RAY 2018: EXTREME.TERRITORIES

Über menschengemachte Spuren in der Landschaft

Die Deutsche Börse Photography Foundation zeigt noch bis zum 28. September 2018 in der Unternehmenszentrale der Deutschen Börse, The Cube, in Eschborn EXTREME.TERRITORIES. Die Ausstellung ist Teil der Fotografietriennale RAY 2018 in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet. In diesem Rahmen präsentieren über 15 RAY 2018 Partnerprojekte eigens kuratierte Ausstellungen und erfassen das diesjährige Thema EXTREME aus vielschichtigen Perspektiven in der zeitgenössischen Fotografie.

EXTREME. TERRITORIES beschäftigt sich mit Gebieten, deren Bewohner durch politische und wirtschaftliche Entwicklungen außergewöhnlichen Bedingungen ausgesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die in der Landschaft hinterlassenen Spuren und Verschiebungen, die Zeugnis ablegen von Entwurzelung, Abgrenzung und Entfremdung. Sie entstehen durch politische Konflikte und Umwälzungen ebenso wie durch die Auswüchse von rasantem wirtschaftlichem Wachstum. Gezeigt werden Arbeiten von Christoph Bangert, Anne Heinlein und Göran Gnaudschun, Sze Tsung Nicolás Leong, Gregor Sailer und Guy Tillim.

Christoph Bangert (*1978 DE) setzt sich in Hello Camel mit den extremen und bisweilen skurrilen Lebensbedingungen im Krieg auseinander. Er zeigt, wie Soldaten aus den USA, Großbritannien und Deutschland, die in Kriegsgebieten im Irak und Afghanistan stationiert sind, dort im Chaos des Krieges um ein Stück Normalität ringen.

Das Projekt Wüstungen von Anne Heinlein (*1977 DE) und Göran Gnaudschun (*1971 DE) zeigt Fotografien und Archivmaterial aus den geschleiften Grenzgebieten in der ehemaligen DDR. Dort wurde alles dem Erdboden gleichgemacht, was dem Schussfeld der Grenzpolizisten im Wege stand. Wüstungen reflektiert die weitreichenden und dramatischen Folgen, die die Errichtung und Bewachung der innerdeutschen Grenze für viele Menschen in der ehemaligen DDR mit sich brachte. Für viele von ihnen bedeutete sie den Verlust von Haus, Hof und Heimat.

Die Arbeiten von Sze Tsung Nicolás Leong (*1970 MX/GB/US) aus der Serie History Images beschäftigen sich mit den rasanten und radikalen architektonischen Veränderungen des urbanen Raums in chinesischen Großstädten. Das dortige Wirtschaftswachstum sowie das Streben nach westlicher Lebensqualität führen zur Auslöschung ganzer Stadtteile, die durch gleichförmige schnell erbaute Hochhaussiedlungen ersetzt werden. Ärmere und ältere Menschen werden aus den Städten gedrängt, die somit ihre Geschichte und ihr Gedächtnis verlieren.

Für seine Serie Closed Cities spürte Gregor Sailer (*1980 AT) verborgene und hermetisch von der Außenwelt abgeschottete Städte in unterschiedlichen Regionen der Welt auf. Diese für einen begrenzten Zeitraum künstlich angelegten urbanen Zonen werden sowohl für den Abbau von Rohstoffen, militärische Übungen oder die Unterbringung von Flüchtlingen geschaffen. Sailer hinterfragt hiermit aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und verweist auf ihre Auswirkungen auf Landschaftsgestaltung und Architektur. Diese Betrachtungen führt er in seinem aktuellen Projekt The Potemkin Village fort, welches der Idee von schnell hochgezogenen Attrappen folgt und ihn zu den erstaunlichsten Kulissen und Kopien geführt hat.

Guy Tillim (*1962 ZA) hat seine Fotografien von Straßenzügen und Gebäuden in afrikanischen Großstädten Avenue Patrice Lumumba nach dem ersten Premierminister des unabhängigen Kongo benannt. Auf den ersten Blick erscheinen die dort abgebildeten postkolonialen Bauwerke wie morbide architektonische Relikte von gescheiterten Utopien. Doch Tillim selbst nennt sie „Avenuen der Träume“, deren Monumente die Visionen von politischer Befreiung ebenso in sich tragen wie deren Scheitern.

Die Deutsche Börse Photography Foundation ist Ausstellungspartner und Förderer von RAY 2018 sowie einer der Hauptförderer des RAY Partnerprojektes Foam Talents, das bis zum 26. August im Frankfurter Kunstverein gezeigt wird. Im Rahmen von RAY 2018 – PLUS zeigt das MMK 3 des MMK Museum für Moderne Kunst 22. Juni bis 9. September 2018 die Ausstellung des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018.

Alle Informationen und weitere Ausstellungen von RAY 2018 finden Sie auf www.ray2018.de.

Besucherinformationen

Deutsche Börse Photography Foundation
The Cube
Mergenthaleralle 61, D-65760 Eschborn

Ausstellungsdauer: bis 28. September 2018
Öffnungszeiten: Die Ausstellung kann nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. 
Termine für Führungen: nach Voranmeldung am 15.6., 18:00 Uhr; 25.6., 18:30 Uhr; 6.7., 18:00 Uhr; 31.7., 18:00 Uhr; 16.8., 18:30 Uhr, 29.8., 18:00 Uhr, 12.9., 18:30 und 20.9. 18:00 Uhr.  Weitere Termine für Gruppen sind nach Absprache möglich.
Anmeldung für Führungen: Online unter diesem Link 
Eintritt: frei!

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Deutsche Börse Photography Foundation.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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