Konrad Helbig. Am Mittelmeer

Fotografische Erkundungen 1954-1985

Für Konrad Helbig war Sizilien ein Sehnsuchtsort. Ausgehend von der Insel richtete er seinen Blick und sein Objektiv auf antike Architekturen, Skulpturen und Artefakte, auf mittelalterliche Kathedralen und barocke Prunkbauten im Mittelmeerraum ebenso wie auf die mediterranen Landschaften und die Menschen, die inmitten von Spuren vergangener Größe lebten und arbeiteten. Diese Aufnahmen sind der Kern seines fotografischen Schaffens.

Das LVR-LandesMuseum Bonn zeigt die Fotoausstellung noch bis zum 10. Juni 2018 in seiner Reihe Aus den Archiven in Kooperation mit der Deutschen Fotothek und der Stiftung F.C. Gundlach.

Die Kombination von formaler Dokumentation und subjektivem Blick macht die Fotografien von Konrad Helbig zu eigenständigen Werken, die in ihrer wiedererkennbaren Bildsprache weit über bloße Ab-Bildungen hinausreichen.

Als Fotograf und Kunsthistoriker bewegte er sich seit 1954 auf Sizilien und auf dem italienischen Festland, in der Türkei und auf den griechischen Inseln systematisch auf den Spuren der Antike durch die verschiedenen Kulturlandschaften.

„Edle Einfalt und stille Größe“, diese von Winckelmann Mitte des 18. Jahrhunderts für die klassische Schönheit der griechischen Skulptur und Architektur beschriebene Ästhetik war ihm Wegweiser durch eine von antiken Kulturen geprägte Landschaft.

Monatelang reiste er von archäologischer Stätte zu archäologischer Stätte und von Museum zu Museum, in hunderten erfolgreichen Diavorträgen vermittelte der mitreißende Redner anschließend seine Eindrücke von der „Magie des Südens“ in den Hörsälen und Kulturzentren des Nordens.

Im Kraftfeld der Vulkane. Stromboli – Vulcano – Lipari“, „Huldigungen eines Nordländers an die Wunderwelt des tiefen Südens“ oder „Sizilien – Geschichte, Kunst und Lebenswirklichkeit eines Inselreiches“ betitelt er seine Vorträge.

Wie viele Fotografen der 50er und 60er Jahre arbeitete er mit zwei Kameras parallel in Schwarzweiß und in Farbe. Die Ausstellung fokussiert vor allem Helbigs Blick auf die Gegenwart, die er stets mit den Augen der Kunst betrachtete, und zeigt erstmals auch seine kaum bekannten Coloraufnahmen.

„Konrad Helbigs […] Bilderfolge wird zu einem sprechenden Mosaik Siziliens, der Mitte des Mittelmeeres, in dem Abendland und Morgenland — Hellas, Rom, Arabien, Byzanz — Christentum und Heidentum zusammentreffen.“ heißt es im Ulmer Monatsspiegel im Oktober 1962.

Seine „Erfahrungen mit Land und Leuten, die Einsichten in die historischen, kulturellen und sozialen Zusammenhänge und eine ansehnliche Fracht anschaulichen Bildmaterials“ werden als hervorragende Qualitäten des Fotografen hervorgehoben, der in seinen Vorträgen oft als der z.Z. lebende beste Kenner Siziliens angekündigt wurde.

Seit Helbigs Aufenthalten in Sizilien haben sich die Landschaften und vor allem die Lebenswirklichkeit ihrer Bewohner jedoch fundamental verändert, so dass Helbigs Fotografien ihrerseits als Zeugnisse einer vergangenen vorindustriellen Epoche erscheinen, die wir heute nicht weniger idealisierend und sehnsuchtsvoll als arkadisch zu betrachten geneigt sind.

Über Konrad Helbig

Fotograf, Autor und Vortragsreisender. Helbig, 1917 als Karl Heinz Hönig in Leipzig geboren, war zunächst im Verlagswesen tätig, nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft 1950-1954 Studium der Kunstgeschichte und Germanistik in Frankfurt/Main, es folgen Fotokampagnen auf Reisen in den Mittelmeerraum und erste Publikationen, ab Ende der 1950er Jahre Beginn der Vortragstätigkeit. Helbig stirbt 1986 in Mainz.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation in Form einer 56seitigen Begleitbroschüre.
ISBN: 978-3-9818659-3-6
Museumsausgabe: 9,80 Euro.

Informationen zu der Reihe „Aus den Archiven“

In Kooperation mit der Deutschen Fotothek und der Stiftung F.C. Gundlach ist die Ausstellungsreihe „Aus den Archiven“ entstanden, die jährlich hervorragende Fotografien und fotografische Positionen aus den umfangreichen Fotodepots der drei beteiligten Häuser zeigt. Die Reihe startete 2015 mit der Ausstellung „1945. Köln und Dresden. Fotografien von Hermann Claasen und Richard Peter“, die weithin positiv aufgenommen wurde und anschließend im Stadtmuseum Dresden gezeigt werden konnte. 2016 folgte die Präsentation „Das große Color-Praktikum. Wolfgang G. Schröter“.

Kooperation mit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur

Als „Schaufenster“ in den Bestand der Kölner Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, mit der das LVR-LandesMuseum Bonn ebenfalls zukünftig kooperiert, werden Portraitfotografien von Francesco Neri aus Norditalien vorgestellt.

Besucherinformationen

LVR-LandesMuseum Bonn
Rheinisches Landesmuseum für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte
Colmantstraße 14-16, D-53115 Bonn
Tel +49 (0)228 2070-351

Ausstellungsdauer: bis 10. Juni 2018
Öffnungszeiten: Di bis Fr und So: 11-18 Uhr | Sa 13-18 Uhr
Eintritt: 8 €, ermäßigt 6 €, bis 18 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von LVR-LandesMuseum Bonn.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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