Kategoriesieger Wildlife Photographer of the Year disqualifiziert

Bild zeigt kein lebendes, sondern ein präpariertes Tier

The Night Raider von Marcio Cabral

Das Natural History Museum in London, Ausrichter des renommierten Fotowettbewerbs Wildlife Photographer of the Year, gab die Disqualifikation des Bildes The Night Raider von Fotograf Marcio Cabral bekannt. Die Fotografie eines Ameisenbären war ursprünglich als Sieger in der Kategorie „Tiere in ihrer natürlichen Umgebung“ ausgezeichnet worden.

Dem Museum wurde von Dritten nachgewiesen, dass es sich bei dem Tier in der ausgezeichneten Fotografie höchstwahrscheinlich um eine Präparation handelt. Das Museum veranlasste eine  gründlichen Untersuchung, die etwas über drei Wochen dauerte. Danach deuten die vorliegenden Beweise darauf hin, dass diese Behauptung wahr ist. Infolgedessen glaubt das Museum, dass das Bild die Wettbewerbsregeln verletzt. Die Regeln legen klar fest, dass „Beiträge den Betrachter nicht täuschen oder versuchen dürfen, die Realität der Natur falsch darzustellen“.

Das Natural History Museum ist eine weltweit führende wissenschaftliche Forschungseinrichtung. Das Team der an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftler bestand aus zwei Säugetierexperten und einem Präparatorenspezialisten im Museum sowie zwei externen Experten, einem südamerikanischen Säugetierexperten und einem sachverständigen Ameisenbärforscher. Untersucht wurden hoch auflösende Fotografien eines präparierten Ameisenbären, der in der Sammlung des Besucherzentrums am Portão do Bandeira-Tor, einem der Eingänge des Emas-Nationalparks, ausgestellt ist. Die ist der Park, in dem The Night Raider aufgenommen worden sein soll.

Der Ameisenbär im prämierten Bild wurde mit dem präparierten Ameisenbären verglichen. Die fünf Wissenschaftler, die unabhängig voneinander arbeiteten, kamen alle zu der gleichen Schlussfolgerung: es gibt zu viele übereinstimmende Elemente in der Gesamthaltung, der Morphologie, der Position von Fellbüscheln und der zu ähnlichen Musterungen am Hals und am Kopf, als dass es sich um zwei verschiedene Tiere handeln könnte. Die Experten hätten eine gewisse Variation zwischen zwei Individuen derselben Spezies erwartet.

Das Museum berücksichtigte auch die Erläuterungen von Fotograf Marcio Cabral, der bei der Untersuchung mitarbeitete und RAW-Bilddateien zur Verfügung stellte, von denen er behauptet, dass sie vor und nach der Siegeraufnahme aufgenommen wurden. Keine davon zeigt den Ameisenbär. Herr Cabral hat eine Erklärung geliefert, warum er keine anderen Bilder des Ameisenbären hatte. Er benannte auch einen Zeugen, der behauptet, er habe den lebenden Ameisenbären gesehen. Herr Cabral bestreitet vehement, dass der Ameisenbär im Bild ein präpariertes Tier ist.

Die Wettbewerbsregeln legen eindeutig fest, dass Fotografien, die durch unethische Praktiken erzielt werden, disqualifiziert werden. Die Wettbewerbsregeln stehen allen Teilnehmern zur Verfügung, einschließlich Versionen, die in mehrere Sprachen übersetzt sind, einschließlich brasilianisches Portugiesisch. Wildlife Photographer of the Year ist der weltweit renommierteste Fotowettbewerb seiner Art und jede Übertretung der Wettbewerbsregeln wird sehr ernst genommen. Das Bild wird daher aus der Ausstellung und Tour entfernt. Marcio Cabral ist für den Fotowettbewerb künftig gesperrt.

via: Pressemitteilung des Natural History Museum

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Anja Hoenen