Die Architekturfotografin Sigrid Neubert ist tot

Sigrid Neubert zählte zu den wichtigsten Chronisten der deutschen Nachkriegsmoderne

Portrait Sigrid Neubert privat, um 1980 © Archiv Sigrid Neubert

Nur wenige Tage nach Eröffnung ihrer bisher größten retrospektiven Ausstellung ist am vergangenen Samstag, den 13. Oktober 2018, die bekannte Münchner Fotografin Sigrid Neubert im Alter von 91 Jahren in ihrem Alterssitz nahe Berlin verstorben. Das teilte die Agentur Goldmann Public Relations mit.

Sie zählte zu den herausragenden Architekturfotografinnen der Nachkriegszeit, arbeitete über 30 Jahre intensiv mit den bedeutendsten deutschen Architekturbüros und prägte wie keine andere mit ihren markanten Schwarz-Weiß-Aufnahmen das Bild der modernen Architektur in der Bundesrepublik.

„Sigrid Neuberts Arbeitsweise war stets geprägt von einer sehr intensiven Beschäftigung mit dem fotografierten Gegenstand. Ihr Schaffen ist exemplarisch: Sowohl ihre Natur- als auch die Architekturfotografie lebt von ihrem die Strukturen klar herausarbeitenden, eigenen Stil.“ Ludger Derenthal, Leiter der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek

Geboren 1927 in Tübingen als Tochter des Arztes und späteren Anatomieprofessors Kurt Neubert und seiner Frau Margot, zeigte Sigrid Neubert schon früh den Wunsch nach persönlicher Unabhängigkeit, verbunden mit großem Interesse an ihren Mitmenschen und ihrer Umgebung. Sie erhielt ihre Ausbildung als Fotografin von 1948 bis 1954 an der Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München. Neubert arbeitete über fünf Jahrzehnte in München. Zunächst als Werbefotografin tätig, spezialisierte sie sich in den 1950er Jahren auf Architekturfotografie, einer reinen Männerdomäne in der damaligen Zeit. Seit den 1970er Jahren erweiterte Neubert ihr Œuvre um eindrucksvolle Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete.

Sigrid Neubert. Karl Schwanzer: BMW-Hauptverwaltung, München, Museum, 1972 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Sigrid Neubert

Ihr fotografisches Talent wurde schon früh erkannt. Eine ihrer experimentellen Arbeiten zeigte bereits 1953 das Museum of Modern Art in New York in der Ausstellung European Postwar Photography. Aktuell stellt die Alf Lechner Stiftung im Lechner Museum Ingolstadt und in Obereichstätt bis zum 10. Februar 2019 die große Retrospektive Architektur und Natur aus. Die Ausstellung wurde zunächst im Frühjahr 2018 im Museum für Fotografie der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiert und umfasst 230 ihrer wichtigsten Architektur- und Naturaufnahmen.

„Mit Sigrid Neubert verlieren wir eine der wichtigsten deutschen Architekturfotografinnen und Chronistin der Bayerischen Nachkriegsmoderne.“ Daniel McLaughlin, Kurator der Alf Lechner Stiftung

Eng arbeitete die Fotografin mit zahlreichen herausragenden Architekten der Nachkriegs- und Spätmoderne zusammen: Kurt Ackermann, Walther und Bea Betz, Hans-Busso von Busse, Alexander von Branca, Herbert Groethuysen, Hans Maurer und Paul Stohrer gehörten ebenso zu ihren Auftraggebern wie die Österreicher Franz Riepl, Gustav Peichl und Karl Schwanzer. Für letzteren schuf sie 1970 – 1973 jene ikonischen Aufnahmen des BMW-Hochhauses, die in ihrer Prägnanz bis heute beispiellos sind.

„Voraussetzung für ein gutes Architekturfoto ist das Gespräch mit dem Architekten. Ich sollte seine Ideen, den Entwurf kennen. Die Begeisterung für seine Arbeit muss sich auf mich übertragen, ich möchte mit seinen Augen sehen und meine Augen genauso wichtig nehmen.“ Sigrid Neubert, 1999

Bilder und Text mit freundlicher Genehmigung der Agentur Goldmann Public Relations.

Mehr über Sigrid Neubert

image_pdfimage_print
Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen