Eva Maria Ocherbauer. ONE FINE DAY SOON

Von Stonehenge inspiriert

Der FOTOHOF in Salzburg zeigt bis zum 19. Januar 2019 ONE FINE DAY SOON von Eva Maria Ocherbauer. Die Fotoausstellung thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen der menschlichen Gesellschaft und Welt der Natur.

Eva Maria Ocherbauer baut ihre fotografischen Bildwelten aus Formen der Natur wie auch aus Gebrauchs- und Verbrauchsgegenständen der Konsumwelt. Das viereckige Foto wird häufig aufgelöst und in die Umrisse des jeweiligen Gegenstandes übersetzt oder ins Dreidimensionale erweitert. So mutieren beispielsweise Kunststoffteile an einem Strand zu monumentalen Objekten, die in ihrer ästhetischen Präsenz Fragen nach dem Verhältnis von Bild und Wirklichkeit stellen. Für Ocherbauer ist die Fotografie auch ein Mittel, ganz banale Dinge des alltäglichen Lebens zu transformieren und im Bild überraschend schön, aber auch fremd erscheinen zu lassen. Die Dinge werden zu Ikonen ihrer selbst. Sie stellen Fragen nach den Möglichkeiten des Mediums Fotografie, aber auch nach den ausfransenden Enden der menschlichen Zivilisation.

Aufgebaut als dramatische Inszenierung wird die Galerie zur Bühne. Dem gezeigten Bildmaterial werden diverse Rollen zugewiesen. Kunststoffreste übernehmen die Schlüsselpositionen, Jelili Atiku agiert als Darsteller und ein Spinnennetz hält buchstäblich alle Fäden in der Hand. Dieses Netz bestimmt auch die Farbgebung der Ausstellung und verbindet damit die einzelnen Elemente, die primär einem assoziativ angelegtem Verständnis zugeordnet sind. Darüber hinaus gibt es mit dem Chor auch Bilder, die das Gegenständliche betonen und eine präzise Untersuchung der hier zum Thema gemachten Transformationen erlauben.

Die Szene baut sich in Anlehnung an das in der Jungsteinzeit errichtete Bauwerk Stonehenge auf. In der Ausstellung wird auf die kreisförmige Struktur eingegangen, die Bilder werden im Sinne der Steinblöcke aufgebaut und beziehen auch der historischen Anlage entnommene Positionen. Von einer Kultstätte über eine religiöse Tempelanlage, einen zentralen Begräbnisort bis zum astronomischen Observatorium, viel wird Stonehenge nachgesagt. All das kann auch mit ONE FINE DAY SOON in Verbindung gebracht werden. Das Ritual als solches, Kreisläufe, Transformationen und kosmische Ordnungen bilden die Grundlage dieser Ausstellung.

Inhaltlich geht es um Verhaltensweisen und den damit in Zusammenhang stehenden Kontrollverlust. Gezeigt werden Teile von Kunststoffen, die am Elegushi Beach in Lagos ihren temporären Platz gefunden haben und wie sie langsam vom Sand zersetzt ins Meer gelangen. Sie sind damit natürlichen Prozessen ausgesetzt und sämtlichen menschlichen Einflüssen entzogen. Dem wird als eine Art Allegorie ein Verschmelzen von Mensch und Natur anhand von inszenierten Bildern entgegengesetzt. Auch hier sehen wir eine elementare Unterwerfung an bestehende Gesetzmäßigkeiten. Alle Fotografien wurden bildnerischen Manipulationen unterzogen und entziehen sich damit sogenannter realer Darstellung.

Über Eva Maria Ocherbauer

Eva Maria Ocherbauer wurde 1959 in Graz geboren. Sie studierte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz. Ab 1983 ließ sie sich in der Werkstatt für Photographie in Berlin zur Fotografin ausbilden. Ihre Arbeiten wurden international in zahlreichen Ausstellungen gezeigt.

Eva Maria Ocherbauer unterrichtet an der Neuen Schule für Fotografie Berlin und gründete in Zusammenarbeit mit der African Artist Foundation die LagosPhoto Summer School in Lagos, Nigeria. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Besucherinformationen

FOTOHOF
Inge-Morath-Platz 1-3, A-5020 Salzburg
Tel +43 662 84 92 96

Ausstellungsdauer: bis 19. Januar 2019 
Öffnungszeiten: Di bis Fr 15-19 Uhr, Sa 11-15 Uhr
Eintritt: frei

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von FOTOHOF.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

Eva Maria Ocherbauer- La vie et la mort: Fotografien 1983-2004 (Gebundene Ausgabe)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
Anja Hoenen