Rosemarie Zens. The Sea Remembers

Visuelle Reisen zu erinnerten Landschaften

Nach Stationen in Boston und Osnabrück ist die Fotoausstellung The Sea Remembers von Rosemarie Zens noch bis zum 1. Juli 2018 in der Kommunalen Galerie in Berlin zu Gast.

Jahrzehnte nach dem Kriegsende reist Rosemarie Zens das erste Mal in ihren Geburtsort im heutigen Polen, den sie, wie viele andere Flüchtlinge, 1945 als Kleinstkind mit ihrer Mutter verlassen musste. Sie begibt sich auf eine Spurensuche an den Ursprung ihres Lebens, eine Suche nach der Bedeutung von Herkunft und Gedächtnisspuren, den ersten prägenden Erinnerungen.

Mit der Kamera hält sie fest, was ihre Aufmerksamkeit erregt: die Weite der Wiesen, die Wege ins Unbekannte, nächtliche Schattenumrisse. Entrückte, geheimnisvolle Landschaftsaufnahmen vermischen sich mit Bildern aus dem Familienarchiv und verschränken bruchstückhafte Erinnerungen mit Bilderfindungen.

Rosemarie Zens arbeitete als Lehrerin, Psychotherapeutin und Schriftstellerin, bevor sie anfing, freie Projekte zu fotografieren.

Dieser Hintergrund ist in all ihren Werken zu erkennen.

In ihrer Arbeit The Sea Remembers geht die Künstlerin der Beziehung zu den blinden Flecken der frühen Kindheit nach, die nur schwer an konkreten Orten festzumachen sind.

So werden die Häuser im Nebel, die vereisten Wiesen oder die hohlen Waldwege zu inneren Landschaften, die sich mit den Fotografien aus dem Familienarchiv zu nichtlinearen Erzählsträngen rhythmisch verweben. Dabei bleibt vor allem eines: offene Bildwerke, die dem Betrachter erlauben, entfernte Seelenzustände nachzuempfinden und mit eigenen Erfahrungen zu verbinden.

„Es heißt, es gäbe ein Zellgedächtnis, das Zellwasser sei aufgeladen mit vielsagenden Kräften. Ausgemessen und kartographiert sollen darin weit zurückliegende Gedächtnisspuren aufgehoben sein, die sich erneut den Weg zu körperlich Erlebtem suchen. Unser Ursprungsort jedoch entzieht sich uns, wenn wir ihn auf einen Punkt bringen wollen. Dann verwandelt er sich wie das Meer, das nichts erfindet, aber verschiedene Formen annimmt. So wie unser Bewusstsein und Gedächtnis danach streben, sich ständig zu vergewissern durch Erinnerungen sich neu zu orientieren, um vorläufig eine Ordnung der Dinge und Bilder zu schaffen“, schreibt Rosemarie Zens in ihrem Essay in dem die Ausstellung begleitenden Buch.

Besucherinformationen

Kommunale Galerie Berlin
Hohenzollerndamm 176, D-10713 Berlin

Ausstellungsdauer: bis 1. Juli 2018
Öffnungszeiten: Di bis Fr 10-17 Uhr, Mi 10-19 Uhr, So 11-17 Uhr
Eintritt: frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Kommunale Galerie Berlin.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

The Sea Remembers (Taschenbuch)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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