Kirsten Johannsen. Sublime Spotting

Multimediale Ausstellung mit Schwerpunkt Fotografie

Warum ziehen manche Orte uns besonders an? Wodurch werden Gefühle zu einem Ort hervorgerufen? In ihren künstlerischen Arbeiten blickt Kirsten Johannsen auf verschiedene Räume und ihr In-Erscheinung-Treten. Im Mittelpunkt von Johannsens Beobachtungen stehen die unterschiedlichen Bedingungen, die räumliche Atmosphären entstehen lassen und die Imagination der Betrachtenden fördern. Die Künstlerin arbeitet dabei mit unterschiedlichen Medien: Neben raumbezogenen Installationen nutzt sie die Möglichkeiten von Fotografie, partizipativer Interaktion und Videofilm, um Räume und ihre Gestimmtheiten darzustellen.
In der Galerie world in a room in Berlin zeigt Kirsten Johannsen noch bis zum 26. Mai 2017 aktuelle Arbeiten.

Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die siebenteilige fotografische Serie sublime spotting (2016). Sie zeigt Personen, die vor Landschaften stehen und diese betrachten. Johannsen fügt diesen Fotografien Ansichten des Buches On the Sublime and Beautiful (1757) des englischen Philosophen Edmund Burke hinzu. Es entsteht eine Korrespondenz zwischen Landschaftsaufnahme mit Figuren und Burkes Text über Landschaften.

Mit sublime spotting hinterfragt die Künstlerin Wahrnehmungsgewohnheiten von landschaftlichen Räumen: Betrachten wir Landschaften nach einem ästhetischen Regelwerk oder ist das subjektive Empfinden ausschlaggebend? Ergänzt wird die Fotografieserie durch eine Anleitung, die den Ausstellungsbesucher auffordert, sich ebenfalls in die Natur zu begeben und die eigene Beobachtungsgabe spielerisch zu überprüfen.

Im Gegensatz dazu lädt die fotografische Serie fairyTales (2016) die Besuchenden im Galerieraum ein, vierzig Fotografien miteinander zu vergleichen und neu zu arrangieren. Die schwarz-weißen Aufnahmen liegen auf einem Tisch aus, Baumwollhandschuhe liegen zum Überstreifen bereit und regen zum Durchblättern an. Statt einer Chronologie oder topologischen Zuordnung evoziert diese fotografische Reihe Möglichkeiten und Relationen: Die Motive zeigen Landschaften und Orte ohne Schärfe und räumliche Tiefe und bilden atmosphärisch-gestimmte Umgebungen ab, die, je nach der betrachtenden Person, individuell interpretiert und zugeordnet werden können.

In place evaluation (2015 – 2017) greift Johannsen mit einer unmittelbaren Geste das In-Erscheinung-Treten von Orten auf. Die Künstlerin nimmt dies nun wörtlich und geht mit einer Sammlung von Adjektiven, die sie zuvor auf Karteikarten notiert hat, auf Spurensuche. Ihre Erkundung von Orten folgt dabei subjektiven Kriterien. So hält Kirsten Johannsen beispielsweise Eigenschaftsworte wie boring, romantic oder grim vor das Objektiv der Kamera und fotografiert die Wortkarte mit dem Ort. In einem Katalog mit ausgedruckten Abbildungen dieser fotografischen Aktion können die Besuchenden Johannsens Beschreibungen des Ortes und seiner Gestimmtheit nachvollziehen.

Einen Ausblick in eine andere visuelle Welt bietet die fotografische Arbeit cloudsMoving (2017). Sie besteht aus großformatigen farbigen Prints, in denen ausschließlich Wolken zu sehen sind. „Die Darstellung dieser naturgewaltigen Himmelsformen und ihre ephemere Schönheit bilden einen vielseitigen Kontrapunkt zu den drei anderen gezeigten fotografischen Arbeiten“ (Johannsen). In der Ausstellung entstehen Wechselspiele zwischen Assoziativem und Konzeptionellem, zwischen der Visualität von Bild und Text, kulturellen und individuellen Vorstellungswelten, die die Betrachtenden für eine neue Aufmerksamkeit sensibilisieren.

Über Kirsten Johannsen

Kirsten Johannsen lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Universität der Künste Berlin Visuelle Kommunikation (Meisterschülerin) und promovierte 2012 an der University of Plymouth (UK) zu künstlerischen Praktiken in extremen räumlichen Umgebungen.

Über world in a room

world in a room ist ein Projektraum, der auf die Förderung von aktueller Fotografie spezialisiert ist, insbesondere durch ein kontinuierliches Ausstellungsprogramm. Zusätzlich schafft world in a room durch ergänzende Konzertveranstaltungen eine Schnittstelle zur Experimentalmusik. Zeitgenössische Fotokunst und Musik sind beide in Berlin stark vertreten, haben jedoch selten Berührungspunkte. Der Projektraum world in a room bietet die Möglichkeit zum Austausch zwischen beiden künstlerischen Disziplinen, fördert mögliche Kooperationen zwischen Fotografen und Musikern und bringt unterschiedliche Schnittmengen beim Publikum zusammen.

Konzeptueller Schwerpunkt sind thematisch orientierte Fotoarbeiten, die sich bevorzugt mit gesellschaftlichen oder sozialen Themen auseinandersetzen.

Die Präsentation von multimedialen Arbeiten soll ausdrücklich gefördert werden. Video- und Sounddarbietungen ergänzen die Fotografie. Weitere neue Strömungen, die gezeigt werden, sind der spielerische Umgang mit Fotografie und die Einbeziehung von Bildreproduktionen sowie das Experimentieren mit verschiedenen Materialien.

Die Vermittlung von Fotografie ist ein besonderer Schwerpunkt des Projektraumes. Der Kommunikation über die gezeigten Arbeiten wird große Bedeutung beigemessen. Die Möblierung der Galerie mit Sofa und Sitzgelegenheiten steht sinnbildlich dafür und soll dazu einladen, sich in Ruhe mit den Arbeiten zu beschäftigen und darüber Gespräche zu führen. Bei Künstlergesprächen haben Besucher die Möglichkeit sich zu den Werken zu informieren und mit den Fotografen oder Musikern zu reden.

Die Laufzeiten der Ausstellungen im Projektraum sind mit 2 bis 3 Monaten bemessen, um vielen Besuchern die Möglichkeit zu geben, sie zu sehen.

Besucherinformationen

world in a room – projektraum für fotografie
Brunhildstraße 7, D-10829 Berlin-Schöneberg

Ausstellungsdauer: bis 26. Mai 2017
Öffnungszeiten: Fr und Sa 14-18 Uhr
Eintritt:

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von world in a room – projektraum für fotografie.

Weitere Informationen: 
www.worldinaroom.de
www.kirstenjohannsen.de

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