Rezension: Haje Jan Kamps. Die Regeln der Fotografie … und wann man sie brechen sollte

Die Regeln der Fotografie ... und wann man sie brechen sollte Book Cover Die Regeln der Fotografie ... und wann man sie brechen sollte
Haje Jan Kamps
Bildgestaltung
dpunkt.verlag
30. Oktober 2017
Softcover
192

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Kann helfen, sich von Ballast zu befreien

Der Klappentext weist Haje Jan Kamps als technologiebegeisterten Fotografen aus. 1981 in den Niederlanden geboren, wuchs Kamps in Norwegen und England auf. Er lebt und arbeitet heute in San Francisco. Kamps gilt als Erfinder von Triggertrap, einer Software, die sowohl in externen Geräten als auch als Smartphone-App vertreiben wird und die in der Lage ist, Kameras über Licht- und Soundsignale zu steuern. Er ist Autor zahlreicher Bücher zur Fotografie und betreibt Websites sowie Accounts auf Instagram und Flickr.

„Die Regeln der Fotografie und wann man sie brechen sollte“ ist ein cooles Buch. Mattschwarzes Softcover mit großer Typographie auf dem Titel. Der „gute“ Teil des Titels ist in weißer, reiner Schrift gehalten, der „böse“ Teil dagegen in teuflischem Rot. Papierqualität und Bindung sind perfekt, das Layout verwendet abwechselnd weiße und schwarze Hintergründe, Anordnung und Zusammenstellung der Seiten sind frech, variabel, laut und eine optisch insgesamt stimmige Interpretation des Titels. Das Buch macht sich gut als Provokation auf dem Coffee-Table. Kaum einer wird die Finger davon lassen können.

Der Inhalt

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis trägt dazu bei, den doch etwas reißerischen Titel des Buches mit Gehalt zu versehen. Worum geht es in diesem Buch?

Die Kapitel des Buches sind:

  1. Einführung
  2. Belichtung
  3. Komposition
  4. Kompositionstechniken
  5. Fotografische Konzepte
  6. Licht
  7. Die digitale Dunkelkammer
  8. Anhang

Jedes dieser Kapitel besteht aus mindestens 10 Untertiteln, die einzelne Aspekte des Überbegriffs beleuchten. Das Konzept des Buches ist so einfach wie genial: jedem „Regel“-Unterthema wird sofort ein „Regelbruch“-Pendant gegenüber gestellt.

Bei Belichtung heißt eines dieser Paare zum Beispiel: „Regel: niedrige ISO verwenden – Regelbruch: mit hoher ISO aufnehmen“. Im Kapitel „Fotografische Konzepte“ gibt es die Paarung „Regel: Verwenden Sie immer ein Stativ – Regelbruch: Freihändig arbeiten“. Und die digitale Dunkelkammer befasst sich unter anderem mit der „Regel: Fotografieren Sie immer in RAW“ und dem „Regelbruch: Nicht in RAW aufnehmen“.

Diese Strategie des Buches macht Spaß und erleichtert sowohl den Leser als auch den Fotografen. Denn sie verdeutlicht gekonnt, dass in der Fotografie vieles möglich und nichts verboten ist. Der Autor relativiert dann auch im Nachwort in einer Widmung an seine Eltern, dass es ihm nicht darum geht, Regeln zu missachten, sondern vielmehr darum, neue Regeln aufzustellen, wenn die vorhandenen nicht genügen.

Natürlich ist dieses Regel vs. Regelbrechen ein mit zwinkerndem Auge vorgetragener Spaß und nicht ganz ernst gemeint. Denn auch Haje Jan Kamps weiß natürlich, dass unterschiedliche Fotomotive auch unterschiedliche Techniken erfordern. Bei der Paarung „Regel: Bewegung einfrieren durch kurze Belichtung – Regelbruch: Alles fließen lassen“ spricht beispielsweise das Motiv eines in der Luft eingefrorenen Skateboarders für die Einhaltung der Regel, während ein Mitzieher des fahrenden Rollers natürlich nur durch den Regelbruch realisierbar ist. Das Motiv bestimmt die Regel.

Dieser Grundsatz gilt grundsätzlich für alle Regel-Paare: Es sind immer genau passende Fotos, die sowohl die Regel als auch ihren vermeintlichen Bruch rechtfertigen. Ein gelungener Trick, um die Möglichkeiten bestimmter technischer Komponenten wie Belichtung, Verschlusszeit oder Kameraausrichtung zu demonstrieren. Hier sind wir dann auch beim großen Plus des Buches angekommen: es ist die unkonventionelle, lockere Art, mit der hier Themen behandelt werden, visualisiert durch erstklassige Fotos zu den jeweiligen Themen.

Für wen ist dieses Buch geeignet?

  • Für Fotografen, die sich von dem (selbstauferlegten) Korsett klassischer Regeln befreien möchten.
  • Für Freunde unkonventioneller Ratgeber.
  • Für alle, die das Thema Fotografie ernst nehmen und sich weiterentwickeln möchten.
  • Für alle, die das Thema Fotografie nicht bierernst nehmen und Spaß beim Lernen haben möchten.

Fazit

Haje Jan Kamps gelingt es mit seinem Buch, neugierig zu machen. Vor allem Neueinsteigern in die Fotografie, die einen Packen an Regelwerk und vermeintlichen Richtlinien mit sich herumschleppen, wird dieses Buch dabei helfen, sich von Ballast zu befreien. Denn erst die Kenntnis der Regeln erlaubt es uns, diese zu brechen und einen individuellen Stil zu entwickeln. Dieses Buch kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten. 5 Sterne.

Die Daten

Haje Jan Kamps. Die Regeln der Fotografie … und wann man sie brechen sollte erschien am 30. Oktober 2017 im dpunkt.verlag. 192 Seiten, broschiert, 19,5 x 1,5 x 25,9 cm.
ISBN: 978-3-86490-484-4
Preis: 24,90 Euro

Hier geht es zur Leseprobe.

Rezension: Gerhard Reininger

Unsere Bewertung:
5 Sterne

 

Die Regeln der Fotografie: … und wann man sie brechen sollte (Taschenbuch)


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Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen
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Haje Jan Kamps. Die Regeln der Fotografie ... und wann man sie brechen sollte, dpunkt.verlag
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