Yamamoto Masao. Microcosm Macrocosm

Wir sind nur ein kleiner Teil der Natur

Die Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin zeigt noch bis zum 23. Dezember 2018 eine Fotoausstellung des japanischen Künstlers Yamamoto Masao. Seine Bilder lassen den Betrachter staunend ob der Details und demütig ob der Größe unseres Kosmos und unserer Rolle darin zurück.

Dies ist ganz sicher eine besondere Perle in der Kulturlandschaft der Fotografieausstellungen. Wir empfehlen sie besonders für alle, für die alleine schon das Innehalten beim Anschauen eines Bildes ein Genuss ist.

Yamamoto Masao hat ursprünglich Ölmalerei studiert, bevor er die Fotografie als ein ideales Medium entdeckte, das in besonderer Weise Erinnerungen zu evozieren vermag. Der Künstler ist bekannt für seine kleinformatigen Silbergelatineabzüge. Durch Tönung, Übermalung oder andere manuelle Eingriffe bearbeitet er sie so, dass sie Objektcharakter erhalten und Reminiszenzen an Vergangenes mit sich führen.

So divers seine Motive sind, stets kommt in seinen Bildern die durch den chinesischen Philosophen Laotse geprägte Auffassung zum Ausdruck: der Mensch ist nur ein kleiner Teil der Natur. Sie wiederum stellt nur einen winzigen Teil eines immensen Kosmos dar. Durch Beobachtung all der kleinen Dinge um sich herum findet Yamamoto einen Schlüssel zum allumfassenden Charakter des Universums. Diesen hält er auf Fotopapier fest.

Für die Alfred Ehrhardt Stiftung wird Yamamoto in die ihm eigene, installative Wandabwicklung ausgewählte Werke von Alfred Ehrhardt fast unscheinbar einbinden. Für Yamamoto zählt besonders Ehrhardts „konstruktiver und struktureller Blick auf die Schönheit der Natur, der die Kunstformen der Natur als visuelles Archiv anlegt“. Seine Arbeit demonstriert eine fundamentale Entsprechung zwischen Ehrhardts naturphilosophisch geprägter Weltsicht und seiner eigenen, japanischen Natursicht.

Zusätzlich zeigt Yamamoto Aufnahmen seiner Serie Shizuka (= gesäubert, rein, unbefleckt). Es sind Fundstücke aus Wald nahe seines Wohnorts. Im Mittelpunkt der Serie steht die Großartigkeit des vergessenen Teils der Natur. Die gesammelten Wurzeln und Steine liegen verborgen zu den Füßen und in der Erde. Sie tragen für ihn „wie kostbare Kleinode den friedlichen Atem der Natur in sich“.

In der Serie Bonsai Microcosm Macrocosm setzt Yamamoto die 100 oder gar 200 Jahre andauernden Zwiegespräche zwischen Bonsai-Bäumchen und Bonsai-Meistern auf direkte Weise fort. Dieses OEuvre spiegelt einerseits das Mysterium eines kleinen, verdichteten Universums wider, welches man gewissermaßen in der Hand halten kann. Gleichzeitig veranschaulicht es auch ein für menschliche Sinne unermesslich große Universum.

Über Yamamoto Masao

YAMAMOTO Masao, geb. 1957 in Gamagori in der japanischen Präfektur Aichi. Seinen ersten Ausstellungen 1994 und 1996 in San Francisco und New York folgten zahllose weitere in den USA, Europa, Japan, Russland und Brasilien. Januar 2018 Craig Krull Gallery, Santa Monica CA. Sammlungen in renommierten internationalen Museen wie im Museum of Fine Arts Houston, International Center of Photography New York, Victoria & Albert Museum London, Maison Européenne de la Photographie Paris u.a. Zahlreiche Buchveröffentlichungen in den USA, Spanien, Japan und Deutschland. Editorials für die NY Times, Los Angeles Times und etliche namhafte Kunstmagazine.

Yamamoto lebt in Yatsugatake Nanroku, Präfektur Yamanashi, in der Nähe zur Natur, die er in seine Arbeit thematisch einbindet.

Besucherinformationen

Alfred Erhardt Stiftung
Auguststr. 75, D-10117 Berlin
Tel +49 (0)30 200953-33

Ausstellungsdauer: bis 23. Dezember 2018
Öffnungszeiten: Di bis So 11–18 Uhr, Do 11–21 Uhr
Eintritt: frei!

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Alfred Erhardt Stiftung.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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