Astrid Kirschey. Mr. Sedley und die Attitüden des Lebens

Tanz zwischen Tod und Leben

Aus der Reihe „Totentanz“ © Astrid Kirschey

Mr. Sedley, ein Romancharakter, steht als Figur/ Installation inmitten des von Astrid Kirschey gefertigten fotografischen Bilderzyklus Totentanz. In lebensgroß präsentierten Fotografien verbinden sich die seit dem Mittelalter dargestellten Inhalte des Totentanzes mit schillernden Zeitgenossen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 21. Oktober 2018 in der Südpark-Galerie in Solingen zu sehen. Die Eröffnung ist heute, am 22. September 2018 um 19 Uhr im Rahmen der Lichternacht in den Güterhallen Solingen.

Mr. Sedley ist eine der Hauptfiguren in dem Gesellschaftsroman „Jahrmarkt der Eitelkeiten“ (Originaltitel: Vanity Fair, or, a Novel without a Hero, 1847/1848 in Fortsetzungen im Londoner Satiremagazin „Punch“ erschienen; deutsch 1849). Er ist zunächst erfolgreicher Börsenspekulant, später Bankrotteur, der seinen Lebensabend in seelischem und materiellem Elend fristet.

Mr. Sedley wird in dieser Ausstellung als mit Blattgold vergoldetes Skelett dargestellt, das als Installation ununterbrochen um sich selbst kreist, mit drei Umdrehungen pro Minute. Es bewegt sich wie ein Turner an einem Reck. „Um sich selbst kreisen“ ist das Thema, die Wiederholung im Fortwährenden, so wie ein Mensch auch zu Lebzeiten ständig um sich selbst kreist und wir uns als Gesellschaft um den schnöden Mammon. Dabei spiegeln sich in dieser Eigendrehung sowohl unsere eigene Bemühungen um Unsterblichkeit angesichts der unausweichlichen Tatsache des Todes wieder, wie auch die all bekannten Attitüden der Dekadenz einer Hochkultur, die sich um selbst dreht.

Aus der Reihe „Totentanz“ © Astrid Kirschey

Werden im Westen Tod und Niedergang mit Schrecken betrachtet – in den Totentänzen taucht er stets als furchterregender Sensenmann auf – wird in anderen Kulturen der Tod als freudiges Fest gefeiert. Berühmt ist dafür beispielsweise Mexiko mit seinem großen Volksfest Der Tag der Toten. Dieses Fest ist keine Trauerveranstaltung, sondern ein farbenprächtiges Volksfest.

Diese kollektive Tradition, die dem Tod den Schrecken nimmt und ihn als Wegbegleiter feiert, überträgt Astrid Kirschey auf ihre Arbeiten. In den Fotografien wird ein Tanz zwischen Tod und Leben inszeniert, ohne auf die Schrecken der Endlichkeit abzuzielen. Vielmehr wird in subtilen Posen die enge Verknüpfung von Tod und Leben deutlich, eine angenehme Vertrautheit zwischen Tod und Leben entsteht.

Über Astrid Kirschey

Astrid Kirschey, Jahrgang 1964, ist im Rheinland geboren. Lange Zeit Wahl-Berlinerin lebt sie heute wieder in der Heimat. Die Fotografie erlernte sie als Handwerk. Eine dreijährige Ausbildung mit Schwerpunkt Porträt und abschließender Gesellenprüfung legen den Grundstein für ihre lebenslange Bindung an das Thema. Es folgen die Jahre in Berlin, begleitet fast ausschließlich von schwarz-weiß Arbeiten für die Musik- und Künstlerszene. 2012 entsteht ihr Projekt der GENERATIONENPORTRÄTS. Für das LWL Industriemuseum erstellt sie 100 Porträts ehemaliger Hüttenwerker der Henrichshütte in Hattingen. Es entsteht das Buch „100 Hüttenleben“. Auf dem Museumsgelände der Henrichshütte bilden die Fotografien heute eine Menschenkette um Hochofen 3.

Besucherinformationen

Südpark Galerie
Güterhallen
Alexander-Coppel-Straße 22, D-42651 Solingen

Ausstellungsdauer: bis 21. Oktober 2018
Öffnungszeiten: Do und So 14-18 Uhr und nach Vereinbarung

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Südpark Galerie.

Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen