Daniel Josefsohn. Halb Mensch, halb Josefsohn

Eine Hommage an Deutschlands wildesten Fotokünstler

Die Galerie pavlov’s dog zeigt noch bis zum 12. Januar 2019 Fotocollagen aus dem Nachlass von Daniel Josefsohn.

„Halb Mensch halb Frau, halb Mensch halb Josefsohn“ – ein Satz, der sich aus dem verschwundenen Josefsohn-Atelier sofort ins Gedächtnis getaggt hat wie kein anderer: hingekritzelt an eine Wand in Daniel Josefsohns alter Remise in der Bergstraße.  Er passt wie die Faust aufs Auge zu Josefsohns analogen Collagen, in denen es wenig zimperlich zugeht. Mal ironisch, mal übergriffig werden die Porträtierten geschreddert und neuartig zusammengestitcht – Fotos wie merkwürdige Zustände.

Die zahlreichen „Schnipsel-Container“ und Sticker-Kisten, die sich nach seinem Tod im Studio vorfanden, zeugen von diesem Sammelsurium des Unfertigen. Die Lust an der collagenhaften Aneignung, an der Verfremdung, der Zuspitzung gehört so sehr zu dieser amorphen Josefsohn-Welt wie die kindliche Lust am Unkorrekten, Drastischen. Nicht immer sind die Themen so überdeutlich wie in „S.O.S Kinderdorf“, aber oft durch die Hintertür aktuell, wenn man heutige Schlagzeilen und Debatten im Kopf hat. Solchermaßen gegen den Strich ergeben diese Porträts plötzlich einen großen klaren Sinn in ihrer Ambivalenz, ihrer Treffsicherheit und ihrem Humor.

In der Galerie pavlov’s dog wird dieses Konvolut zum ersten Mal ausgestellt sein. Damit kehrt der Künstler nach seinem furiosen Debüt 2011 an gleicher Stelle zurück.

Über Daniel Josefsohn

Daniel Josefsohn, (1961-2016) wurde in Hamburg als Sohn jüdischer Eltern geboren.

Der ehemalige Waldorfschüler und Ex-Skater, in seinen Jugendjahren durch Aufenthalte in den USA, Israel und Deutschland sozialisiert, begann als fotografischer Autodidakt.

Nachdem er durch seine legendäre „Miststück“-Kampagne für den Musiksender MTV 1994 schlagartig bekannt wurde, arbeitete er für zahlreiche Magazine und Zeitschriften.

Ab 2007 wurden seine Arbeiten zunehmend im Theaterkontext bekannt: er verantwortete von 2007 – 2009 die Plakatkampagnen des Theater Festival Impulse, ab 2010 – 2013 die der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz sowie des Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg.

Es folgten diverse Einzelausstellungen:

in der Galerie pavlov’s dog LIEBER GOTT VERGIEBE MIR (2011), im Kunstverein Hamburg ES WIRD ALLES GUT MUTTER (2010) sowie im Kunstverein Jesteburg MACHEN SIE AUCH PASSFOTOS? (2014).

Nach einem Schlaganfall im Jahr 2012 dokumentierte Daniel Josefsohn ein Jahr lang seine Rekonvaleszenz in der Fotokolumne des ZEITmagazins unter dem Titel AM LEBEN und kontrastierte sie mit teils humorvollen, teils melancholischen Rückblicken auf sein rasantes Vorleben. Seine erste Monografie erschien im Herbst 2014 unter dem Titel OKDJ im Hatje Cantz Verlag.

Daniel Josefsohn starb am 13. August 2016 im Alter von 53 Jahren.

Besucherinformationen

pavlov’s dog
Bergstrasse 19, D-10115 Berlin

Ausstellungsdauer: bis 12. Januar 2019
Öffnungszeiten: Do bis Sa 16-20 Uhr und nach Vereinbarung

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von pavlov’s dog.

Daniel Josefsohn: OK DJ (Taschenbuch)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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