Rezension: Thomas Hoppe. Farbe in der Bildbearbeitung

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Handwerkszeug für mehr Kreativität in der Farbgestaltung

Farbe ist ein wichtiges Thema in der Fotografie. Auch Fotografen, die Schwarz-Weiß bevorzugen, müssen sich zumindest gedanklich vor der Aufnahme mit den im Motiv vorhandenen Farben auseinandersetzen. Wichtig ist Farbe aber nicht nur im Moment des Auslösens, sondern auch in der Nachbearbeitung am heimischen Monitor und später beim Druck oder Druckauftrag.

Wie kann ich als Nutzer von Adobe Lightroom oder Photoshop richtig mit Farbe umgehen? Welche Werkzeuge und Mittel stehen mir zur Verfügung? Wie bekomme ich genau die Farbanmutung, Farbbalance, Sättigung, Hauttönung, Teiltönung bis hin zu einem speziellen Farblook, die ich in meinem Bild sehen möchte?

Rezension: Thomas Hoppe. Farbe in der Bildbearbeitung
Bild: © mitp Verlag

Auf diese Fragen will Thomas Hoppe in seinem Buch „Farbe in der Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop“ Antworten geben.

Eigentlich ist das Buch der zweite Teil einer umfassenden Abhandlung von Farbe.

2017 erschien bereits Farbmanagement für Fotografen. Hier ging es vorrangig um die technischen Aspekte wie Monitor- und Druckerkalibrierung, also die Frage, wie man eine präzise Wiedergabe der Bildfarben auf den verschiedenen Ausgabegeräten sicherstellt.

Im vorliegenden Buch „Farbe in der Bildbearbeitung“ wird es nun deutlich kreativer und subjektiver.

Hat man die Voraussetzungen für ein gutes Farbmanagement geschaffen, eröffnen sich nun in der Bildbearbeitung individuelle Spielräume, wie wir mit Farbe umgehen.

Damit man richtig „spielen“ kann, braucht man nicht nur das Spielzeug (hier: Adobe Camera RAW, Photoshop und/oder Lightroom), sondern auch die Spielregeln. Nur wenn ich weiß, welche Spielzüge welche Auswirkungen haben, welche Werkzeuge mir dazu zur Verfügung stehen und in welchen Situationen ich sie wie anwende, bekomme ich ein Gefühl für eben jenes kreative Spiel.

Thomas Hoppe beginnt daher im ersten Kapitel mit einer kurzen Abhandlung zur Farbtheorie, bevor es dann konkret ans Spielen Arbeiten mit der Software geht.

Die Kapitelübersicht

  • Farbtheorie
  • Farbbearbeitung in Lightroom
  • Farbwerkzeuge in Photoshop
  • Farbkorrektur in Photoshop
  • Farbgestaltung in Photoshop
  • Farblooks
  • Danksagungen
  • Index

Unschwer lässt sich erkennen, dass die meisten Buchseiten sich mit der Bildbearbeitung mittels Photoshop beschäftigen. Das hat nun allerdings nichts mit einer Präferenz des Autors zu tun, sondern ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass Photoshop im Vergleich zu Lightroom ein deutlich mächtigeres Werkzeug ist. Mehr Regler, Filter, die Bearbeitung in Ebenen erfordern eben auch mehr Erläuterungen. Und damit es übersichtlich bleibt, bietet sich für Photoshop die Unterteilung in mehrere Kapitel an.

Layout und Buchbeschaffenheit

Rezension: Thomas Hoppe. Farbe in der Bildbearbeitung
Bild: © mitp Verlag

Apropos Unterteilung: diese finde ich sehr konsequent und logisch nachvollziehbar.

Das Layout des Buches mit farbig markierten Kapiteln unterstützt die schnelle Orientierung.

Natürlich gibt es dazu auch das Inhaltsverzeichnis am Anfang und den Index am Ende.

Die Abbildungen sind gut in den Text eingefügt, so dass man die zahlreichen Beispielbilder und Screenshots der Programmoberflächen ohne viel Blättern beim Lesen zum Vergleich heranziehen kann.

Der Druck ist tadellos und das Lektorat hat einen tollen Job gemacht.

Das Softcover des Buches hält eine Menge praktische Arbeit mit vielem Hin- und Herblättern, Aufschlagen, Zuschlagen (und Draufschlagen, wenns mal nicht so klappt….) problemlos aus. Das Format ist ideal geeignet, um das Buch während der Bildbearbeitung vor oder neben der Tastatur zu platzieren. Ich hätte mir allenfalls noch ein Lesebändchen gewünscht.

Zusatzmaterial

Viele der im Buch gezeigten Beispiele kann man anhand der Originaldateien nacharbeiten. Der Verlag bietet sie auf seiner Webseite zum Download an.

Bewertung

Ich bin ein Spielkind. Dabei weiß ich aber auch gerne, was ich da gerade genau tue. Üblicherweise geht es mir bei Büchern zu Software so, dass ich zwar die gezeigten Ergebnisse anhand der Anleitung reproduzieren kann. Dann aber quält mich die Frage nach dem warum. Warum ist das so? Wieso ausgerechnet dieses Werkzeug, nicht ein anderes? Weshalb ausgerechnet den Regler um x nach rechts schieben und nicht um x+10? Ich will verstehen, was ich da tue.

Rezension: Thomas Hoppe. Farbe in der Bildbearbeitung
Bild: © mitp Verlag

Wohltuend anders ist die Art, in der Thomas Hoppe erklärt.

Hier finde ich meine Antworten auf das „warum“. So kann ich für meine eigenen Bilder entscheiden, welches der vielen Werkzeuge ich wähle und in welcher Stärke ich es einsetze.

So manches Aha-Erlebnis war bei der Buchlektüre dabei, Zusammenhänge wurden deutlich.

Wer so wie ich schon lange mit Photoshop arbeitet, dabei aber meist die eingefahrenen Arbeitsschritte und den bewährten Workflow benutzt, kann bei Thomas Hoppe links und rechts des üblichen Weges plötzlich neue oder einfachere Möglichkeiten der Farbbearbeitung finden.

Besonders hilfreich finde ich die Erläuterungen zum schwierigen Thema der Hauttönungen. Mit meinen früheren Ergebnissen war ich da nie so recht zufrieden. Jetzt habe ich einige Lösungen an der Hand, auf die ich alleine nie gekommen wäre.

Großen Spaß macht übrigens auch das Ausprobieren der Teiltonungen, die sich in Kapitel 6 (Farblooks) finden. Auch mein persönliches Highlight findet sich in diesem Kapitel, unter 6.2 „Farben für den Farblook finden“. Es ist die Methode des Autors, in Photoshop über die im Bild schon vorhandenen Farben Farbharmonien und Verläufe für eine Tonung zu finden. Schritt für Schritt und Screenshot für Screenshot mit Zwischenergebnissen über mehrere Seiten angezeigt ist das sehr einfach nachzuvollziehen und führt zu sehr guten und schnellen Ergebnissen. Meine neue Methode der Wahl, wo früher eher zufallsgeprägtes Ausprobieren angesagt war!

Fazit

„Farbe in der Bildbearbeitung“ ist ein empfehlenswertes Buch für alle Anwender von Adobe Lightroom und Photoshop, die sich mit der Farbgestaltung ihrer Fotografien auseinandersetzen wollen. Es ist sowohl für Einsteiger als auch langjährige Anwender der beiden Programme geeignet. Die Lektüre von Farbmanagement für Fotografen ist keine Voraussetzung, aber für ein umfassendes Farbmanagement unbedingt sinnvoll. Ich kenne jetzt die Spielregeln, nach denen ich mit Farbe spielen kann – und jetzt macht Bildbearbeitung auch wieder richtig Spaß. Alle 5 Sterne!

Die Daten

Thomas Hoppe. Farbe in der Bildbearbeitung mit Photoshop und Lightroom erschien am 31. Mai 2018 im mitp-Verlag. 1. Auflage 2018, 272 Seiten, in Farbe, 17,2 x 1,5 x 24,1 cm. Auch als E-Book erhältlich.
ISBN:  978-3958457270
Preis: 29,99 € [Buch] | 25,99 € [E-Book]

Leseprobe
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Rezension: Anja Hoenen

Unsere Bewertung:

5 Sterne

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Anja Hoenen