Rezension: Bruce Barnbaum. Die Kunst der Fotografie

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Tiefgründiges Fotowissen auch zur Analogfotografie – jedoch keine leichte Kost

„The Art of Photography“ lautet der englische Originaltitel dieses Buches des weltbekannten amerikanischen Fotografen. Die Erstausgabe dieses Werkes war im Jahr 2011 (so nachzulesen bei Amazon) das bestverkaufte Fotografiebuch der USA.

Schwarzweiß und im festen Einband, so liegt es vor mir, mit 430 gewichtigen Seiten. Es ist im dpunkt.verlag in 2., erweiterter und überarbeiteter Auflage erschienen und von Dr. Volker Haxsen ins Deutsche übersetzt worden. Die Fotos des Autors sind überwiegend in Schwarzweiß abgebildet, der hochwertige Druck und die glatte Oberfläche des Papiers machen haptisch etwas her.

Schnell wird mir klar, warum die Erstausgabe dieses Buches auch als „Fotografenbibel“ beschrieben wird. Der Autor befasst sich sehr detailliert mit verschiedensten Techniken der Fotografie, so zum Beispiel dem Zonensystem für die analoge Schwarz-Weiß-Fotografie sowie auch dem digitalen Zonensystem, es geht um Kunst, Technik und deren Relevanz, um Philosophie, fotografischen Realismus, Abstraktion und Kreativität.

Kurzum – keine Schmalkost! Dieses Buch ist nicht geeignet für Leser, die sich einen schnellen Überblick zu diesem Thema verschaffen möchten. Ich denke, es ist eher geeignet für all die, die diese Kunstform studieren und sich mit all den Techniken intensiv auseinandersetzen wollen. Oder auch für die Interessierten, die sich in diese Materie richtig tief hineinbegeben wollen.

Inhalt

Der Autor gibt uns einige Definitionen mit auf den Weg. Unter der Überschrift „Wie das Auge sieht“ zum Beispiel diese: „Eine gelungene Komposition ist die Art, wie es dem Künstler gelingt, den Blick des Betrachters in geordnete, geführte Bahnen zu lenken“.

Rezension: Bruce Barnbaum. Die Kunst der FotografieDie analoge Fotografie nimmt in diesem Werk viel Raum ein und Barnbaum gibt sein konkretes handwerkliches Wissen zur Entwicklung von Schwarzweißfotos detailliert weiter.

Als Beispiel nenne ich hier die Profitipps für die Dunkelkammer, wie den Einsatz von Kontrastminderungsmasken, das Bleichen mit Kaliumhexacyanoferrat und Selentonungen.

Großartige Fotos zeigt uns Barnbaum in diesem Buch, schon allein dafür lohnt sich die Anschaffung!

In Kapitel 11 steigt der Autor detaillierter in die digitale Fotografie ein. Auch hier erhält der Leser interessante Informationen, zum Beispiel über den genauen Unterschied zwischen den Bildqualitätseinstellungen einer Kamera (RAW, DNG oder JPEG), den Dynamikumfang eines Sensors und Erläuterungen zum Histogramm.

Barnbaum informiert uns zum RAW-Konvertierungsprogramm genauso wie zum Weißabgleich, zur Einstellung des Schwarzpunktes, des Weißpunktes und des Kontrasts. Auch HDR und Luminanzmasken werden thematisiert.

Im Kapitel 14 geht es um die Zerschlagung fotografischer Mythen. Etwas gestört hat mich hier die Vermischung von Mythen zur technischen Entwicklung in der Dunkelkammer und zu fotografischen Gestaltungsformen bei der Aufnahme eines Fotos.

Struktur

Irritiert hat mich insgesamt die Aufteilung der Themen in diesem Werk. Für meinen Geschmack wurde ein wenig zu viel gesprungen zwischen künstlerischen und technischen Kapiteln.
Hier ein Auszug der Kapitel-Überschriften:

  • Fotografie als Mittel der Kommunikation
  • Visualisierung
  • Licht
  • Farben
  • Filter
  • Das Zonensystem für Aufnahmen auf Schwarz-Weiß-Film
  • Die Steuerung des Kontrasts von Schwarz-Weiß-Negativen – Das erweiterte Zonensystem
  • Der Abzug
  • Das Digitale Zonensystem
  • Analog und Digital, Kunst und Technik
  • Die Zerschlagung fotografischer Mythen
  • Präsentation
  • Fotografischer Realismus, Abstraktion und Kunst
  • Der intuitive Zugang zur Kreativität

Im Anhang gibt es dann noch einmal ganz praktische Tipps zum Testen von Materialien und Ausrüstung in der analogen Fotografie und zu Vergrößerer-Lichtquellen.

Fazit

Wahrscheinlich hatte ich persönlich eine etwas andere Vorstellung von diesem Buch…
In Kapitel 17, mit der Überschrift: „Der intuitive Zugang zur Kreativität“, werde ich mit einem Satz wie „Wenn Sie irgendetwas in der Fotografie erreichen wollen, müssen Sie Freude dabei empfinden.“ nicht wirklich abgeholt. Auch Kapitel 18 reißt das nicht raus: „Sich bei jedem Aspekt der Fotografie die Flexibilität zu bewahren, ist das größte Geschenk, das Sie sich machen können.“ Aber das mag mein subjektives Empfinden sein. Es soll das geballte Fotowissen nicht schmälern, welches das Buch vermittelt.

Ich denke, ich würde dieses Werk insbesondere den Fotografen empfehlen, die sich das Gebiet der analogen Fotografie neu erschließen wollen.

Die Daten

Bruce Barnbaum. Die Kunst der Fotografie. Der Weg zum eigenen fotografischen Ausdruck erschien am 28. August 2017 im dpunkt.verlag. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage, 430 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband, 25,6 x 3,2 x 26 cm. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN: 978-3-86490-458-5
Preis: 49,90 Euro (Buch) | 39,99 (E-Book)

Leseproben:

Rezension: Iris Schneider
Mehr über Iris erfahrt ihr auf ihrem Instagram-Account.

Unsere Bewertung:

Die Kunst der Fotografie: Der Weg zum eigenen fotografischen Ausdruck (Gebundene Ausgabe)

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Bruce Barnbaum. Die Kunst der Fotografie, dpunkt.verlag
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