TV-Tipp: Macht der Bilder im Ersten Weltkrieg

12.11.2018 / 21:00 / 45 min / ARD-alpha
Macht der Bilder - Lüge und Propaganda im Ersten Weltkrieg
Ein Film von Günter Kaindlstorfer nach Recherchen von Karin Moser
Dokumentation, Österreich, 2014

Der erste Medienkrieg der Geschichte

Kinematograph im zerschossenen Iwangorod – 1915. Bild: © BR/ORF/Österreichisches Staatsarchiv

Der Erste Weltkrieg – das „Urtrauma des Zwanzigsten Jahrhunderts“ – war der erste Film- und Medienkrieg der Geschichte. Ob an Isonzo, Weichsel oder Somme: Im Völkergemetzel des „Großen Kriegs“ kam dem neuen Medium des Films – auch in den Augen der Militärs – eine überragende propagandistische Bedeutung zu. Der Dokumentarfilm beleuchtet die Macht der Bilder.

„Ein guter Film wird heute von zehn bis zwölf Millionen Menschen gesehen“, konstatierte der k. und k.-Propagandachef Wilhelm Eisner-Buba im Lauf des Krieges: „Kein anderes Propagandamittel setzt den Staat so sehr in die Lage, auf die breiten Massen einzuwirken, wie der Film.“

St. Peter bei Görz, 1917. Bild: © BR/ORF/Österreichisches Staatsarchiv

Und so setzten sämtliche am Krieg beteiligten Mächte von Anfang an auf die Manipulations- und Suggestionskraft der bewegten Bilder. Im neuen Medium der „Wochenschau sollte einerseits die „Heimatfront“ mobilisiert werden, zum anderen versuchte die staatlich gelenkte Propaganda auch die Soldaten an den Fronten zu erreichen: Mit enormem Aufwand wurden „Feldkinos“ zum Teil an die vordersten Kampflinien transferiert.

Dabei hatten alle Filmberichterstatter, egal auf welcher Seite sie im Einsatz waren, mit denselben Problemen zu kämpfen: Die Kameras waren sperrig und unbeweglich, das Filmmaterial wenig lichtempfindlich, die Produktion authentischer Kampfbilder erwies sich als schwierig. Und so wurden „Kampfaufnahmen“ in der Regel im Zuge von Manövern gedreht oder mit uniformierten Statisten reinszeniert. Heute geht man davon aus, dass maximal 20 Prozent des Filmmaterials aus dem Ersten Weltkrieg tatsächliche Kriegshandlungen zeigt. Der Rest ist – gefälscht.

Flammenwerfer-Einsatz. Bild: © BR/ORF/Österreichisches Staatsarchiv

Ein Medium, das die Gräuel des Krieges authentischer zu dokumentieren vermochte als der Film, war die Fotografie. Die erschütternden Aufnahmen, die Fotografen an den Fronten machten, zeigen all das, was in den zeitgenössischen Filmen nicht zu sehen ist: die Bestialitäten des Stellungskriegs und das Elend in den Unterständen, die Entbehrungen des Gebirgskampfs und das allgegenwärtige Leid in den Lazaretten, brennende Dörfer, an Laternenpfählen hängende „Vaterlandsverräter“ und zerfetzte und zerstückelte Leichname auf den Schlachtfeldern Flanderns, Galiziens und Nordfrankreichs.

Stacheldrahtverhaue an der Front. Bild: © BR/ORF/Österreichisches Staatsarchiv

Die Dokumentation zeigt Filmmaterial aus dem „Filmarchiv Austria“ sowie aus deutschen, dänischen, italienischen, norwegischen, russischen, serbischen und ungarischen Archiven. Außerdem präsentiert der Film beeindruckendes Fotomaterial aus dem Ersten Weltkrieg, das die Zeiten bisher unbeachtet in den Magazinen des „Österreichischen Staatsarchivs“ überdauert hat. Zudem kommen renommierte Historiker wie Christopher Clark, Manfried Rauchensteiner, Wolfgang Maderthaner, Anton Holzer, Hannes Leidinger, Karin Moser, Thomas Ballhausen, Wolfram Dornik und Julia Walleczek zu Wort.

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung des BR.

Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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