Gemeinsam Geschichte(n) schreiben in Winterthur

Jubiläumsfest am Samstag, 3. November 2018

Dayanita Singh: I get this strong urge to dance from within. Ayesha`s second birthday. 1991, aus der Serie Myself Mona Ahmed, 1991 © Dayanita Singh

Das Fotomuseum Winterthur feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Im Zentrum der Jubiläumsausstellung steht noch bis zum 10. Februar 2019 das Teilen gemeinsamer Erinnerungen. Gezeigt werden Sammlungswerke von 51 Künstlern, ausgewählt von Weggefährten des Museums und ergänzt durch die Direktorin Nadine Wietlisbach.

Tina Hage: Universal Pattern II, 2008 © Tina Hage

In der begleitenden Publikation erläutern die 25 Weggefährten ihre Wahl und verknüpfen sie jeweils mit ihrer persönlichen Beziehung zum Museum. In den kurzen Essays und Gesprächen lässt sich anekdotisch die Entwicklung des Hauses nachverfolgen. So nimmt uns der Ausstellungsmacher und Kulturunternehmer Martin Heller über den Fotografen Nicolas Faure in die Gründungszeit des Museums mit. Gemeinsam mit Urs Stahel entwickelte er 1990 am Museum für Gestaltung die Ausstellung Wichtige Bilder, in der Faure vertreten war.

Für die Kuratorin Melanie Bühler steht Bruno Zhu für eine junge Generation postfotografischer Kunstschaffender, denen das Fotomuseum programmatisch eine Plattform bietet. Und Michael Ringier, ehemaliger Stiftungsratspräsident des Fotomuseums, vergleicht die Sprungkraft der Bälle in John Baldessaris Serie Throwing Three Balls in the Air to Get a Straight Line (Best of Thirty-Six Attempts) (1973) mit jener des Museums.

John Baldessari: aus der Serie Throwing Three Balls in the Air to Get a Straight Line (Best of Thirty-Six Attempts), 1973 © John Baldessari

Die Auswahl von Nadine Wietlisbach verweist einerseits auf weitere bedeutende Ausstellungen in der Geschichte des Museums wie Darkside I – Fotografische Begierde und fotografierte Sexualität (2008), in der Hannah Collins vertreten war. Andererseits stehen Werke wie die von Guadalupe Ruiz, Diana Tamane und Jeff Weber für das Engagement des Fotomuseums, durch Ankäufe eine jüngere Generation in den Fokus zu rücken.

Nicht zuletzt ist auch die Auswahl Nadine Wietlisbachs persönlich geprägt. Sie beinhaltet Arbeiten von Künstlern, die für ihre kuratorische Arbeit wichtig sind: Sturtevant und Sherrie Levine prägten ihre Liebe zur Konzeptkunst. Pipilotti Rist, Valie Export und Hannah Villiger veranschaulichten ihr, wie eine eigensinnige künstlerische Praxis aussehen kann. Die großen Serien von Bruno Serralongue (Calais, 2016) und Max Pinckers (The Fourth Wall, 2012) sind für sie leuchtende Beispiele dokumentarischer Geschichtenerzähler. Sie bilden eine Wahrheit ab, ohne dabei den Anspruch auf Autarkie zu erheben.

Max Pinckers: A Curious Phenomenon for Which I Know Not of a Valid Explanation, aus der Serie The Fourth Wall, 2012 © 2012 Max Pinckers

Mit der Jubiläumsausstellung wird ein breiter Einblick in die Sammlung des Fotomuseums gegeben. Das Sammeln von zeitgenössischer Fotografie bildet seit der Gründung des Hauses 1993 einen wichtigen Aspekt der Museumsaktivitäten. Durch Ankäufe, großzügige Schenkungen und Dauerleihgaben von privaten Förderern und Stiftungen konnten bis heute rund 8.000 fotografische Objekte in den Bestand eingehen. Ein Großteil der Sammlung dokumentiert das Ausstellungsprogramm. Auf diese Weise bildet es ein physisches Archiv von internationalen Werken und Werkgruppen ab 1960 bis in die unmittelbare Gegenwart.

Mit Werken von

John Baldessari, Lewis Baltz, Becky Beasley, Besma Ben Said, Suky Best, Daniele Buetti, Hannah Collins, Antje Dorn, ETH Zurich Urban-Think Tank, Jan Paul Evers, Valie Export, Nicolas Faure, Hal Fischer, Seiichi Furuya, Thomas Galler, Luigi Ghirri, Nan Goldin, Paul Graham, Tina Hage, Roni Horn, David Horvitz, Peter Hujar, Graciela Iturbide, Paul Albert Leitner, Sherrie Levine, Gordon Matta-Clark, Boris Mikhailov, Mark Morrisroe, Kristina Ollek, Onorato & Krebs, Hirsch Perlman, Walter Pfeiffer, Peter Piller, Max Pinckers, Pipilotti Rist, Guadalupe Ruiz, Adrian Sauer, Bruno Serralongue, Fazal Sheikh, Dayanita Singh, Alec Soth, Joel Sternfeld, Christer Strömholm, Sturtevant, Diana Tamane, Shōmei Tōmatsu, Bertien van Manen, Hannah Villiger, Jeff Weber, Christopher Williams und Bruno Zhu.

Graciela Iturbide: Mujer ángel, Sonoran Desert, Mexico, 1979, aus der Serie Die Seri-Indianer, 1979 © Graciela Iturbide

Ausgewählt von

Laia Abril, Emma Bowkett, Melanie Bühler, Beate Eckhardt, Patrick Frey, Marta Gili, Martin Heller, Rainer Iglar, Nicole Kurmann, Zoe Leonard, Irene de Mendoza, Yann Mingard, Andreas Reinhart, Michael Ringier, Esther Ruelfs, Gudrun Ruetz, Wilhelm Schürmann, Aveek Sen, Shirana Shahbazi, Dorothea Strauss, David Streiff, Jan Wenzel, Trix Wetter, Francesco Zanot, Mara Züst und Nadine Wietlisbach

Publikation

Die Publikation zur Ausstellung Gemeinsam Geschichte(n) schreiben mit zahlreichen Interviews, Essays und einer Porträtserie von Anne Morgenstern erscheint im November im Spector Verlag. Gestaltet wurde sie von Hi – Megi Zumstein und Claudio Barandun. Die Publikation wird von der Kresau4-Stiftung unterstützt:

25 Jahre! Fotomuseum Winterthur. Gemeinsam Geschichte(n) schreiben/ Fast Forward
ISBN: 9783959052658
Preis: 32 €

Jubiläumsfest

Das Fotomuseum Winterthur feiert sein 25-jähriges Bestehen am Samstag, 3. November 2018 ab 17:00 Uhr mit einem Jubiläumsfest. Mehr Informationen zum Programm gibt es hier.

Besucherinformationen

Fotomuseum Winterthur 
Grüzenstrasse 44+45, CH-8400 Winterthur

Ausstellungsdauer: bis 10. Februar 2019
Öffnungszeiten: Di bis So 11–18 Uhr | Mi 11–20 Uhr 
Eintritt: 10 CHF, ermäßigt 8 CHF

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Fotomuseum Winterthur .
Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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