Work & Leisure. Art Collection Deutsche Börse

Über die Freiheit im täglichen Leben

Unter dem Titel „Work & Leisure“ widmet sich die Deutsche Börse Photography Foundation in einer Sonderausstellung den beiden Lebenswelten, die den menschlichen Alltag am stärksten prägen: Arbeit und Freizeit. Die Ausstellung mit über 100 Arbeiten von 26 internationalen Künstlern aus der Art Collection Deutsche Börse ist vom 12. Mai bis 8. September 2017 auf den beiden Ausstellungsflächen in der Unternehmenszentrale der Deutschen Börse, The Cube, in Eschborn zu sehen.

„Work & Leisure“ untersucht Aspekte von Identität und die Freiheit des Individuums im täglichen Leben – über unterschiedliche Epochen, Regionen und Kulturen. Dies spiegelt auch die Bandbreite der ausgestellten Arbeiten wider. Präsentiert werden sowohl Werke von jungen Künstlern wie Lucas Foglia und Olivia Arthur, Arbeiten von renommierten zeitgenössischen Vertretern des Mediums wie Andreas Gursky, Sebastião Salgado oder Candida Höfer, als auch von Fotografie-Ikonen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts wie Paul Almasy, Werner Bischof oder Heinrich Riebesehl.

„Diese Auswahl an Werkgruppen aus der Art Collection gibt einen vielfältigen künstlerischen Einblick in jene Orte, an denen wir einen Großteil unserer Lebenszeit verbringen und die daher von großer gesellschaftlicher Relevanz sind“, sagte Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation.

Die Ausstellung wurde von Anne-Marie Beckmann, Sebastian Knoll und Annekathrin Müller kuratiert.

Unter dem Thema „Work“ erfassen die ausgestellten Fotografien ein breites Spektrum an Arbeitsräumen und Umgebungen, in denen Menschen unter unterschiedlichsten Bedingungen arbeiten.

Sebastião Salgado (*1944, Aimorés, Brasilien) zeigt in seiner Serie über die Goldmine Serra Pelada zum Beispiel brasilianische Tagelöhner, denen trotz harter und unmenschlicher Bedingungen durch Salgados Darstellung Würde verliehen wird.

Der Brasilianer bereiste sechs Jahre lang die Welt und veröffentlichte mit „Workers: Archaeology of the Industrial Age.“ eine Monografie, die den Arbeitern gewidmet ist und Einblick in eine Zeit gewähren, die in unserer nordeuropäischen Gegenwart längst vergessen scheint.

Inge Rambow (*1940, Marienburg) schafft mit ihren Landschaftsportraits von Tagebaugebieten in der ehemaligen DDR Raum für ambivalente Empfindungen.

Rambow fotografierte kurz nach Öffnung der innerdeutschen Grenze brachliegende Braunkohlegruben in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Schöne Hügelketten, sanfte Dünenformationen und Wasserflächen, die sich in Form und Farbe der Geologie anpassen und einen starken Kontrast herstellen, sind erst auf den zweiten Blick als industrielle Relikte erkennbar. Sie entpuppen sich als Seen mit Wasser in giftigen Farben, verrostete Wracks sind erst bei genauerer Betrachtung erkennbar und die Landschaft ist geprägt von sichtbaren Zeugnissen immenser Arbeitsleistung.

Im Kontrast zu diesen deutlichen Spuren physischer Arbeit stehen Andreas Gurskys (*1955, Leipzig) großformatige Fotografien von Handelsräumen internationaler Börsen. Die Dynamik und Unruhe im komplexen Durcheinander des Chicagoer Boards of Trade, durch digitale Bildbearbeitung verstärkt, ist charakteristisch für Gurskys Arbeitsweise. Diese Bilder gehören mit zu den ersten Werken die von der Art Collection Deutsche Börse seit 1999 gesammelt werden.

Sinnbildhaft für die geistige Arbeit sind auch die atmosphärischen Lesesäle in Bibliotheken bei Candida Höfer, (*1944, Eberswalde). Höfer konzentriert sich in ihrer Bildsprache auf die ästhetische Eigenständigkeit abstrakter Strukturen. Hier stehen die Gebrauchsfunktion der Innenräume und deren Geschichte im Vordergrund, der Mensch selbst – als Schöpfer und Nutzer dieser Räume – ist auf Höfers Aufnahmen nicht anwesend.

Demgegenüber zeigt die Ausstellung auf der zweiten Etage unter dem Motto „Leisure“ Darstellungen von Freizeitgestaltung und Zerstreuung, die darauf verweisen, an welchen Orten und mit welchen Ritualen Erholung gesucht wird.

Bisweilen bizarr erscheinen diese in den Werken von Martin Parr (*1952, Epsom, Surrey, England), der in einer der ersten Farbfotografie-Serien das quirlige Leben englischer Arbeiterfamilien während der Ferien portraitiert. Die Fotografien aus der Serie „The last Resort“ sind zwischen 1983-86 in New Brighton, England entstanden. Parr zeigt mit seiner sehr direkten und ungeschönten Bildsprache die britische Gesellschaft und die Orte ihrer Freizeit.

Auch Jürgen Nefzger, (*1968, Fürth) zeichnet mit seiner Serie „Hexagone“ ein spezielles Bild vom modernen urbanen Leben in Frankreich. Seine Fotografien aus den 1990er-Jahren konzentrieren sich auf das Erfassen von Wohnblöcken, Vorortzentren über Touristenzonen bis zu Einkaufsmeilen.

Wohin die Suche nach Muße in der Weite der Natur führen kann, erzählen wiederum die Arbeiten von Lucas Foglia (*1983 in Huntington, New York, USA). Sein über mehrere Jahre hinweg entstandenes Projekt „Frontcountry“, kreist um das Leben am Rande der Zivilisation, an Orten, in denen große Umbrüche bevorstehen und die Zeit still zu stehen scheint. Die Landschaften erscheinen eindrucksvoll und unendlich weit und visualisieren ein gewisses Freiheitsgefühl.

Der britische Fotograf Simon Roberts (*1974 in London) beschäftigte sich ein Jahr lang (2004-05) mit einer Art Bestandsaufnahme des modernen Russlands. In unbekannten Gegenden fernab von Ballungszentren konzentrieren sich Roberts Porträts auf die dort lebenden Menschen. Die Ausstellung zeigt sie während ihrer Freizeit, beim Tanz, beim Baden und Picknicken.

Mitch Epstein (*1952 in Holyoke, Massachusetts, USA), der zu den Wegbereitern der amerikanischen Farbfotografie zählt, zeigt hingegen den “American Way” der möglichen Freizeitgestaltung. Seine Arbeiten stammen aus der Serie “Recreation”, einem seiner ersten großen Projekte, die in den 1970-80er Jahren entstanden ist.

Künstlerliste

Paul Almasy, Olivia Arthur, Werner Bischof, Joachim Brohm, Bruce Davidson, Slawomir Elsner, Mitch Epstein, Lucas Foglia, David Goldblatt, Andreas Gursky, Evelyn Hofer, Candida Höfer, Matthias Klose, Mirko Krizanovic, Martin Liebscher, Vivian Maier, Jürgen Nefzger, Martin Parr, Inge Rambow, Heinrich Riebesehl, Simon Roberts, Sebastião Salgado, Karl Hugo Schmölz, Alec Soth, Thomas Steinert, Joel Sternfeld.

Über die Deutsche Börse Photography Foundation

Die Deutsche Börse Photography Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt. Die Schwerpunkte der Stiftungsaktivitäten liegen im Bereich Sammeln, Ausstellen und Fördern von zeitgenössischer Fotografie. Im Jahr 1999 hat die Gruppe Deutsche Börse mit dem Aufbau ihrer Sammlung zeitgenössischer Fotografie begonnen. Der weitere Ausbau der Art Collection Deutsche Börse, gehört zu den zentralen Aufgaben der Stiftung. Die Sammlung und ein wechselndes Ausstellungsprogramm sind öffentlich zugänglich. Gemeinsam mit der Photographers‘ Gallery in London vergibt die Foundation jährlich den renommierten Deutsche Börse Photography Foundation Prize. Weitere Schwerpunkte sind die Nachwuchsförderung, die Unterstützung von Ausstellungsprojekten internationaler Museen und Institutionen sowie der Ausbau von Plattformen für den wissenschaftlichen Austausch über das Medium. Mehr Informationen finden sie unter www.deutscheboersephotographyfoundation.org.

Über die Art Collection Deutsche Börse

Die Art Collection Deutsche Börse zählt zu den bedeutendsten Sammlungen internationaler zeitgenössischer Fotografie. Sie umfasst rund 1.700 Werke von über 120 Künstlern und widmet sich den zentralen Themen der zeitgenössischen Fotografie ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Bogen an Sujets spannt sich von Landschaftsaufnahmen über Porträts, Stillleben und Interieurs bis hin zur Straßenfotografie. Dass Werke von musealer Qualität nicht nur dort entstehen, wo für den Kunstmarkt oder die Museumswand produziert wird, zeigt die Einbindung umfangreicher Werkgruppen der Dokumentar- und Reportagefotografie in den Sammlungskörper. Allen gemeinsam ist jedoch die Beschäftigung und Erforschung der „conditio humana“, das Ausloten der Bedingungen des menschlichen Daseins und seiner Verortung in der Welt.

 

Besucherinformationen

Deutsche Börse Photography Foundation
The Cube
Mergenthaleralle 61, D-65760 Eschborn

Ausstellungsdauer: bis 8. September 2017
Öffnungszeiten: Die Ausstellung kann nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. 
Termine für Führungen: nach Voranmeldung am 17. Mai, 2. Juni, 13. Juni, 29. Juni, 14. Juli, 25. Juli, 9. August, 21. August, jeweils um 18:00 Uhr. Weitere Termine für Gruppen sind nach Absprache möglich.
Anmeldung für Führungen: Online unter diesem Link 
Eintritt: frei!

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Deutsche Börse Photography Foundation.

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