Landwirtschaft der Gifte / Der Skandal von Minamata

Fotografische Dokumentation von Umweltkatastrophen durch Gifte

Anlässlich der bevorstehenden Entscheidung über die Neuzulassung des umstrittenen Pestizids Glyphosat in der Europäischen Union zeigt der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus in Berlin bis zum 21. Januar 2018 die beiden Ausstellungen  Landwirtschaft der Gifte. Ihr Preis für den Menschen mit Fotografien von Pablo E. Piovano und Der Skandal von Minamata 1971-73 mit Fotografien von W. Eugene Smith.

Landwirtschaft der Gifte

Pablo E. Piovano dokumentiert die Folgen von 20 Jahren des wahllosen Einsatzes von Agrarchemikalien im ländlichen Nordosten Argentiniens und dessen katastrophale Auswirkungen auf die Menschen und ihre Umwelt.

Die Menschheit nimmt unfreiwillig an einem der größten Experimente weltweit teil.

Glyphosat ist das meistverkaufte Pflanzengift der Welt.

Es ist allgegenwärtig in der Nahrungskette.

Vor allem durch den Import von gentechnisch veränderten Glyphosat-resistenten Futtermitteln u.a. aus Argentinien gelangt es in den menschlichen Organismus.

Über eine Million Menschen in der EU unterschrieben bereits die Petition gegen die EU-Neuzulassung einer Chemikalie, die mit Krebs, Geburtsdefekten und Fortpflanzungsschäden im Zusammenhang steht.

Es geht um den Schutz der Gesundheit der Menschheit und um ihr Überleben.

1996 genehmigte die argentinische Regierung den Anbau transgener Sojabohnen und den Einsatz von Glyphosat-Herbiziden auf genetisch modifizierten Nutzpflanzen, wobei sie sich ausschließlich auf herstellerinternen Studien der Firma Monsanto verließ. Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen ein Drittel der Landesbevölkerung direkt oder indirekt von Glyphosat-Spritzmitteln betroffen war, ist Argentinien zu einer Feldstudie für Katastrophen durch Gifte geworden.

Hunderte wissenschaftlicher Studien und medizinischer Untersuchungen bestätigen die tödlichen Wirkungen des Unkrautvernichtungsmittels: Die Krebsrate bei Kindern hat sich verdreifacht, die Häufigkeit von Fehlgeburten und Geburtsschäden mit ungeklärter Ursache ist dramatisch angestiegen. Atemwegs- und Hautkrankheiten, geistige Behinderungen sind nur einige der nachgewiesenen gesundheitlichen Auswirkungen auf die Menschen, die im Bereich der Spritzmittel leben. Trotz dieser unbequemen Wahrheit hat es bisher keinerlei systematische Information von offizieller Seite gegeben.

Über Pablo Ernesto Piovano

Pablo Ernesto Piovano (*1981) lebt als Fotojournalist in Buenos Aires, Argentinien und arbeitet als Fotograf für die Zeitung Página/12. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u.a. beim Festival Internacional de la Imagen in Mexiko, den International Photography Awards, den internationalen Fotojournalismus-Preises von Days Japan sowie den Nachhaltigkeitspreis beim LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus in Hannover.

Der Skandal von Minamata 1971-73

Die „Minamata-Krankheit“ ging in die Geschichte für die gesundheitlichen Folgen einer der größten Umweltkatastrophen Japans ein. Ein Chemiewerk leitete in den 1950iger Jahren quecksilberhaltige Abfälle in Fischereigewässer ein. Der Verzehr von kontaminiertem Fisch löste schwerste Quecksilbervergiftungen und Fehlbildungen bei Neugeborenen aus.

1971 beschließen W. Eugene Smith und seine Frau Aileen, den Skandal von Minamate zu dokumentieren. Sie bleiben drei Jahre vor Ort und erschaffen ein Tagebuch des Kampfes und der Leiden der Betroffenen, das weltweit durch die Veröffentlichung in der Sunday Times Aufsehen erregt. Seine Fotografie des badenden, schwer behinderten Mädchens Tomoko in den Armen seiner Mutter wird zum Sinnbild für die Leiden an dieser Giftkatastrophe.

Während der Recherchen zu Minamata wurde W. Eugene Smith vom Wachschutz des verantwortlichen Chemieunternehmens Chisso Company so schwer verletzt, dass er bis zu seinem Tod 1978 keine weiteren fotografischen Aufgaben mehr übernehmen konnte.

Für den Fotografen Henri Cartier-Bresson war Smith der „größte Fotojournalist dieses Jahrhunderts“. Dabei wollte Smith nie, dass man in ihm einen großen Fotografen sah. Er war ein talentierter wie kompromissloser Fotograf, der mit seinen Dokumentationen die Menschen zum Nachdenken anregen wollte.

In der derzeitigen Debatte um den Einsatz des Pflanzengifts Glyphosat in der Landwirtschaft wirken die Bilder von W. Eugene Smith auf beklemmende Weise aktuell. Damals wie heute finden die Proteste der Betroffenen bei den Regierungen und Chemie-Konzernen, die den Zusammenhang zwischen den Verschmutzungen und Erkrankungen hartnäckig negieren, kein Gehör.

Publikation

Im Kehrer Verlag erscheint der Katalog zur Ausstellung: Pablo E. Piovano, The Human Cost of Agrotoxins / El Costo Humano de los Agrotóxicos, 144 Seiten
ISBN: 978-3-86828-767-7
Preis: 38,00 €

Besucherinformationen

Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V
Stresemannstr. 28, D-10963 Berlin

Ausstellungsdauer: bis 21. Januar 2018
Öffnungszeiten: Di bis So 12-18 Uhr 
Eintritt: frei | Ausweis erforderlich

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V.

The Human Cost: Agrotoxins in Argentina (Gebundene Ausgabe)

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