Rezension: Ludwig Schuster. Analoge Fotografie

Analoge Fotografie Book Cover Analoge Fotografie
Edition FotoHits
Ludwig Schuster
Analogfotografie
mitp Verlag
23. Mai 2017
Softcover
144

.

Der analoge Funke springt nicht über

Ludwig Schuster ist nach eigenen Angaben mit der digitalen Fotografie groß geworden bevor er irgendwann den Drang verspürte, „die Ursprünge der Fotografie selbst zu erkunden“ (Zitat Autor Klappentext). Er tat dies nach eigenen Angaben noch bevor die analoge Fotografie eine Renaissance erlebte (oder in den Worten des Autors „wieder hip wurde“). Seine Liebe zur analogen Fotografie vermittelt der gelernte Informatiker gerne in Workshops an Jugendliche. Das über die Jahre angesammelte Wissen ist nun in dieses Buch geflossen, um weitere Leser zu erreichen.

Das Buch

„Analoge Fotografie“ ist ein kompakter Ratgeber für die Hosentasche. Gut postkartengroß und gerade mal 7mm stark macht er mit seinem Softcover jede Körperhaltung mit. Es soll Handys geben, die größer sind. Druckqualität, Bindung und Layout sind tadellos. Zwar wünscht man sich manche Abbildungen größer – gerade wenn es um direkte Vergleiche zweier Aufnahmen geht – alles in allem sind Aufmachung und Gestaltung jedoch gelungen und machen einen zeitgemäßen und hochwertigen Eindruck.

Der Inhalt

Der Inhalt gliedert sich in fünf Kapitel:

  • Fotografie mit einer analogen Kamera
  • Film entwickeln
  • Abzüge erstellen
  • Kreativ
  • Zusammenfassung

Eine Einleitung vorweg fasst Danksagungen, Vorwort und Infos über den Autor zusammen, ein Anhang am Ende des Buches sammelt Bezugsquellen, Literatur/Link-Listen, Index und eine Art FAQs mit Lösungen für die gängigsten Probleme. Alle Kapitel sind schön typographiert und mit Fotos, Grafiken und Tabellen angereichert. So weit so gut.

Gehen wir kapitelweise vor. Was die Einleitung angeht sei jedem Leser geraten, sie einfach zu überblättern. Das ist nicht böse gemeint, ganz im Gegenteil. Wer ein solches Buch mit einer Danksagung beginnt erscheint ohne es zu wollen in einem seltsamen Licht, dass sich negativ auf die weitere Beurteilung der Inhalte auswirken kann. Sind Danksagungen in Büchern ohnehin eine suspekte Angelegenheit, so kann man sie am Ende eines 400-Seiten Romans noch gelten lassen. Hier jedoch erscheint sie völlig daneben und man muss die Frage an den Verlag richten, was das Lektorat sich dabei gedacht hat.

Kapitel 1: Fotografie mit einer analogen Kamera

Ludwig Schuster steigt tief ein in die Basics der Zusammenhänge von Blende und Verschlusszeit, erzählt von Verschlussvorhängen und von Transportkurbeln. Das ist zum Teil allgemeine Kameratechnik (nicht nur analoge) und zum Teil zusammenhanglose Aneinanderreihung einzelner Details. Auch bei der Empfehlung der richtigen Kamera für analoges Fotografieren werden wahllos Modelle herausgegriffen und nicht im Detail voneinander unterschieden. Die Tipps zur Funktionsprüfung gebrauchter Geräte sind da schon eher zu gebrauchen und sicher für jeden Neuling interessant. Auch die Bilderstrecke zum korrekten Einlegen eines Films ist nützlich, jedoch nichts Neues und mit wenigen Mausklicks auf entsprechenden Internetseiten oder in YouTube-Videos ausführlicher zu sehen. Insgesamt wird das Kapitel seinem Anspruch im Titel kaum gerecht. Zumal am Ende noch ein technischer Vergleich von Film und Sensor bemüht wird – wohl dem ausgebildeten Informatiker geschuldet und an dieser Stelle völlig am Thema vorbei.

Kapitel 2: Film entwickeln

In Kapitel zwei dreht der Autor auf. Der Film ist belichtet und hat die Kamera verlassen, jetzt geht es ans Entwickeln. Tipps zu Ausrüstung und Sicherheit im Umgang mit Chemikalien werden ausführlich aufgelistet und der Vorgang des Entwickelns wird wortreich beschrieben. Ausgerechnet in diesem Kapitel ist die Bebilderung jedoch äußerst sparsam. Der Anfänger ist auch hier mit Praxis-Videos aus dem Netz viel besser bedient und der versierte Leser….. wird vermutlich einschlafen. Aus irgendwelchen missionarischen Gründen wird auch am Ende dieses Kapitels ein hochphysikalischer Absatz, dieses Mal über den Aufbau von Filmemulsionen angehängt, der für den Anfänger verwirrend sein muss und keinerlei praktischen Nutzen enthält.

Kapitel 3: Abzüge erstellen

Wir haben den Film belichtet und entwickelt. Jetzt geht es in die Dunkelkammer. Nach einem schwachen ersten und nur mäßigen zweiten Kapitel, kommen wir nun zum Highlight des Buches. Die Dunkelkammer, ihre Ausrüstung und das Agieren mit Vergrößerer, Kornscharfsteller und Chemikalienbädern werden höchst kompetent und gewissenhaft beschrieben. Wer das Buch gekauft und sich bis hierher durchgekämpft hat, bekommt nun die Belohnung in Form fundierter, praxisorientierter Informationen. Erläuternde Fotos aus der privaten Dunkelkammer des Autors ergänzen den Textteil perfekt. Kurzum, ein gelungenes Kapitel.

Kapitel 4: Kreativ

Leider haben wir mit Ende des dritten Kapitels den Höhepunkt der Spannungskurve auch schon wieder hinter uns. Der anschließende Ausflug in Kreativtechniken wie Abwedeln oder Doppelbelichtung im Labor flacht wieder deutlich ab. Entweder aus Platzgründen oder weil dem Autor die Puste ausgegangen ist, bleiben die Hinweise auf der Themenoberfläche und sind für Anfänger kaum von Nutzen. Es scheint sich um ein Füllkapitel zu handeln, um etwas mehr Masse ins Buch zu bekommen. Thematisch ist es an dieser Stelle völlig überflüssig und eher dazu geeignet, einen Folgeband erschöpfend zu füllen, für alle, die die Grundlagen intus haben.

Kapitel 5: Zusammenfassung

Wäre das Buch ein Vortrag würde die Zusammenfassung am Ende Sinn ergeben. Im Rahmen eines Vortrags wird nicht zurück geblättert oder nachgelesen. Im Buch jedoch kann alles nach Belieben rekapituliert werden – eine Zusammenfassung ist einfach nur eines: überflüssig.

Für wen ist dieses Buch geeignet?

Ehrlich gesagt – ich habe keine Ahnung. Für Anfänger sind die Themen (bis auf Kapitel 3) zu wenig strukturiert und hilfreich. Für Fortgeschrittene hat das Buch zu wenig Gehalt. Auch das handliche Format, das gelungene Layout und das nette Cover-Foto können darüber nicht hinweg täuschen. Der Autor Ludwig Schuster ist bei all dem etwas zu bedauern. Man merkt dem Buch an, dass der Autor Kompetenz besitzt, dass er das Thema liebt und dass er etwas zu sagen hat – allein, es gelingt ihm nicht. Der analoge Funke springt nicht über, es wird nicht klar, warum man sich die ganze Mühe machen soll und es entsteht der Eindruck, dass das Lektorat des Verlages den Autor allein gelassen hat, sowohl die inhaltliche Struktur betreffend als auch sprachlich. Ein Blog ist kein Buch und gesammelte Erfahrung muss kanalisiert werden, damit für andere etwas dabei rüberkommt.

Fazit

Analoge Fotografie von Ludwig Schuster hinterlässt den Leser in dem Gefühl, dass hier auf die Schnelle ein Buch geschaffen wurde, mit dem der Autor oder eher der Verlag auf eines der Trittbretter des gerade anrollenden analogen Trend-Zuges aufspringen möchte. Es ist handwerklich perfekt, jedoch inhaltlich mäßig gestaltet, ohne klare Zielgruppe. Der Preis von 19,99 Euro für das schmale Bändchen erscheint mir happig. Ratgeber vergleichbaren Umfangs sind üblicherweise für den halben Preis zu bekommen – und dieses Exemplar wäre damit bereits gut bezahlt.

2 Sterne

Die Daten

Ludwig Schuster. Analoge Fotografie erschien am 23. Mai 2017 im mitp-Verlag. 1. Auflage 2017, 144 Seiten, Softcover, in Farbe, 12,3 x 1,5 x 18,3 cm. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN 978-3958455832
Preis Buch 19,99 Euro | E-Book 16,99
Hier geht es zur Leseprobe.

Rezension: Gerhard Reininger

Unsere Bewertung:

Analoge Fotografie: Fotografieren und Entwickeln (Edition FotoHits) (Broschiert)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen
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Ludwig Schuster. Analoge Fotografie, mitp Verlag
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