Camera Austria International. Labor für Fotografie und Theorie

Eine Hommage an den Verein Camera Austria

Luigi Ghirri. Marina di Ravenna, 1986. Chromogener Abzug © The Estate of Luigi Ghirri

Mit einer großen internationalen Fotoausstellung würdigt das Museum der Moderne Salzburg noch bis zum 3. März 2019 die Pionierleistung und Einflüsse auf die österreichische Fotografie, die von Camera Austria seit mehr als 40 Jahren ausgehen.

Insgesamt 37 künstlerische Positionen aus elf Nationen, die von der in Graz beheimateten Camera Austria in den letzten Jahrzehnten präsentiert, publiziert und diskutiert wurden, sind erstmals in Österreich in einer umfangreichen Ausstellung zeitgleich zu sehen.

William Eggleston. Sumner, Mississippi, Cassidy Bayou in background, 1971. Dye Transfer © Eggleston Artistic Trust, Courtesy David Zwirner, New York/London/Hong Kong

Die unterschiedlichen konzeptuellen und inhaltlichen Ansätze der gezeigten namhaften Künstler stehen dabei beispielhaft für die Positionierung von Camera Austria und der Entwicklung und Vermittlung künstlerischer Fotografie in Österreich seit den 1970er-Jahren. Gegliedert in acht Kapitel, in denen frühe Wegbegleiter von Camera Austria mit aktuellen zeitgenössischen Positionen zusammentreffen, greift die Ausstellung auf das Zusammenspiel von Dialog und Kontinuität zurück. Die dadurch entstehenden visuellen Diskurse über Fotografie bieten die Möglichkeit, Aspekte aus der Geschichte der Institution zu aktualisieren.

Ausstellungansicht: Zanele Muholi. Aus der Serie „Faces & Phases“ (Gesichter & Phasen), 2008–fortlaufend. Digitale Ausdrucke mit 30 Porträts © Zanele Muholi. Courtesy of Stevenson, Cape Town/Johannesburg and Yancey Richardson, New York

„Seit den Anfängen von Camera Austria steht der direkte Austausch mit Künstler_innen an oberster Stelle. Es hat sich damit ein internationales Netzwerk entwickelt, das wir natürlich nur ausschnitthaft zeigen können. Bei der Auswahl sind wir dem Prinzip von Camera Austria gefolgt, fotografische Arbeiten in inhaltlich zusammenhängenden Serien zu zeigen, so dass wir fast 550 Einzelwerke präsentieren“, so die Kuratorin der Ausstellung Christiane Kuhlmann.

Christine Frisinghelli, Mitbegründerin von Camera Austria und Gastkuratorin, ergänzt, dass „diese Ausstellung den Blick auch auf die institutionelle Entwicklung von Camera Austria seit der Gründung 1974 als unabhängiges, von Künstler_innen geleitetes Projekt lenkt. Die internationale Sichtbarkeit der Arbeit entwickelte sich kontinuierlich: Die Ausstellungstätigkeit wurde von 1979 bis 1997 durch jährlich als Beitrag zum Festival steirischer herbst veranstaltete Symposien über Fotografie ergänzt. Getragen wurde und wird die in dieser Arbeit angelegte Debatte um Fotografie vor allem durch die seit 1980 erscheinende Zeitschrift Camera Austria International.“

Michael Schuster / Hartmut Skerbisch. Alle haben Alles gesehen, 1989. Serigrafie auf Alucobond © Michael Schuster / Hartmut Skerbisch

Durch die initiierten Symposien, Ausstellungen und Veröffentlichungen in Camera Austria International entstanden einzigartige Plattformen für die Vernetzung von internationaler und österreichischer Fotografie. Gleichzeitig fungierte die Organisation früh als Fenster in die Welt und öffnete dadurch einerseits den Blick der heimischen Fotoszene auf das internationale Geschehen und lenkte andererseits die internationale Aufmerksamkeit auf Österreich.

Somit greift die Ausstellung ein wichtiges Kapitel der österreichischen Kunst- und Fotogeschichte heraus, deren Entwicklung anders verlaufen ist als beispielsweise in Deutschland, den Niederlanden oder den Vereinigten Staaten. Es fehlte in den 1970er-Jahren vor allem an universitären Ausbildungsstätten. Öffentliche Sammlungen waren für fotografiehistorische Arbeit kaum zugänglich, Fördermaßnahmen und eine Debatte über Fotografie im Kunstkontext haben sich nur langsam entwickelt.

Seiichi Furuya. AMSterdam, 1980. Silbergelatineabzug © Seiichi Furuya

Hier konnte durch die rege Ausstellungs-, Symposiums- und Publikationstätigkeit von Camera Austria, deren Gründer Manfred Willmann und Christine Frisinghelli ab Mitte der 1970er-Jahre kontinuierlich österreichische und internationale Fotografie zur Diskussion gestellt haben, eine Leerstelle gefüllt werden. Diese wichtige Arbeit zur Fotografie wird von Camera Austria als Diskussionsplattform, Ausstellungshaus, Verlag, Archiv, Bibliothek sowie als Veranstalter von Workshops und Symposien bis heute kontinuierlich fortgesetzt.

Mit Werken von

Robert Adams, Nobuyoshi Araki, Lewis Baltz, Sabine Bitter & Helmut Weber, Anna und Bernhard Blume, Petar Dabac, William Eggleston, Hans-Peter Feldmann, Seiichi Furuya, Luigi Ghirri, David Goldblatt, Nan Goldin, Sanja Iveković, Sven Johne, Lamia Joreige, Annette Kelm, Iosif Király, Joachim Koester, Zofia Kulik, Darcy Lange, Tatiana Lecomte, Susan Meiselas, Zanele Muholi, Peter Piller, Walid Raad, Einar Schleef, Jörg Schlick, Michael Schmidt, Michael Schuster & Hartmut Skerbisch, Allan Sekula, Ahlam Shibli, Lieko Shiga, Nicole Six & Paul Petritsch, Jo Spence, Christian Wachter, Manfred Willmann, Tobias Zielony

Tobias Zielony. Haus der Jugend, 2017. Filmstill © Tobias Zielony, KOW, Berlin

Publikation

Camera Austria International. Labor für Fotografie und Theorie, Hg. Museum der Moderne Salzburg. Mit Texten von Reinhard Braun, Christine Frisinghelli, Toshiharu Ito, Christiane Kuhlmann, Maren Lübbke-Tidow, Sandra Križić Roban, Roberta Valtorta und einem Vorwort von Thorsten Sadowsky. Broschur, ca. 300 Seiten, 345 Abbildungen, Spector Books, Leipzig, 2018
ISBN: 978-3-95905-233-7
Preis: € 36,00

Besucherinformationen

Museum der Moderne Salzburg
Mönchsberg 32, A-5020 Salzburg
Tel +43 662 842220

Ausstellungsdauer: bis 3. März 2019
Öffnungszeiten: Di bis So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro

Bilder und Texte mit freundlicher Genehmigung von Museum der Moderne Salzburg.

Unsere chronologische Übersicht aktueller Fotoausstellungen im deutschsprachigen Raum.

On Photography: Camera Austria – Labor für Fotografie und Theorie (Taschenbuch)


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Anja Hoenen

Anja Hoenen

Marketing und Pressearbeit bei Netzwerk Fotografie
Anja betreut das Netzwerk Fotografie redaktionell und als Leiterin der Marketing- und Presseabteilung.
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