Rezension: Stefan Hunstein. Im Eis

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Fotos oder Malerei? Magische Momente eingefangen in der Arktis

Was waren meine Erwartungen an ein Buch mit Fotos aus der Arktis? Ein strahlendes Blau der Gletscher hebt sich ab vom gleißendem Weiß des Schnees. Berge aus Eis, durchsichtig glitzernd und schimmernd. Blau wie ein Saphir.

Mein erster Eindruck, als ich das Exemplar der Verpackung entnahm: Ein schweres, qualitativ sehr hochwertiges, gebundenes Buch mit Schutzumschlag. Das Papier ist glatt und schwer. Es fasst sich wunderbar an. Das große Format von 29 x 30 cm lässt die Fotografien wirken, zumal sie meist allein die rechte Seite einer Doppelseite ausfüllen. Sehr schön im Kontrast zu der leeren, weißen Seite gegenüber.

Bei einigen wenigen Fotos erstreckt sich das Foto über die Doppelseite. So auch gleich beim Ersten. Dieses Foto ist faszinierend! Es zeigt eine unendliche Eiswüste. Ich erkenne viele Strukturen, viele Farben. Es dominiert jedoch Grau. Ich kann nur vermuten, welche Dimensionen die Eisbrocken auf diesem Foto haben, denn mir fehlt jeglicher Größenvergleich. Sind sie nun klein, die Eisberge oder riesig? Ein wenig habe ich das Gefühl, mich in dieser Landschaft zu verlieren…Und sie wirkt ursprünglich, nie betreten, unwirtlich, lebensgefährlich! Und gleichzeitig unglaublich schön, majestätisch, weit, erhaben, unberührbar.

Nein, dieses Buch ist anders – und es ist genau so gewollt! Es macht neugierig! Was hat Stefan Hunstein bewogen, uns genau diese Fotos zu zeigen?

Und wer ist Stefan Hunstein?

Ich lege das Buch zur Seite und begebe mich auf die Suche im Internet. Bei meiner Recherche stolpere ich über einen Fernsehfilm des Bayerischen Rundfunk vom 16.09.2015: „Ein Tag im Leben des Stefan Hunstein“. Volltreffer! Denn hier lerne ich ihn ein wenig kennen, diesen vielseitigen Künstler. Er ist Theaterschauspieler und Fotograf. Beides mit großer Leidenschaft!

Das Beste an diesem Film ist, dass er mir viele Antworten zu seinen Fotos gibt. Hunstein stellt seine Fotos parallel in Galerien aus, er berichtet über ihre Entstehung: „Es kommt mir darauf an, dass die Bilder etwas zu tun haben mit dem Seelenzustand, dass es eine Landschaft ist, als würde man sie empfinden…“

Rezension: Stefan Hunstein. Im Eis Rezension: Stefan Hunstein. Im Eis
li: deutsche Ausgabe, re: englische Ausgabe

In der Tat, so wirken die Fotos auch auf mich. Unwirklich, dunkel, teilweise bedrohlich, fern meiner Vorstellungskraft, monumental, respekteinflößend, düster, geheimnisvoll und dann auch wieder weit, großartig, unzerstörbar, rein, geheimnisvoll, beruhigend, klar. Wolkenformationen stehen im Kontrast zum Eis. Auch Dunkelheit. Riesige Gletscherformationen, soweit das Auge reicht.

Ja, die Fotos haben etwas Erhabenes. Hunstein drückt es so aus: „Die Bilder sollen etwas erzählen über Schöpfung. Über etwas Unberührtes, von Menschenhand nicht Verändertes. Eigene Gesetzmäßigkeiten, eigene Stille, eigener Sound, etwas was ich weniger in der Landschaft gesehen habe, als in mir selbst.

Unterstrichen werden die Eindrücke, die diese Fotos vermitteln, noch durch die hochrangigen Persönlichkeiten, die mit ihren Texten die Fotos am Anfang und am Ende des Buches rahmen:

  • Anne-Marie Bonnet, Professorin für Kunstgeschichte
  • Petra Giloy-Hirtz, Kuratorin und Autorin internationaler Ausstellungen und Publikationen zur zeitgenössischen Kunst
  • Michael Krüger – war jahrzehntelang Verleger, Zeitschriftenherausgeber und Schriftsteller, ist seit 2013 Präsident der Bayerischen Akademie der schönen Künste
  • Ulrich Pohlmann, Leiter der Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum und Kurator, Herausgeber und Autor internationaler Veröffentlichungen zur Kulturgeschichte der Fotografie und zur zeitgenössischen Fotografie

Fazit

Lassen Sie sich ein auf diese Fotos. Lassen Sie sich entführen in eine Traumwelt. In diese unbekannte, unfassbar schöne, kalte Welt! Ganz klar: 5 Sterne.

Die Daten

Stefan Hunstein. Im Eis erschien in der deutschen Ausgabe im November 2014 im Hirmer Verlag. Hg. Petra Giloy-Hirtz, Texte von M. Krüger, U. Pohlmann, P. Giloy-Hirtz, A. M. Bonnet. 128 Seiten, 58 Abbildungen in Farbe. 29 x 30 cm, gebunden mit Schutzumschlag. Seit dem 16. Februar 2017 ist auch die englischsprachige Ausgabe erhältlich.
Deutsche Ausgabe  ISBN: 978-3-7774-2297-8
Englische Ausgabe ISBN: 978-3-7774-2734-8
Preis: 39,90 € [D] | 41,10 € [A] | 48,70 SFR [CH]

Blick ins Buch

Rezension: Iris Schneider

Unsere Bewertung:

5 Sterne

Stefan Hunstein: Im Eis (Gebundene Ausgabe)

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