RAY 2018: Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018

Die Werke der vier Finalisten im MMK Frankfurt

Im Rahmen von RAY 2018 Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain zeigt das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt noch bis zum 9. September 2018 die Ausstellung der Finalisten des Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018: Mathieu Asselin, Rafal Milach, Batia Suter und Luke Willis Thompson.

Die mit 30.000 £ dotierte Auszeichnung wurde am 17. Mai 2018 in der Photographers‘ Gallery in London an den neuseeländischen Künstler Luke Willis Thompson für die Filminstallation autoportrait verliehen.

Als einer der renommiertesten Fotografie-Preise, der jährlich an einen zeitgenössischen Künstler vergeben wird, zeigt der Deutsche Börse Photography Foundation Prize wegweisende Tendenzen der Fotografie auf. Er präsentiert Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die die aktuelle internationale Fotografieszene prägen. Die Arbeiten der diesjährigen Finalisten hinterfragen mit unterschiedlichen stilistischen Ansätzen und visuellen Formaten in kritischer Weise die Produktion und Manipulation von Wissen und politischen Systemen.

Rafal Milach

Rafal Milach (* 1978, Polen) wurde für seine Ausstellung Refusal in der Atlas Sztuki Gallery, Lodz, Polen, im vergangenen Jahr nominiert. Milachs fotografische Projekte thematisieren Systeme staatlicher Kontrolle und die ideologische Manipulation von Einstellungen und Bewusstsein. In seinen Werken geht Milach den immateriellen Mechanismen von Propaganda sowie deren visueller Manifestation in Architektur, Stadtplanung und Objekten in den postsowjetischen Staaten Weißrussland, Georgien, Ukraine und Aserbaidschan nach. Dabei legt er zugleich die Stärke sowie die Fragilität von politischen und sozialen Systemen offen.

Die Serie Refusal (2011–2017) besteht unter anderem aus Fotografien von handgefertigten Objekten, die Milach in Schachschulen in einem aserbaidschanischen Kulturzentrum fand. Diese Objekte wurden zur optischen Täuschung gestaltet, um junge Aserbaidschaner in räumlicher Vorstellungskraft und abstrakter Denkfähigkeit zu schulen. Sie zeigen, wie der menschliche Geist manipuliert und kontrolliert werden kann. Daneben offenbaren Fotografien von Landschaften und Stadtentwicklungen die gescheiterten politischen Ambitionen neuer Regierungen.

Mathieu Asselin

Mathieu Asselin (* 1973, Frankreich) wurde für die Publikation Monsanto: A Photographic Investigation nominiert. Auf Basis zahlreicher Dokumente und Fotografien seziert Asselin die Geschichte des globalen Biotechnologiekonzerns Monsanto und offenbart die verheerenden Auswirkungen, die dessen Produkte auf Menschen und Umwelt haben. Gleichzeitig deckt Asselin Monsantos Bemühungen auf, das negative öffentliche Image mithilfe von Marketing-Kampagnen zu beeinflussen.

Ausgehend von den Aktivitäten des Unternehmens in den USA legt Asselin die Produktion von Agrochemikalien und deren ökologische Folgen auf Städte und ganze Landschaften offen. Darüber hinaus verweist seine Recherche auf Monsantos Rolle während des Vietnamkrieges als einer der Hauptproduzenten des hochgiftigen Entlaubungsmittels Agent Orange und auf die jüngsten Tätigkeiten des Konzerns im Bereich gentechnisch veränderten Saatguts. Durch das Zusammenführen von Text und Dokument, Ephemera und Fotografie offenbart Monsanto: A Photographic Investigation auch die teilweise unter Verschluss gehaltenen Kapitel der Unternehmensgeschichte und sensibilisiert für die Komplexität und Interessen, die den Aktivitäten des Konzerns zu Grunde liegen.

Batia Suter

Ebenfalls auf Recherche basiert die Arbeit von Batia Suter (* 1967, Schweiz), die für ihre Publikation Parallel Encyclopedia #2 nominiert wurde. Suter widmet sich in ihrer künstlerischen Praxis den Umdeutungen von Bildern sowie den Bedingungen, unter denen diese mit Assoziationen aufgeladen werden. Sie kombiniert gefundenes Bildmaterial und setzt es in neue Zusammenhänge, sodass verdeckte Potenziale sichtbar werden. Ihre Publikation ist eine Serie visueller Dialoge, die Bilder von Natur, Objekten und wissenschaftlichen Analysen aus verschiedenen Epochen und Kulturen aus ihrer etablierten Lesart herauslösen und ihnen zu neuer Bedeutung verhelfen. Suter präsentiert eine Komposition großformatiger Reproduktionen aus zahlreichen Publikationen, die von Sachbüchern über Lehrbücher und historische Bände bis hin zu Anzeigen und Magazinen reichen.

Luke Willis Thompson

Der diesjährige Gewinner des Preises Luke Willis Thompson (* 1988, Neuseeland) wurde für seine Ausstellung autoportrait nominiert und ausgezeichnet, die im vergangenen Jahr in der Chisenhale Gallery in London stattfand.

Im Juli 2016 übertrug die Afroamerikanerin Diamond Reynolds über Facebook-Live den Zeitraum unmittelbar nachdem ihr Partner Philando Castile von einem Polizeibeamten während einer Verkehrskontrolle im US-Bundesstaat Minnesota erschossen wurde. Reynolds Video verbreitete sich viral online und wurde über sechs Millionen Mal angesehen. Im Juni 2017 wurde es den Geschworenen in einem Gerichtsverfahren neben weiteren Aufnahmen der Polizei und Überwachungsdienste als Beweismaterial vorgeführt. Der Beamte, der Castile tötete, wurde dennoch in allen Anklagepunkten freigesprochen. In der von Ungewissheit bestimmten Phase zwischen der Anklage des Polizeibeamten und dem anschließenden Prozess produzierte Thompson in Zusammenarbeit mit Diamond Reynolds und ihrem Anwalt ein stilles filmisches Porträt von ihr. Dem bekannten Medienbild von Reynolds, das in einem Moment der Gewalt und des Schocks entstanden war, stellt er auf diese Weise eine ästhetische Antwort gegenüber.

Publikation

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Dieser ist für 24 Euro im MMK 1 erhältlich.

Über RAY 2018

Das Bildliche bestimmt unseren Alltag und unsere Wirklichkeit. Mit dem Thema EXTREME stellen die RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain 2018 diese Bildmächtigkeit anhand einer Vielfalt internationaler künstlerischer Strategien in den Mittelpunkt ihrer dritten Ausgabe. Seit Jahrzehnten findet sich in den Institutionen und Sammlungen in Frankfurt und der Region Rhein-Main eine bemerkenswerte Dichte und Kompetenz im Bereich der Fotografie. Nach den ersten beiden erfolgreichen Ausgaben RAY 2012 und RAY 2015 wird diese außerordentliche Qualität und Vielfalt erneut in einer einzigartigen Konstellation präsentiert:

Über 60 Künstlerinnen und Künstler, 15 Partnerinstitutionen, 10 Ausstellungsorte und 6 Städte im Rhein-Main-Gebiet schließen sich zusammen und machen diesen Fokus international sichtbar. Mit Ausstellungen und zahlreichen Events zum Triennale-Thema EXTREME bietet RAY zwischen dem 24. Mai und 9. September 2018 eine facettenreiche Auseinandersetzung mit der Fotografie.

Zeitgleich zur Ausstellung Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2018 zeigt das MMK 1 ebenfalls bis zum 9. September 2018 und ebenfalls im Rahmen von RAY 2018 die Fotoausstellung EXTREME. NOMADS.

Besucherinformationen

Museum für Moderne Kunst MMK 3
Zollamt
Domstraße 3, D-60311 Frankfurt am Main
Tel +49 (0)69 212 30447

Ausstellungsdauer: 24. Mai bis 9. September 2018
Öffnungszeiten: Di bis So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr 
Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro, unter 18 Jahre frei
Der Eintritt in das MMK 1 (12 Euro, ermäßigt 6 Euro) beinhaltet auch den Eintritt in das MMK 3

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Museum für Moderne Kunst und Deutsche Börse Photography Foundation.

Weitere Informationen

Zur Übersichtsseite der Fotografietriennale RAY 2018

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Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen