4. bis 27. Mai 2018: Die 22. Bieler Fototage

«Happy» : Das Glück im Zentrum

Die 22. Bieler Fototage öffnen am 4. Mai 2018 ihre Tore. 23 Ausstellungen (davon 16 Schweizer oder Weltpremieren), 10 Länder und 19 Künstlerinnen und Künstler widmen sich einer brennenden Frage: Gibt es das Glück? Falls ja, wie kann es dargestellt werden? Ist es greif- und messbar? Die ehrlichen, ironischen oder durch und durch sarkastischen Werke, die gezeigt werden, zeigen das Beste der aufstrebenden Schweizer und internationalen Fotografie.

Die neue Direktorin Sarah Girard, die für diese 22. Auflage verantwortlich zeichnet, möchte Beziehun­gen knüpfen zwischen den verschiedenen Akteuren aus der Welt der Fotografie, Kunst und der Wissenschaften und zwischen verschiedenen Disziplinen. «Die Herausforderung wird künftig darin bestehen, das Medium Fotografie in Interaktion zu setzen mit anderen Bereichen, damit alle ihren eigenen Umgang mit «dem Bild» überdenken», führt sie aus.

10 Länder und 19 Künstlerinnen und Künstler vielfältiger Herkunft – für das Beste der aufstrebenden Fotografie

Frankreich, Belgien, Holland, Deutschland, USA, Polen, Kroatien, Grossbritannien, Russland und Schweiz: Die 19 Künstlerinnen und Künstler der Festivalausgabe 2018 haben einen unterschiedlichen Hintergrund und tragen vielfältige Einflüsse in sich. Die Bieler Fototage bleiben ihrer Linie treu und haben das Gebiet eingehend erkundet, um die vielversprechendsten aufstrebenden Künstlerinnen und Künstler in die zweisprachige Stadt zu bringen.

Fruchtbare Zusammenarbeiten

Das Festival vervielfacht 2018 die Zusammenarbeiten und die Partnerschaften.

Das Photoforum Pasquart zeigt eine eigene Ausstellung, Sedimente des Glücks, und der Künstler Julien Heiman präsentiert In-between, Ergebnis der Workshops, die er mit den Schülerinnen und Schülern der HEP BEJUNE durchgeführt hat.

Die Schule für Gestaltung Bern und Biel stellt Arbeiten von Studierenden der Grafikberufsklasse im 2. Jahr vor, die sich mit dem Thema der diesjährigen Ausgabe auseinandergesetzt haben.

Die Schule richtet zudem die Workshops Photographing Virtual Spaces aus, die in Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur im Rahmen von dessen Programm SITUATIONS organisiert werden.

Die Ergebnisse dieser Workshops werden im Rahmen des Festivals ebenfalls gezeigt.

Zum zweiten Jahr in Folge hat der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissen­schaftlichen Forschung (SNF) den SNF-Wettbewerb für wissenschaftliche Bilder lanciert.

Die Preisträger, die am 24. April verkündet wurden, werden am Festival ausgestellt.

Anlässe für jeden Geschmack

Während des Festivals finden zahlreiche Anlässe für das gesamte Spektrum des Publikums statt, die dazu einladen, sich mit dem Thema Glück auseinanderzusetzen. Für die Vernissage vom Freitag, 4. Mai hat Sarah Girard das Théâtre Am Stram Gram mit seinen «Theaterschirmen» eingeladen, die in den Ausstellungen intime Räume zur Frage nach dem Glück eröffnen werden. Eingeladen hat sie auch die Autorin Laure Mi Hyun Croset, mit der sie eine Intervention vorbereitet hat, die vor Ort zu entdecken und zu verfolgen sein wird. Die Grundsteine sind gelegt für eine Veranstaltung, die sich künftig für neue Synergien öffnen und als Laboratorium der zeitgenössischen Fotografie positionieren wird.

Neben dem Strassentheater werden dieses Jahr auch die Soziologie und Geschichte der Fotografie zu ihrem Recht kommen, dies im Rahmen von zwei Konferenzen (Fotografie und Soziologie: verflochtene Geschichten & Panorama der Dokumentarfotografie vom 19. bis zum 21. Jahrhundert). Das Festival schliesst mit der Eröffnung neuer Perspektiven und fordert das Publikum dazu auf, sich an den Überlegungen zur Zukunft der Kulturvermittlung im Rahmen des Festivals zu beteiligen, der Anlass wird in Zusammenarbeit mit Kuverum 10 organisiert.

Das Glück bei sich zuhause?

Zurückerobert, eingefordert oder wiederentdeckt: Das geographische Territorium kann ein starkes Zeichen der Zugehörigkeit und der Identität darstellen. So hat Thomas Brasey den Jura durchstreift auf den Spuren des Kampfes, den seine Bewohner geführt haben. Er zeichnet in LIBRE (Weltpremiere) ein paar markante Aktionen nach.

Jaromir Kreiliger seinerseits zeigt kraftvolle Bilder aus dem Graubünden, dem Kanton, in dem er geboren wurde (Amicezia). Tymon Markowski hat die Ufer des Flusses Brda erkundet, in dessen Nähe er seit Jahren wohnt, und hat dabei mit surrealistischen und wunderlichen Bildern ein Portrait der Bewohner gezeichnet (Flow, Schweizer Premiere).

David Denil erkundet eine Ukraine, die von einer glänzenden Zukunft träumt, aber gleichzeitig gefangen ist in einer belasteten Geschichte (Let Us Not Fall Asleep While Walking, Schweizer Premiere).

Das Glück in sich selbst?

Spiritualität, Erfüllung, Selbstwert, Verzeihen und Nachsicht – vielleicht ist das Glück in einem selbst zu finden, wie mehrere Arbeiten der diesjährigen Ausgabe nahelegen. Jörg Gläscher hat sich in mehreren protestantischen Gemeinschaften in verschiedenen Regionen Europas umgesehen, in denen die Ideen von Luther noch quicklebendig sind (Lutherland, Schweizer Premiere).

Elisa Larvego hält Sportler unmittelbar nach der sportlichen Betätigung fest, in einem Augenblick der Zufriedenheit oder vielleicht auch der Enttäuschung (Fotografische Ermittlung Genf).

Dialog und Austausch stehen im Zentrum der Arbeiten von Sandra Mehl und Lana Mesić. Erstere hat zwei Schwestern im Alter von 12 und 11 Jahren in ihrem privaten Bereich begleitet und dabei Momente festgehalten, in denen die beiden Heranwachsenden ihren Alltag transzendieren, während sie ihr eigenes Selbst heranbilden (Ilona und Maddelena, Schweizer Premiere). Letztere verschafft Überlebenden des Genozids in Ruanda die Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. Indem sie Überlebende und Täter zusammenbringt, stellt die Künstlerin die Frage, wie das Verzeihen gemessen werden kann, und gibt ihm ein Gesicht (Anatomy of Forgiveness, Schweizer Premiere).

Das Glück anderswo?

Die Versuchung, in anderen Breitengraden nach der Erfüllung zu suchen, kann unwiderstehlich sein. Die Arbeiten von Cassandra Klos und Lucy Ridgard illustrieren das, indem sie eine utopische Dimension einbringen. Erstere dokumentiert die Trainingslager, die für die Angewöhnung an ein Leben auf dem Mars eingerichtet wurden (Mars on Earth, Schweizer Premiere), während letztere eine Gemeinschaft von ehemaligen Ravern besucht hat, die jeden Sommer mit der ganzen Familie an den Strand zurückkehren, der die Kulisse für ihre Parties abgegeben hatte (A Secret Utopia, Weltpremiere).

Ekaterina Sevrouk stellt die bukolischen Landschaften in Österreich einsamen Silhouetten von Flüchtlingen gegenüber, die diese Landschaften bei ihrer Ankunft erblickt haben (Fremd bin ich eingezogen, Schweizer Premiere).

Thomas Kuijpers schliesslich zeigt in seinem Video De Eerste Maandag Van de Maand (Schweizer Premiere) ein zeitliches «Anderswo». In Holland ertönt jeden ersten Montag des Monats ein Alarm, der die Bürger vor einer nahenden Gefahr warnen soll. Der Alarm wird – anachronistisch – in einer seit Jahren friedlichen Umgebung ausgelöst. 2020 soll er zum letzten Mal ertönen.

Das digitale Glück?

Das Web ist zu einer gleichzeitig faszinierenden wie beunruhigenden Verlängerung der fassbaren Welt geworden. Zwei Werke der diesjährigen Ausgabe setzten sich mit diesen beiden gegensätzlichen Aspekten dieses schwindelerregenden Spiegels der Wirklichkeit auseinan­der. Constant Dullart dekonstruiert das Verständnis und den Begriff der Online-Popularität, indem er mehreren Usern von Instagram die gleiche Anzahl von «Followern» und «Likes» zuteilt (High Retention, Slow Delivery, Schweizer Premiere).

In der eisig anmutenden Arbeit Je vivrai pour toi (Weltpremiere) setzt sich Calypso Mahieu mit Facebook-Profilen von verstorbenen Personen auseinander und ist dabei auf veritable digitale Mausoleen gestoßen, die zu virtuellen Treffpunkten für die Angehörigen geworden sind.

Glück zu verkaufen?

Und was, wenn das Glück gekauft und gesammelt werden könnte? Nicolas Delaroche ist nach China und Hong Kong gereist, den wichtigsten Kunstmärkten der Welt, und hat dort 30 Privatsammlungen fotografiert. In seiner Arbeit führt er eine neue Ästhetik der Komposition ein, die der Umgebung entspricht, in der sie entstanden ist.

Dominique Wyss spielt mit der Bilderwelt der Werbungen für Reisen, Schönheitspflege und Haushaltsgeräte. In seinem Video Observing the Unknown werden die glatten und vermeintlich Sicherheit vermittelnden Darstel­lungen paradoxerweise beunruhigend und kalt.

Der Kriegsmarkt floriert, wie Nikita Teryoshin in seiner Serie Nothing Personal (Schweizer Premiere) belegt. Die Arbeit zeigt Bilder von Verkaufsanlässen für Militärmaterial, bei denen ganze Familien Kampfflugzeuge bewundern, in der Hand Snacks und Champagnergläser. Die ultimative Ware ist womöglich man selbst.

Stefanie Schroeder liefert mit 40h, max. 2 Monate (Schweizer Premiere) Hinweise darauf, indem sie Optimierungskurse von Unternehmen zeigt, die sie selbst besuchen musste, als sie arbeitslos war.

Das komplette Programm der Bieler Fototage gibt es hier.

Bilder und Text mit freundlicher Genehmigung der Bieler Fototage.

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