Rezension: Monika Andrae. Die sieben Todsünden der Fotografie

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Viele Anregungen und Ideen für bessere Fotos

Dieses Buch hat mich überrascht. Ich hatte, bevor es bei mir ankam, das Inhaltsverzeichnis im Internet nicht gelesen und erwartete ein Buch, das die üblichen Fehler, die ich alle so mache, beschreibt und vielleicht erklärt, was man tun muss, um sie nicht zu machen. Also dachte ich, wird da über den ewig schiefen Horizont, die stürzenden Linien, die störenden weißen Flecken und die Schärfe an der falschen Stelle gesprochen.

Und dann blättere ich in dem Buch und sehe eine völlig andere Art und Weise, die Todsünden der Fotografie zu erklären. Es geht tatsächlich um die sieben Todsünden, die da sind: Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit.

Jeder dieser Todsünden ist ein Kapitel gewidmet, das jeweils mit einer Erklärung der Todsünde selbst beginnt. Dann werden die Fehler, die man macht und Dinge, die man noch gar nicht beachtet, jeweils einer Todsünde zugeordnet und erklärt, was man anders machen könnte.

Angereichert ist das Ganze mit hervorragenden Fotos, die die Ratschläge beispielhaft ergänzen. Eine sehr gute Typografie und eine übersichtliche Gestaltung der Seiten erleichtert das Lesen der nicht ganz einfachen Texte. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern, die ich schon in der Hand hatte, ist der Satzspiegel großzügig und mit einem breiten weißen Rand links und rechts, der nur durch die beim Durchsuchen und Lesen sehr hilfreichen Randbemerkungen (Marginalien) unterbrochen ist.

Rezension: Monika Andrae. Die sieben Todsünden der Fotografie Rezension: Monika Andrae. Die sieben Todsünden der Fotografie

Dieses Buch ist im Gegensatz zu vielen anderen Büchern zur Fotografie kein „Bilderbuch“, in dem man etwas nachschlagen kann und sollte, sondern ein Buch, das man am besten von Anfang bis Ende liest und sich die guten Ratschläge zu Herzen nimmt.

Die Todsünden

Dem Hochmut zugeordnet ist zum Beispiel das Thema Feedback geben. Hier wird sehr gut erklärt, welche Fragen man sich beim Lesen eines Bildes zuerst stellen sollte, bevor man sich entscheidet, dem Fotografen eine Rückmeldung zu seinem Foto zu geben. Und das ist eben mehr als nur das übliche „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“.

Das Kapitel Geiz beschäftigt sich unter anderem damit, dass ein guter Fotograf nicht geizen sollte, sein Wissen zu teilen. Wissen wird nicht weniger, wenn man es teilt. Im Gegenteil: meist lernt man etwas dazu.

Bei der Todsünde Wollust rät die Autorin dazu, einmal bewusst innezuhalten, nicht ständig neue Projekte zu beginnen ohne sie zu beenden, nicht ständig zu fotografieren, ohne sich mit den Ergebnissen und den Bildern zu beschäftigen, nicht Effekte zu nutzen, ohne sie mit Inhalten zu verbinden. Sehr gut erklärt ist das, und es wäre zu hoffen, dass ein paar mehr Leute es beherzigen.

Beim Zorn geht es um die Angst vor dem leeren Sensor, um die Technik, die macht was sie will. Der Fotograf ohne Motivideen erhält hier ein paar gute Ratschläge für neue Bildideen. Gut erklärt ist hier auch das Vier-Ohrenmodell nach Schulz von Thun und seine analoge Übertragung von der Sprache auf das Bild, das durch Fotografieren entsteht. Was für das gesprochene Wort gilt, gilt erst recht für ein Bild. Auch hier gibt es die Sachebene, die Beziehungsebene, die Selbstoffenbarung und den Appell. Das ist die Geschichte, die ein Bild erzählen soll.

Bei der Völlerei geht es wie nicht anders zu erwarten um die Ausrüstung. Die Zahl der ungenutzten Objektive steigt, aber da ist immer noch das eine, das fehlt. Weniger ist mehr bei Ausrüstung und Bildgestaltung.

Neid auf die Ausrüstung anderer Fotografen und ihre besseren Bilder stehen im Vordergrund des sechsten Kapitels. Wenn Neid aufkommt, sollte man ihn als Antrieb nutzen, meint die Autorin.

Und dann kommt zum guten Schluss die Faulheit. Hier wird beschrieben, wie man durch gute Vorbereitung und Planung zu besseren Bildern kommt. Fotografieren Sie nicht immer das gleiche, verlassen Sie die Komfortzone und nehmen Sie neue fotografische Herausforderungen an.

Mein Fazit

Ein hervorragendes Buch mit vielen Anregungen und Ideen für bessere Fotos. Die Ratschläge sind spannend zu lesen und kreativ den sieben Todsünden zugeordnet. Fünf Sterne dafür.

Die Daten

Monika Andrae. Die sieben Todsünden der Fotografie. Reflexionen und Wege zu besseren Bildern erschien am 18. September 2017 im dpunkt.verlag. 206 Seiten, komplett in Farbe, Broschur, 16,9 x 1,7 x 24,1 cm. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN: 978-3-86490-465-3
Preis: 24,90 Euro (Buch) | 19,99 (E-Book)

Leseproben:

Rezension: Volker Gottwald

Unsere Bewertung:

Die sieben Todsünden der Fotografie: Reflexionen und Wege zu besseren Bildern (Taschenbuch)

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Monika Andrae. Die sieben Todsünden der Fotografie, dpunkt.verlag
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