G.R.A.M. im Fotohof Salzburg

Der Regenschirm, die Schaufeln und der koreanische Tanz

G.R.A.M. (Matthias Cremer) − o.T., 2016 Courtesy: Christine König Galerie Wien

Der FOTOHOF Salzburg zeigt noch bis zum 23. September 2017 Fotografien der Künstlergruppe G.R.A.M.

Die Reenactements von G.R.A.M. meinen nicht das Ereignis, an das man sich zu erinnern glaubt. Sie spielen zwar oft auf tatsächliche bzw. historische Personen an, sind aber an diesen wenig interessiert. Vielmehr geht es den Künstlern um eine vielschichtige, vor rund 20 Jahren entwickelte, bildkritische Strategie. Das Hauptinteresse der Künstlergruppe G.R.A.M. ist die Visualität im Allgemeinen und deren Organisation, deren mannigfaltige Strategien und Interpretationsweisen. Unterschiedliche Medien und Materialien spielen dabei eine entscheidende Rolle.

G.R.A.M. (Matthias Cremer) − o.T., 2016 Courtesy: Christine König Galerie Wien

In ihrer Ausstellung im Salzburger FOTOHOF stellt G.R.A.M. ausgewählte Bilder aus den Tagesmedien, aus politischen Aktualitäten der jüngsten Vergangenheit nach. Der Eindruck des Paradoxen, des mitunter Absurd-Surrealen lässt sich dabei kaum vermeiden − er wird sogar provoziert. Mit geringfügigen strategischen Schwenks − Austausch von DarstellerInnen, Wechsel der Orte, zitathafte Kostümierung − entstehen völlig neue Inhalte. Sieht man auf einem Original noch etwa junge koreanische Soldaten bei Ballettübungen, so inszeniert G.R.A.M. diese Szene unter eigener Mitwirkung und der zahlreicher Alterskollegen. Plötzlich bewegt man sich in gänzlich anderen Inhalten. Eine Selbsthilfegruppe, die im gruppendynamischen Spiel einen Ausweg aus der Misere sucht?

Die Bilder sind es, die den Inhalt erzeugen. Erstmals baut G.R.A.M. in der Salzburger Ausstellung auch Making-Of-Fotos von den Reenactment-Inszenierungen ein und erweitert so die Bedeutungs- und Funktionsebenen, was zudem durch einen mehrfachen Wechsel der Materialität verstärkt wird. Ein Foto in der Zeitung will Ereignisse, Menschen, Dinge näher bringen und funktioniert wesentlich im Zusammenspiel von Wort und Bild. Was aber, wenn das gleiche Bild im Kleinformat der klassischen Schwarzweißfotografie − mit Passepartout und gerahmt ohne den Text − an der Wand hängt oder als Tapete einen ganzen Raum bestimmt? Das Bild ist nomadisierend − es wandert von einem Medium zum anderen. Erst der mediale Kontext gibt Aufschluss über die Bezüglichkeiten innerhalb der Bilder und untereinander.


G.R.A.M. (Matthias Cremer) − „Mehr als hundert Journalisten wurden zum Parteitag eingeladen, durften dann aber nicht in die Halle. Draußen wurden sie überwacht.“ 2016. Courtesy: Christine König Galerie Wien

Securitybeamte mit Schirm im Park (oder ist es ein Magritte-Motiv?), eine hochrangig besetzte Spatenstichfeier, ein politisches Gruppenfoto: G.R.A.M. erzeugt mittels bestehender Bilder eine neue Visualität. Sie ist mindestens so real, so glaubhaft und wahr wie die Medienbilder beziehungsweise die Bilder im Allgemeinen. In der Bilderflut gefangen, bedarf es einer Navigation, die G.R.A.M. in der Ausstellung Der Regenschirm, die Schaufeln und der koreanische Tanz anbietet und vorstellt.

Über G.R.A.M.

G.R.A.M.  sind Günther Holler-Schuster, *1963 und Martin Behr,* 1964. Sie leben und arbeiten in Graz, Österreich.

Besucherinformationen

FOTOHOF
Inge-Morath-Platz 1-3, A-5020 Salzburg
Tel +43 662 84 92 96

Ausstellungsdauer: bis 23. September 2017 
Öffnungszeiten: Di bis Fr 15-19 Uhr, Sa 11-15 Uhr
Eintritt: frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von FOTOHOF.

Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen