Balthasar Burkhard im Museum Folkwang

Übersicht über einen facettenreichen Werdegang

Der Körper I (Installationsansicht Ausstellung Kunsthalle Basel 1983), 1983. Silbergelatineabzug, 30,7 x 45,5 cm © Estate Balthasar Burkhard, 2017

Noch bis zum 14. Januar 2018 widmet das Museum Folkwang in Essen dem Schweizer Fotografen Balthasar Burkhard (1944-2010) eine große Einzelausstellung. Die über 150 Werke und Werkgruppen umfassende Retrospektive ist die erste große museale Würdigung Burkhards in Deutschland. In seinem Oeuvre spiegelt sich wie in keinem zweiten die künstlerische Befreiung der Fotografie im ausgehenden 20. Jahrhundert wider.

Jean-Christophe Ammann. o. T. (Balthasar Burkhard), USA 1972. Silbergelatineabzug auf DIN-A4-Blatt aufgezogen, 21 x 29,7 cm. Estate Balthasar Burkhard

Die Schau zeichnet den facettenreichen Werdegang Burkhards nach. Den Auftakt bildet seine Rolle als Wegbegleiter und Dokumentarist des berühmten Kurators Harald Szeemann und der Berner Bohème der 1960er und 1970er Jahre.

Viele Aufnahmen der documenta von 1972 stammen von Balthasar Burkhard und halten den Paradigmenwechsel der Postmoderne fotografisch fest.

Gleichzeitig arbeitet er an seiner eigenen künstlerischen Positionierung als Fotograf und Künstler, entwickelt mit dem Freund und Kollegen Markus Raetz die ersten großen Foto-Leinwände, versucht sich als Schauspieler und Künstler in den USA und inszeniert seine legendären Ausstellungen in der Basler Kunsthalle (1983) und im Musée Rath (1984).

Mit monumentalen Großformaten entwickelt der Künstler das Motiv des Körpers über die fotografische Darstellung ins Skulpturale weiter.

Ihm gelingt es, die Fläche der Fotografie in ein autonomes Tafelbild zu überführen.

Balthasar Burkhard ist einer der Wegbereiter dieser neuen, figurativen Ausrichtung der Fotografie als Kunstform zu Beginn der 1980er Jahre.

Im Laufe seiner Karriere widmet sich Burkhard immer wieder dem Porträt. Während seine früheren Porträts Künstlerinnen und Künstler szenisch und in Aktion zeigen, folgen seine späteren Bilder einer zunehmend formalisierten Auffassung.

In den 1990er Jahren überträgt er diese stilistische Reduktion auf eine umfangreiche Porträtserie von Tieren, die an einen enzyklopädischen Stil der Fotografie des 19. Jahrhunderts erinnern.

Eine weitere Facette von Burkhards Schaffen stellen seine großen Veduten der Metropolen wie Los Angeles und Mexico City dar. Die Aufnahmen aus dem Flugzeug, die er mit den Wüsten fortsetzt, werden zu seiner großen Passion.

Mexico City (Vulkan), 1999. Silbergelatineabzug auf Barytpapier, 136,7 x 267,7 cm. Fondation Cartier pour l’Art contemporain, Paris © Estate Balthasar Burkhard, 2017

Balthasar Burkhars Suche nach einer Morphologie, einer Formenkunde der Natur und Kultur spiegelt sich in seinem Werk wider. Darin finden Aufnahmen von Wellen und Wolken ebenso ihren Platz wie Schweizer Berge oder tropische Urwälder, intime Partien des Körpers, traditionelle japanische Architekturen und die Fragilität von Pflanzen.

Berge, 1992-1993. 2-teilig, Negativ, Silbergelatineabzug, 135 x 152 cm. Galerie Sfeir-Semler, Hamburg © Estate Balthasar Burkhard, 2017

Stets galt sein Interesse der Materialität des Bildes, neben der spezifisch grauen Skala seiner Abzüge experimentierte er vor Allem in seinem Spätwerk mit dem Edeldruckverfahren der Heliogravüre und kehrte somit zu historischen Experimenten der Fotografie als künstlerisches Medium zurück.

Publikation

Balthasar Burkhard. Herausgeber: Museum Folkwang, Fotostiftung Schweiz, Fotomuseum Winterthur und Museo d’arte della Svizzera italiana. Mit einem Vorwort von Tobia Bezzola, Peter Pfrunder, Thomas Seelig und Marco Franciolli. Mit Texten von Balthasar Burkhard, Laurent Busine, Jacques Caumont/Françoise Le Penven, Florian Ebner, Martin Gasser, Ralph Gentner, Jennifer Gough-Cooper, Tom Holert, Markus Jakob, Thomas Kovachevich, Adrian Scheidegger, Thomas Seelig, Abigail Solomon-Godeau, Hendel Teicher, Stefanie Unternährer. 296 Seiten, 352 Abbildungen, Steidl Verlag, Göttingen 2017
ISBN: 978-3-95829-422-6
Preis: 28 Euro

Die Ausstellung im Museum Folkwang wird unterstützt durch E.ON SE und gefördert von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Eine Kooperation des Museum Folkwang, des Fotomuseum Winterthur, der Fotostiftung Schweiz und des Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano.

Besucherinformationen

Museum Folkwang
Museumsplatz 1, D-45128 Essen
Navigationsinformation: Bismarckstraße 60
Tel +49 (0)201 8845 000

Ausstellungsdauer: bis zum 14. Januar 2018
Öffnungszeiten: Di, Mi 10–18 Uhr | Do, Fr 10–20 Uhr | Sa, So u. Feiertage 10–18 Uhr
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 5 Euro

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Museum Folkwang.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Balthasar Burkhard


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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