KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation.

Die 1960er Jahre in Köln

Am 30. Mai 1968 verbarrikadierten Studierende das Hauptgebäude und benannten die Universität in Rosa-Luxemburg Universität um (Foto: P. Schmidt von Schwind).

Vor 50 Jahren: Die Ereignisse, die heute unter der Chiffre „68“ zusammengefasst werden, markieren in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einen bedeutsamen Einschnitt. Mit Protesten gegen die starren Verhältnisse fordern junge Menschen – in Deutschland, aber auch in Frankreich, den USA oder Italien – die bürgerliche Demokratie heraus. Politik, Wohnen, Sprache, Kunst, Kultur, Sexualleben und Musik: All dies steht auf dem Prüfstand und wird nachhaltig beeinflusst.

Das Kölnische Stadtmuseum nimmt mit der Sonderausstellung KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation. erstmals die vielschichtigen Ereignisse und Entwicklungen in Köln rund um das Jahr 1968 in den Fokus.

Demonstranten vor dem Kölner Polizeipräsidium am Waidmarkt: Nachdem die Polizei eine Veranstaltung des experimentellen Kölner Filmstudios X-SCREEN gestürmt und die Filme beschlagnahmt hatte, versammelten sich Demonstranten vor dem Polizeipräsidium, um gegen den massiven Polizeieinsatz zu demonstrieren (Privatarchiv Kurt Holl / Foto: B. J. Wiersch).

Die gemeinsam mit dem Historischen Institut der Universität zu Köln kuratierte große Jubiläumsschau begibt sich auf eine spannende Spurensuche. Eindrucksvolle Originalobjekte, Filmausschnitte und Zeitzeugeninterviews erzählen von einer Zeit des Aufbruchs, von Konflikten, neuen Protestformen, sich wandelnden Moralvorstellungen, provokanter Kunst und Musik – und zeigen eine Stadt im Ringen mit sich selbst. Die Ausstellung ist bis zum 24. Februar 2019 im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen.

KÖLN 68!

„Berlin brennt, Köln pennt!“: So spotten Studierende aus anderen Universitätsstädten mit Blick auf Köln. Tatsächlich fallen die Proteste und Demonstrationen hier im Vergleich zu Städten wie Frankfurt, Hamburg oder Berlin weniger aufsehenerregend aus. Aber auch in Köln artikuliert man sich und seine Forderungen lautstark, auch hier kommt es zu teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht.

Polizeieinsatz bei der KVB-„Schlacht“ (Privatarchiv Kurt Holl / Foto: B. J. Wiersch)

Protest

Tausende Flugblätter flattern 1968 aus den Druckerpressen der Kölner Studierenden. Hörsäle werden blockiert, Eier geworfen. Ein ganzes Semester lang wird gestreikt und so die konservativen Eliten durcheinandergebracht. Doch nicht nur die Studierendenschaft geht auf die Barrikaden. Ob beim Politischen Nachtgebet in der Antoniterkirche, im Republikanischen Club im Römerturm, in den Kunstgalerien oder in den Industriebetrieben, ob Schülerinnen und Schüler, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter oder Kunstschaffende – der Protest ist in der Stadtgesellschaft allgegenwärtig.

Jimi Hendrix kam im Januar 1969 zu einem Konzert nach Köln und schrieb im studio dumont unzählige Autogramme (Privatarchiv Dorothee Joachim / Foto: Jens Hagen).

Pop

Mode und Musik prägen die Protestbewegung und geben ihr ihren eigenen unverwechselbaren Stil und Soundtrack. In Köln entsteht eine lebendige und bunte Subkultur. Jugendliche und Studierende tanzen in Bars und Clubs zu Beat- und Rockmusik. Die Kölner Band CAN revolutioniert die Musik und erlangt Berühmtheit weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Provokation

Ihr Sprachrohr entdeckt die Kölner Protestbewegung auch in der Kunst. Ob XSCREEN, Heinrich Böll, Rolf Dieter Brinkmann, Wolf Vostell, Joseph Beuys oder Mary Bauermeister, ob der Neumarkt der Künste oder die Ausstellung Happening & Fluxus: Die Kölner Kunstszene dieser Zeit ist in Bewegung und Aufruhr – und sie provoziert. Köln wird zu einem Epizentrum der neuen Kunstbewegung.

Rolf Dieter Brinkmann forderte 1968 die Galeristen des 2. Kölner Kunstmarktes zur Solidarität auf (Privatarchiv Dorothee Joachim / Foto: Jens Hagen).

Begleitband und Sponsoren

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Begleitband:

Michaela Keim/Stefan Lewejohann (Hrsg.): KÖLN 68! Protest. Pop. Provokation. Mainz 2018, Nünnerich-Asmus Verlag
ISBN: 978-3961760480
Preis: 29,90 Euro

Begleitband und Ausstellung werden unterstützt von der Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln und den Freunden des Kölnischen Stadtmuseums e. V.


li: Charles Wilps berauschte Nonnen sorgten 1968 für Diskussionen (afri cola-Anzeige (Reprint), 1967/68, Kölnisches Stadtmuseum/Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln). | re: Werbekampagnen der Kölner Marke Afri-Cola stellen 1967/68 die Sehgewohnheiten der Verbraucher auf den Kopf (Privatbesitz Alexander Flach / Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln).

Begleitprogramm und Oral History-Projekt

Ein vielfältiges Begleitprogramm (mit Zeitzeugenführungen, Stadtexpeditionen, Filmabenden, Vorträgen und vielen anderen Formaten) ergänzt die Ausstellung. An der Universität zu Köln findet zudem parallel eine von Studierenden des Masterstudienganges Public-History organisierte Vortragsreihe Mehr als 1968: die 1960er-Jahre in Köln statt.

Anlässlich der Sonderausstellung haben Studierende des Masterstudienganges Public-History zehn Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt. Die Ergebnisse sind in der Ausstellung zu sehen. Mehr Informationen dazu gibt es auf der von Studierenden erstellten Internetseite www.koeln68.de.

Besucherinformationen

Kölnisches Stadtmuseum
Zeughausstr. 1-3, D-50667 Köln
Tel +49 (0221) 221 22398

Ausstellungsdauer: bis 24. Februar 2019
Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr, Mi bis So u. Feiertage 10-17 Uhr
Eintritt: € 5,00, ermäßigt € 3,00, bis 6 Jahre frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Kölnisches Stadtmuseum.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Köln 68!: Protest. Pop. Provokation. (Gebundene Ausgabe)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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