Rezension: Paul Eschbach. Foto und Video mit der fliegenden Kamera

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Das Buch eines Praktikers für Praktiker

Der Autor

Paul Eschbach ist ein erfahrener Luftbildfotograf, der von der bemannten Luftbildfotografie kommt. Sein umfassendes Hintergrundwissen über die Besonderheiten der Fotografie aus der Luft adaptiert er gekonnt auf die Fliegerei mit Multikoptern (Drohnen) und erklärt anschaulich die Vorzüge beider Methoden. Neben fotografischen Auftragsarbeiten insbesondere in Form von technischen Inspektionsflügen an Industrieanlagen gibt er auch Workshops für die Multikopter-Fliegerei.

Das Buch

„Ein Buch für den engagierten Bildermacher“ steht als Überschrift über Kapitel 1 des Buches und es wendet sich damit an alle Fotografen, die ihrer Arbeit eine weitere Dimension hinzufügen möchten – das Fotografieren aus großen Höhen.

Gleich vorweg: Paul Eschbach gelingt eine äußerst komplette Abhandlung des Themas. Über technische Aspekte, Auswahl der richtigen Drohne für den jeweiligen Einsatzzweck, praktische Tipps für Flug und Fotografie sowie eine umfangreiche Abhandlung der rechtlichen Situation beim Drohnenflug bis hin zu einem Ausblick über zukünftige Trends und zu Hinweisen für weiterführende Informationen wird alles ausführlich und fundiert besprochen. Man hat von Beginn an das Gefühl, das Werk eines Fachmannes vor sich zu haben.

Mehrere in der Einleitung vorgeschaltete Vorworte von Fliegern und Vertretern des Verbandes der unbemannten Luftfahrt vermitteln einen Eindruck von der Komplexität der Materie, insbesondere in Bezug auf rechtliche Fragen, aber auch auf Fragen der Flugtechnik. Drohnenflieger sind Piloten im öffentlichen Luftraum. Eine Drohne (oder Multikopter) ist ein unbemanntes Luftfahrtsystem. Die Grenze zum unbedarften Spielzeug, das nicht in diese Kategorie fällt, zieht der Autor bei einer erreichbaren Flughöhe von 30 Metern.

Unterscheidung zwischen Luftbildfotografie und Drohnenfotografie

Rezension: Paul Eschbach. Foto und Video mit der fliegenden KameraPaul Eschbach erklärt den Unterschied zwischen beiden Disziplinen mit der stark unterschiedlichen Flughöhe und Reichweite der Systeme. Luftbildfotografen suchen hauptsächlich nach großflächigen Motiven, die sie aus großer Höhe mit aufwändigem Equipment ablichten. Sie konzentrieren sich komplett auf die Aufnahme, während der Pilot die Flugarbeit übernimmt. Drohnenpiloten operieren in kleineren Radien mit kompakterer Technik und müssen neben dem Bildermachen noch auf das Fliegen achten. Zahlreiche Bildbeispiele in diesem Kapitel aus dem eigenen Archiv des Autors machen die Unterschiede deutlich.

Auch die Auswahl der Kamerasysteme unterscheidet sich. Während Luftbildfotografen DSLR-Systeme, vereinzelt auch mittel- und großformatige Kameras einsetzen, nutzen Drohnenfotografen bevorzugt kompakte Action- oder Systemkameras. Ein Sucher ist nebensächlich, die Bilder werden meist direkt per WLAN übertragen und bei Drohnen mit First-Person-View-Modus sogar zur Navigation eingesetzt. Des Weiteren ziehen Drohnenfotografen Festbrennweiten mit Innenfokussierung vor. Zooms neigen dazu, sich bei senkrechter Ausrichtung zu verstellen und Objektive, deren Tubus sich beim Fokussieren verlängert, bringen die sorgfältige Balance der Drohnen durcheinander und sorgen für Wackler, insbesondere bei Videos. Derartige kleine und größere Tipps und Tricks sind zahlreich über die Kapitel verteilt. Das Buch eines Praktikers für Praktiker.

Flugsicherheit – über Fallhöhen und NASA-Werte

Das Kapitel Flugsicherheit streift Aspekte, die vermutlich nicht jeder Käufer einer leistungsfähigen Fotodrohne im Auge hat, wenn er oder sie durch die Online-Shops der Hersteller surft. Hier geht es um Thermik in den Bergen, den sogenannten Kp-Index der NASA über atmosphärische Störungen, den man online abrufen kann und über simple Gravitation, mit deren Hilfe sich leicht errechnen lässt, dass ein abstürzender Multikopter aus 100 Metern Höhe mit rund 160 Sachen auf dem Boden aufschlägt – im günstigsten Fall.

Eine Auswahlhilfe für die richtige Drohne schließt den technischen Teil ab und empfiehlt Systeme von unter 500,- bis jenseits von 20.000,- Euro.

Aufnahmetechnik und Motivauswahl

Hat man das richtige Gerät gewählt und schließlich in Händen, stellt sich die Frage „was mache ich jetzt damit?“ Hier knüpft das nächste Kapitel an und zeigt zahlreiche Anregungen für Motive. Es geht um Licht, Schatten, Farbtemperatur sowie um Wetter, Jahreszeiten und Flughöhen. Manchmal genügt schon ein Aufsteigen um wenige Meter, um über ein Hindernis hinweg zu fotografieren.

Zitat des Autors: „Die beste Multikopteraufnahme fällt überhaupt nicht auf.“ Man muss die Kiste nicht immer bis zum Anschlag hochjagen, jedenfalls nicht aus fotografischer Sicht…. aus Spaß am Fliegen vielleicht schon.

Drohnenfotografie und Recht – ein 75-Seiten-Kapitel

Allein der Umfang dieses Themas ist beeindruckend. No-Fly-Zonen, Naturschutzgebiete, Menschenansammlungen, Recht am eigenen Bild, Luftbildfreigaben, Mitstörerhaftung (nie gehört zuvor) – alles wird erwähnt und besprochen.

Ergänzt werden die Informationen durch Checklisten zur Planung von Drohnenflügen, um Aufträge möglichst reibungslos durchführen zu können.

Der abschließende Blick in die Zukunft der Drohnenfotografie beleuchtet das Thema von beiden Seiten: was kommt mit zunehmender Beliebtheit und Verbreitung von Drohnen auf die Piloten zu (weitere Auflagen, Flugscheinpflicht, Schadensersatz) und was auf Passanten, die sich davon beeinträchtigt fühlen (Recht am eigenen Bild, Duldungspflichten, Abschusserlaubnis zur Selbstverteidigung)?

Für wen ist dieses Buch geeignet?

Ganz einfach für alle, die die Drohnenfliegerei anstreben oder bereits betreiben.

Fazit

Paul Eschbach gelingt eine umfassende Abhandlung des Themas zum gegenwärtigen Stand der Technik und der Rahmenbedingungen. Ganz klare 5 Sterne.

Die Daten

Paul Eschbach. Foto und Video mit der fliegenden Kamera. Luftbildaufnahmen mit Multicoptern erschien am 5. Dezember 2016 im mitp-Verlag. 1. Auflage 2016, 388 Seiten, komplett in Farbe, Softcover, 17,4 x 2,2 x 24,1 cm. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN 978-3958455528
Preis Buch 39,99 Euro | E-Book 33,99 Euro
Hier geht es zur Leseprobe.

Rezension: Gerhard Reininger

Unsere Bewertung:
5 Sterne

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