Hugo Erfurth. Bildnisse

Die Kunst der Edeldrucke


li: Hugo Erfurth: Käthe Kollwitz, 1928, Ölpigmentdruck. © VG Bild-Kunst, Bonn, 2018; courtesy Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur; Foto: Niklas Rausch | re: Hugo Erfurth: Ludwig Mies van der Rohe, 1934, Ölpigmentdruck © VG Bild-Kunst, Bonn, 2018; courtesy LVR Landesmuseum Bonn; Foto: Jürgen Vogel

Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln zeigt bis zum 27. Januar 2019 eine beeindruckende Fotoausstellung mit Kunstfotografien von Hugo Erfurth.

Die Bildnisse, die aus dem Atelier von Hugo Erfurth (1874–1948) überliefert sind, reichen stilistisch weitgehend in die Zeit bzw. Auffassung der Kunstfotografie. Diese besonders künstlerisch motivierte Richtung hatte am Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa 1914 ihre Blütezeit. Die Fotografen verfolgten die Absicht erlesen gestalteter Kompositionen, die noch dazu mit besonderen manuell-technischen Eingriffen veredelt wurden. Dazu von Vorteil waren Edeldruckverfahren, die einen malerischen Duktus erlaubten und überdies höchst aufwendig in der Herstellung waren.

Anleihen in der Malerei verhalfen der Fotografie so zum großen Auftritt, was sich tatsächlich in der Dimension großer Wandbilder ausdrücken sollte. Damit einher gingen expressiv wirkungsvolle und stark symbolisch intendierte Motive, die die Gefühlswelten der Menschen bis ins Pathetische zum Ausdruck brachten. Bedeutende Persönlichkeiten der Gesellschaft wurden mit Edeldrucken geehrt oder für besondere Anlässe wurden dieserart Bilder in Auftrag gegeben. Mit Aufkommen neuer Möglichkeit des technischen Mediums in den 1920er-Jahren und einer Rückbesinnung auf die rein dokumentarische Qualität als künstlerischer Ausdruckswert in der Fotografie wurden die kunstfotografischen Techniken mehr und mehr verdrängt.


li: Hugo Erfurth: Carl Hofer, 1929, Gelatinesilberabzug © VG Bild-Kunst, Bonn, 2018; courtesy Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur; Foto: Niklas Rausch | re: Hugo Erfurth: Frau Boell, um 1935, Edeldruckverfahren © VG Bild-Kunst, Bonn, 2018; courtesy LVR Landesmuseum Bonn; Foto: Jürgen Vogel

Hugo Erfurth hielt jedoch unabhängig neuer Tendenzen weitgehend an der Umsetzung seiner Motive als Edeldrucke fest. Vor allem im Öldruck erreichte er meisterliche Leistungen, exquisite Stück gingen aus seinem Atelier hervor. Neben seiner anfänglichen Vorliebe für Genrefotografien und Landschaftshintergründe spezialisierte sich Erfurth zunehmend auf Porträts, die er zu Beginn seiner fotografischen Tätigkeit vor allem im Kreis seiner Familie fand.

Mit Erwerb des Palais des Grafen Lüttichau in der Dresdner Innenstadt im Jahre 1906 entwickelte sich Erfurths Atelier zu einem repräsentativen Zentrum des städtischen Kulturlebens. Individualbildnisse entstanden von Mitgliedern der Bürgerschaft und Adel, von Militär und Künstlern. So werden in der aktuellen Ausstellung z. B. einnehmende Porträts von Max Beckmann, Otto Dix, Käthe Kollwitz und Richard Riemerschmid zu sehen sein, u. a. fanden einige dieser Personen interessanterweise auch den Weg vor August Sanders Kamera – spannenderweise unter stilistisch anderer Maßgabe.


Hugo Erfurth: Franz von Stuck, 1904, Pigmentdruck © VG Bild-Kunst, Bonn, 2018; courtesy LVR Landesmuseum Bonn; Foto: Jürgen Vogel | re: Hugo Erfurth: Otto Dix mit Pinsel, 1929, Ölpigmentdruck © VG Bild-Kunst, Bonn, 2018; courtesy LVR Landesmuseum Bonn; Foto: Jürgen Vogel
Hatte auch Sander kunstfotografisch ausgerichtete Fotografien erarbeitet, so wendete er sich jedoch für sein freies künstlerisches Schaffen nach dem Ersten Weltkrieg mehr und mehr davon ab. Heute sind nur verhältnismäßig wenige, doch aufschlussreiche Beispiele in dieser Technik von ihm erhalten.

Mit der Ausstellung zum Werk von Hugo Erfurth findet die 2018 gestartete Zusammenarbeit des LVR-LandesMuseum Bonn und der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, ihre Fortsetzung. Die Exponate zur aktuellen Präsentation stammen aus den Beständen beider Häuser, ergänzt um Leihgaben aus der Deutschen Fotothek Dresden.

Publikation

Begleitend erscheint ein Sammlungsheft mit einem Text von Adelheid Komenda.

Parallel sind die Ausstellungen August Sander. Meisterwerke und Francesco Neri. Farmers zu sehen.

Besucherinformationen
Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur
Im Mediapark 7, D-50670 Köln
Tel +49 (0)221 888 95 300

Ausstellungsdauer: bis 27. Januar 2019
Öffnungszeiten: täglich außer mittwochs 14-19 Uhr
Sonderöffnungszeiten zum Photoszene-Festival: Fr 28.09.2018 14-22 Uhr; Sa u. So 29./30.09.2018 11-19 Uhr
Eintritt: 5,50 €, ermäßigt 3 €, erster Montag im Monat freier Eintritt!

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

image_pdfimage_print
Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen

Letzte Artikel von Anja Hoenen (Alle anzeigen)