Germaine Krull. Métal

Der Tanz der nackten Metalle

Die Pinakothek der Moderne in München zeigt noch bis zum 10. Juni 2018 die beeindruckende Serie Métal von Germaine Krull (Wilda 1897 – 1985 Wetzlar). Ihre Bedeutung als Künstlerin der Avantgarde verdankt die Fotografin diesem wegweisenden Mappenwerk, das 1928 in Paris bei A. Calavas, Librairie des Arts Décoratifs in kleiner Auflage erschien.

In 64 Lichtdrucktafeln setzt sie darin eiserne Konstruktionen wie Kräne, Brücken, Maschinen und den Eiffelturm mittels ungewöhnlicher Perspektiven und Bildausschnitte in Szene. Die Abfolge im Portfolio lässt aus den Einzelbildern einen geradezu filmisch-bewegten „Tanz der nackten Metalle“ werden und zeigt die gigantischen Metallkonstruktionen als dynamische Monumente einer modernen Zeit.

Es war wohl gerade diese Veröffentlichung, die Walter Benjamin veranlasste, Germaine Krull in seiner „Kleinen Geschichte der Fotografie“ (1931) in einem Atemzug mit den bedeutenden Fotografen August Sander und Karl Blossfeldt zu nennen.

Die Präsentation zeigt alle 64 Tafeln aus einem von Krull an Jürgen Wilde gewidmeten Exemplar der Erstausgabe von Métal, ergänzt um originale Fotografien der Serie, Dokumente und Archivalien aus den Beständen der Stiftung Ann und Jürgen Wilde. Zusätzlich ist der Kurzfilm De Brug (1928) des niederländischen Filmemachers und Dokumentaristen Joris Ivens zu sehen.  Hier zeigt sich nicht nur die persönlich künstlerische Verbindung der beiden, sondern auch die wechselseitige Inspiration der technischen Bildmedien Film und Fotografie in der Moderne.

Über Germaine Krull

Germaine Krull absolvierte ihre Ausbildung an der Münchner Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie. 1920 wurde sie aufgrund ihrer politischen Gesinnung aus Bayern ausgewiesen und lebte nach Stationen in Moskau, Berlin und Amsterdam ab 1926 in Paris. Dort avancierte sie zu einer gefragten Werbe- und Porträtfotografin und arbeitete als Fotojournalistin.

Trotz reger Ausstellungs- und Publikationstätigkeit in den 1920er und 1930er Jahren geriet sie nach 1945 in Vergessenheit. Ann und Jürgen Wilde konnten Krull 1974 in Nordindien ausfindig machen und richteten ihr 1977 eine erste Retrospektive in Deutschland aus.

Diese leitete die Wiederentdeckung der Fotografin und ihres bedeutenden Werkes ein.

Besucherinformationen

Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40, D-80333 München

Ausstellungsdauer: bis 10. Juni 2018
Öffnungszeiten: Di bis So 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr
Eintritt: 10 €, ermäßigt 7 €, Sonntagseintritt 1 €, bis 18 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Pinakothek der Moderne

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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