Rezension: Winfried Seimert. Affinity Photo

Affinity Photo: Praxiswissen für Einsteiger Book Cover Affinity Photo: Praxiswissen für Einsteiger
mitp Anwendungen
Winfried Seimert
Bildbearbeitung
mitp Verlag
30. Januar 2018
Softcover
336

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Für Einsteiger das perfekte Handbuch zur Software

Es klingelt an der Tür, der Postbote bringt ein kleines Päckchen. Ich vermutete schon, es würde das Einsteigerbuch für Affinity Photo enthalten, und ich hatte recht. Erster Eindruck: Müffelt ein wenig. Gut, kommt auch frisch aus der Druckerei, der strenge Geruch wird sich verlieren.

Wichtiger: Paperback in sehr handlichem Format, 335 Seiten. Kein „Prachtdruck“ wie beim Affinity Photo WorkBook, eher schlicht auf mattem typischen Taschenbuchpapier, was den Farbbildern die Brillanz nimmt. Dazu kommt: Screenshots sind nur ganz selten über die volle Seitenbreite gedruckt. Warum ich das extra erwähne? Es ist zwar bei den meisten Screenshots ziemlich egal – aber eben nur bei den meisten. Dort, wo komplette Bildschirmansichten mit Werkzeug-Icons gezeigt werden, sind entweder Phantasie oder – besser – eine Lupe gefragt. Menüs und die meisten Bildschirmtexte sind hingegen ausreichend gut lesbar.

Diesmal werde ich dich enttäuschen müssen. Denn das war‘s diesmal schon mit Meckern. Sonst gibt es an diesem Buch aus meiner Sicht kaum etwas zu verbessern.

Zum Inhalt

Der entspricht – welch Überraschung – dem Buchtitel. Dieses Buch ist tatsächlich die fast perfekte Einstiegshilfe in die doch recht komplexe Bildbearbeitungssoftware von Affinity. Vom ersten Programmstart weg, eigentlich beginnt Autor Winfried Seimert bereits bei den Voraussetzungen und der Testversion. Sogar die Hilfefunktion wird beschrieben, die Tastenkombinationen sowieso. Also auch ein Werk zum Nachschlagen.

Sein „Praxiswissen für Einsteiger“ wirkt, als hätte Winfried Seimert den Auftrag gehabt, ein Handbuch zur Software zu schreiben. Und was besonders schön ist: Dieses „Handbuch“ kommt von einem Bildbearbeitungs-Praktiker, nicht von Programmierern, die dir nur erzählen, dass du den Regler X auf Position Y schieben sollst, dir aber verschweigen, was dann warum passiert. Hier arbeitest du schon wegen der Benutzerführung mit deinen eigenen Bilddateien. Also schon fast „Instant-Resultate“. Ein breites Grinsen schleicht sich in mein Gesicht.

Nimm dir Zeit beim Durcharbeiten, es lohnt sich!

Die Kapitelaufteilung

Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert, die logisch von den ersten Mausbewegungen bis zu bereits recht fortgeschrittenen Arbeitsschritten wie Spezialeffekten, Bildrestauration, Schönheitsretusche und mehr führen. Erst im achten Kapitel befasst sich der Autor mit den Einstellungen und mit Feinheiten wie Makros, Stapelverarbeitung etc.

Blöd? Nein, sehr geschickt. Jeder Einsteiger will zuerst Resultate – lange bevor er bereit ist, sich mit den (essentiellen) Details wie perfekten Einstellungen zu befassen. Das wollen die meisten Fotokünstler erst, wenn es darum geht, die Resultate zu perfektionieren. Dann wird über Farbprofile nachgedacht (und nachgelesen). Aber eben erst dann, ein wenig spät. Aber macht nichts, ich kenne das von meinen Workshops. Die erste Frage lautet – nur so ein Beispiel von vielen – nicht „Wie komme ich zu einer perfekten Belichtung des Bildes?“, sondern “Wie bekomme ich das Bild klarer?“ So gesehen halte ich die Kapitelreihenfolge für sehr geschickt. Und jeder, der ein Inhaltsverzeichnis lesen kann, wird imstande sein, sich bei Bedarf und um spätere Doppelarbeit zu vermeiden, seine Arbeitsumgebung frühzeitig zu perfektionieren.

Sehr schön ist diese Philosophie z.B. im Kapitel 6, „Optimal: Bilder im rechten Licht“ zu sehen. Zuerst zeigt dir der Autor die Schaltflächen für eine schnelle bzw. automatische Optimierung deiner Bilder. „Klick und fertig“ sozusagen. Unmittelbar danach allerdings macht er dich darauf aufmerksam, dass du mit wenig mehr Aufwand viel bessere Resultate erzielen könntest. Zuerst analysieren, dann bearbeiten. Und er erwähnt, fast nebenbei, wie ein Monitor schnell und einfach kalibriert werden kann. Dann führt er dich durch die wundersame Welt des Histogramms.

Ich ergänze: Mit Histogrammen und ein wenig Erfahrung könntest du ein Bild sogar auf einem schlecht eingestellten oder sogar auf einem SW-Monitor perfekt optimieren.

Und bei der Erklärung des Histogramms zeigt sich, dass Theorie bei aller Sachlichkeit nicht immer staubtrocken sein muss: Anleitungen werden mit Hintergrundinformationen, Tipps und Hinweisen für eine erfolgreiche und konfliktfreie Optimierung schmackhaft garniert. Ja, so muss das sein!

Zwei weitere Beispiele für die Art, in der der Autor Arbeitsweisen und Werkzeuge erklärt, möchte ich hier zeigen. Sie stammen aus ganz verschiedenen Bereichen des Buches:

Kapitel 4.4. Auswahlbereiche bearbeiten

Kapitel 8.1 Persona(lien)

Der Text ist verständlich und wird unterstützt mit Bilddarstellung und nützlichen Tipps. So hätte ich das gerne auch bei anderen Anleitungen.

Ein paar Kleinigkeiten

Als aufmerksamer Leser wird dir zu Beginn des Reviews vielleicht aufgefallen sein, dass ich meinte, es gäbe an diesem Buch aus meiner Sicht kaum etwas zu verbessern. Tatsächlich sind mir als i-Tüpferl-Reiter ein paar Kleinigkeiten aufgefallen:

  • Dem Freistellen werden einige, nicht miteinander verbundene Absätze gewidmet. Dass diese nicht miteinander verbunden sind, ist in Ordnung, denn die verschiedenen Methoden gehören zu teilweise sehr verschiedenen Bearbeitungsbereichen. Aber Kreuzverweise (auf die jeweils anderen Hinweise) hätte ich gerne gesehen.
  • Die Vorgehensweise bei Stapelverarbeitung ist korrekt angegeben. Was mir fehlt, ist allerdings der Hinweis auf die – für mich sehr eigenwillige – Abarbeitung, die Affinity Photo vornimmt.
    Es ist nämlich so, dass Affinity Photo alle in einem Stapel zu verarbeitenden Bilder vor der Verarbeitung in den Speicher lädt, was bei entsprechend großer Anzahl schon mal so lange dauern kann, dass du meinst, das Programm wäre abgestürzt. Bei der effektiven Abarbeitung nach dem Ladevorgang ist das dann noch um ein paar Klassen schlimmer: Da kommt es bei (in einem meiner Testfälle) 139 relativ großen TIFFs schon mal zu völliger Reaktionslosigkeit des Programms. Nein, es stürzt nicht ab, es tut aber verdammt realistisch so. (Details werde ich dann im Software-Review beschreiben). Darauf sollte man gefasst sein, ein Warnhinweis wäre gut.

Das war’s aber jetzt wirklich.

Fazit

Für Einsteiger das perfekte Handbuch zur Software. Gute Anleitung mit verständlichen Erläuterungen des Hintergrunds und praxisorientierten Tipps. Bei einem Preis von knapp 25 Euro ist auch der preiswerte Druck völlig in Ordnung. Volle fünf Sterne von mir.

Die Daten

Winfried Seimert. Affinity Photo. Praxiswissen für Einsteiger erschien am 30. Januar 2018 im mitp-Verlag. 1. Auflage 2018, Softcover, 336 Seiten, 14,9 x 2,2 x 20,8 cm. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN  978-3958457393
Preis Buch 24,99 Euro | E-Book 21,99 Euro
Hier geht es zur Leseprobe.

Rezension: Ernst Weinzettl

Unsere Bewertung:

Affinity Photo: Praxiswissen für Einsteiger (mitp Anwendungen) (Broschiert)


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Winfried Seimert. Affinity Photo - Praxiswissen für Einsteiger, mitp Verlag
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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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