantasie- oder Traumbilder sehen und wie wir das in die Sprache unserer Filmkamera übersetzen können. Bei diesen Nachforschungen gerate ich an den Katalog einer Ausstellung, Sight Unseen im California Museum of Photography, in der die Fotografien von fünfzehn blinden KünstlerInnen gezeigt werden. Einige dieser Bilder üben eine starke Wirkung auf mich aus, nachhaltig. Ungewöhnlich, fast fremdartig erscheinen sie mir – und zugleich unverstellt und direkt. Sie beanspruchen über die Zeit dieser Recherche hinaus einen beunruhigenden Platz in meinem Gedächtnis.

Kinostart am 19.01.2017: Shot in the dark
S. Soberats, New York City

Bei einer Drehreise in die USA beschließe ich schließlich, zwei dieser Künstler anzurufen und es kommt zu einer Begegnung. Ich breche von diesen Besuchen später auf als ich geplant habe, denn wir vertiefen uns sofort in ein angeregtes Gespräch über Fragen wie: Wie entstehen unsere Vorstellungen im Kopf? Wie erfinden wir unsere Bilder bevor wir überhaupt die Kamera auslösen? Welche Gestalt nehmen die Bilder schließlich im fotografischen Material an, welche Überraschungen entstehen beim Fotografieren, welche teilweise unkontrollierbaren Eigendynamiken gehören zu diesem Prozess? Und welche Vorstellungen und Ideen lösen wiederum die fertigen Bilder beim Betrachten aus?

„Ich sehe meine Bilder auch mit Augen“, bringt Pete Eckert bei dieser ersten Begegnung vor, „nur eben mit den Augen von anderen.“ Das Dreieck Künstler – Kunstwerk – Betrachter verschiebt sich schwindelerregend in der Praxis dieser blinden Visionäre. In den folgenden Monaten halten wir Kontakt, ich bekomme immer mehr ihrer Bilder zu sehen, und mir wird klar: Das Geheimnis dieser Bilder und der Arbeitsweise dieser Künstlerinnen verwahrt sich schneller Antworten.

Kinostart am 19.01.2017: Shot in the dark
P. Eckert, Lablight

Ich frage mich, woher diese blinden KünstlerInnen trotz aller physiologischen Hindernisse über Jahre die Lust nehmen, die Energie und das Durchhaltevermögen, ihre Kunst weiterzuentwickeln? Sie zu vertiefen, statt an der Widerspenstigkeit ihres Zugangs zu verzweifeln. Im Gegenteil, stetig ihre Intuition und ihre Techniken zu verfeinern? Beruht das Faszinosum ihrer Fotografien vielleicht wesentlich darauf, dass nichts an ihrer Arbeit selbstverständlich ist? Zunehmend erhoffe ich mir, im Austausch mit diesen KünstlerInnen etwas Neues, mir bislang Unbekanntes über die Entstehung fotografischer Bilder und über das Phänomen des Lichts entdecken zu können.

Ist es etwa paradoxerweise gerade der Mangel an Licht, der sie die Schönheit und Vielfalt des Lichts erst richtig schätzen lässt, und der sie vor allem das Licht so eigenwillig und virtuos einsetzen lässt? Wird das Spiel mit dem Licht für die blinden KünstlerInnen geradezu zu einem lustvollen Selbstzweck? Verkehren sich die Einschränkungen der Blindheit in eine ästhetische Befreiung, jenseits der Eigengesetze des Kunstbetriebes oder auch unserer täglichen rezeptiven Prägungen und Abnutzungen operieren zu können?

Kinostart am 19.01.2017: Shot in the dark
B. Hall, Poolnight

„Weil du sehen kannst, nutzt du deine Sinne und deine Fantasie nicht im vollem Umfang. Du gibst dich zu schnell zufrieden“, sagt Sonia Soberats einmal während der Dreharbeiten zu mir. „Die Vorstellungskraft der Sehenden bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück.“ Auf diese geheimnisvolle Vorstellungskraft fokussiert sich immer mehr meine Neugier. Die reichhaltigste Spur der Fantasiewelt dieser KünstlerInnen sind die Fotografien selbst. Deshalb stelle ich ihre Betrachtung ins Zentrum des Filmes. Diese Begegnungen haben meine Vorstellung von Wahrnehmung und Imagination geöffnet und erweitert.

Ein Kollege sagt nach einer Testvorführung: „Nach diesem Erlebnis habe ich den Eindruck, dass diese Blinden mehr sehen als wir Sehenden.“

Cast und Crew

Mit  Sonia Soberats, Bruce Hall, Pete Eckert
Buch, Regie, Kamera: Frank Amann
Schnitt: Bernd Euscher, Gesa Marten
Musik: FM Einheit
Ton: Shinya Kitamura
Dramaturgie: Olaf Winkler
Produzenten: Kristina Konrad, Christian Frosch
Produktion: Weltfilm
Co-Produktion: WDR, Arte

Kinotermine Shot in the dark

19.01.2017-25.01.2017 Berlin/Kino in der Brotfabrik
18.01.2017-18.01.2017 Berlin/Soho House Berlin
19.01.2017-25.01.2017 Berlin/Sputnik Kino am Südstern
09.02.2017-09.02.2017 Hamburg/Lichtmeß – Kino
18.01.2017-18.01.2017 Köln/Odeon
19.01.2017-25.01.2017 Köln/Odeon
20.01.2017-23.01.2017 München/Werkstattkino München
19.01.2017-21.01.2017 Regensburg/FILMGALERIE

Technische Angaben

SHOT IN THE DARK
DE 2016
Vorführformate: DCP, BluRay
Filmlänge: 79 Minuten
D-UT
FSK NR

Mehr Informationen gibt es hier:
https://www.shotinthedark-film.com
https://www.dejavu-film.de/index.php?article_id=59

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